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| 06:00 Uhr

Cottbus
Zukunft Heimat, die Wende und Gorbatschow

 Einige Hundert Amhänger des Golßener Vereins Zukunft Heimat demonstrieren am Sonntagnachmittag in der Cottbuser Innenstadt.
Einige Hundert Amhänger des Golßener Vereins Zukunft Heimat demonstrieren am Sonntagnachmittag in der Cottbuser Innenstadt. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus. In Cottbus haben nach einer Vergewaltigung und einer Neonazi-Razzia Asylkritiker vom Golßener Verein Zukunft Heimat demonstriert. Ein AfD-Kandidat versuchte die Kundgebung in die Tradition der Wende zu stellen. Von Andrea Hilscher

Einige Hundert Anhänger des Golßener Vereins Zukunft Heimat haben sich am Sonntagnachmittag in der Cottbuser Innenstadt zu einer Kundgebung getroffen. Unter den Besuchern waren zahlreiche Dresdner, Chemnitzer und Berliner.

In ihren Wortbeiträgen reagierten die Redner zunächst auf die Ereignisse rund um die ehemalige Jugendherberge in Bagenz. Sie beriefen sich dabei auf ein angebliches Interview, dass ein Berliner AfD-Abgeordneter nach eigenen Angaben mit dem Opfer einer Vergewaltigung am Stausee geführt hat. In diesem Interview ist die Rede von einem Mann, der das spätere Opfer einen Tag vor der Tat beobachtet haben soll und gebrochen Deutsch gesprochen haben soll.

Cottbuser AfD-Chefin sprich auf Demo von „Vertuschung“

Die Redner rückten den mutmaßlichen Täter in einen Zusammenhang mit Flucht und Migration. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit allerdings gegen Unbekannt, von einem ausländischen Tatverdächtigen ist nicht die Rede.

Die Cottbuser AfD-Chefin Marianne Spring-Räumschüssel spricht in diesem Zusammenhang von „politisch gewollter Vertuschung“. Den Angriff von maskierten Jugendlichen auf die Unterkunft in Bagenz bezeichnet sie als „Demonstration aufgebrachter Bürger“, bei der niemand verletzt wurde. Die Polizei wertet die Attacke der Vermummten in Bagenz als Landfriedensbruch.

Auch die Razzia gegen rechtsextreme Strukturen, die die Polizei in der vergangen Woche durchgeführt hat, stellt AfD-Landtagskandidat Christoph Berndt in einen politischen Zusammenhang. Die Razzia sei durch den Wahlkampf getrieben und sei ein Versuch, die Region und Cottbus zu diffamieren.

AfD-Kandidat beruft sich in Cottbus auf Gorbatschow

Berndt verfolgt damit seine Strategie weiter, die asylkritischen Demonstrationen von Zukunft Heimat in die Tradition der Wende zu stellen. Er spricht von „wir, die 89er“, beruft sich auf Gorbatschows Perestroika und sieht in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit „totalitäre Züge“, ohne seine Theorien jedoch zu belegen.

In einem Video wirbt Christoph Berndt für die Teilnahme an Wahlbeobachtungen. Er beruft sich auch hierbei auf die Wende von 1989 und erinnert an die Wahlfälschungen, die von den einstigen Bürgerrechtlern aufgedeckt wurde. Sie stellt er in eine Linie mit Wahlbeobachtern, die das rechte Kampagnennetzwerk „Ein Prozent“ bei den kommenden Wahlen einsetzen möchte.

Keine Tote, aber mutmaßliche Vergewaltigung am Stausee

 Einige Hundert Amhänger des Golßener Vereins Zukunft Heimat demonstrieren am Sonntagnachmittag in der Cottbuser Innenstadt.
Einige Hundert Amhänger des Golßener Vereins Zukunft Heimat demonstrieren am Sonntagnachmittag in der Cottbuser Innenstadt. FOTO: LR / Hilscher Andrea