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| 12:02 Uhr

Cottbus
Das Scandale zwischen Abschied und Neuanfang

 Das Scandale bittet seine Gäste auf humorvolle Weise um Rücksichtnahme auf Nachbarn.
Das Scandale bittet seine Gäste auf humorvolle Weise um Rücksichtnahme auf Nachbarn. FOTO: LR / Kompalla Peggy
Cottbus. Der beliebte Cottbuser Club schließt zum 30. Juni. Vorher gibt es eine große Abschiedsparty – und Arbeit am neuen Standort.

Das Ende ist besiegelt: Nach sieben Jahren schließt das Scandale in der Karl-Liebknecht-Straße. Nach Anwohnerbeschwerden und einem Urteil des Verwaltungsgerichtes muss der Betreiber den Club endgültig aufgeben. Am 30. Juni ist Schluss im Scandale, am Wochenende vorher wird groß Abschied gefeiert. Wie es danach für Philipp Gärtner weitergeht, ist noch unklar.

Seit Wochen bemüht sich Gärtner um Kontakt zu den Anwohnern, die sich durch den Lärm der Scandale-Gäste gestört fühlen. Er hat seine Telefonnummer verteilt, bei Lärmbelästigungen hätte er sofort die Musik leiser gedreht und mit seinen Gästen geredet. „Bisher hat aber noch niemand angerufen.“

Am Mittwochabend hatte er zum zweiten Mal zu einem Bürgerdialog in seinen Club eingeladen. Statt genervter Anwohner kamen andere Gäste. Ein junges Paar, das direkt neben dem Club wohnt und sagt: „Wir leben damit, das Scandale ist ein wichtiger Ort.“ Auch Raimund Fein lebt in der Nähe des Clubs. „Der Lärm stört mich“, sagt er. Doch das Thema interessiert den BTU-Professor. Er hat seine Architekturstudenten kurzerhand mit zur Diskussionsrunde gebracht. Mit ihnen begutachtet er die Pläne für ein mögliches neues Scandale in der Nähe des Bahnhofs. Eine Halle, die derzeit noch von einer Werbefirma genutzt wird, könnte das Cottbuser Nachtleben einen neuen Kristallisationspunkt finden. Eigentümer Helmut Rauer unterstützt die Pläne, die Stadt ist gerade dabei, den B-Plan so zu ändern, dass am Standort eine Vergnügungsstätte betrieben werden darf. Gunnar Kurth, SPD-Chef in Cottbus will nun Gespräche zwischen Stadt und Deutscher Bahn anregen, damit Philipp Gärtner so schnell wie möglich an den Start gehen kann. „Wir wollen die Lücke zwischen Schließung und Neubeginn so kurz wie möglich halten“, sagt Kurth.

Darauf hoffen auch die anwesenden Studenten. „Die Uni soll viele junge Leute anlocken, aber feiern sollen die Studenten nicht in der Stadt“, beklagen sie.

Philipp Gärtner möchte möglichst schon im Sommer für eine Übergangszeit auf dem Areal im nördlichen Bahnhofsumfeld arbeiten. „Mit einem mobilen Bierwagen, als fliegendes Gewerbe, das müsste doch möglich sein.“ Er setzt auf das schräge Ambiente des Ortes, will dort an die Traditionen des „Prima Wetter“ anknüpfen, dass mit kleinen Pools, Grillecken und Spielangeboten für Familien bereits an mehreren Cottbuser Standorten erfolgreich war. „Für uns wäre das Umfeld ideal. Die Berliner DJs könnten mit dem Zug anreisen, auch unsere Besucher aus den umliegenden Städten wären froh über die tolle Bahnanbindung.“

„Für meine Mitarbeiter kümmere ich mich für die Übergangszeit um Jobs in anderen Kneipen“, sagt er. Fünf Festangestellte und 15 Pauschalkräfte beschäftigt Gärtner im Scandale und der kleineren Bar Seitensprung. „Ich hoffe, sie kommen dann alle zurück zu mir in das neue Scandale.“

(hil)