Von Peggy Kompalla

Kay Behrendt sagt: „Das wird das teuerste Lager der Stadt.“ Dem Satz schickt er ein Lachen hinterher und eine Erklärung: „Das ist natürlich Liebhaberei.“ Rund zwei Millionen Euro lässt sich der Unternehmer das kosten. Er spricht vom letzten unsanierten Fabrikgebäude auf dem Melde-Areal. Es stand 20 Jahre lang leer. Jetzt wird es umgebaut. Der Geschäftsführer der Behrendt Elektro Großhandel GmbH ist froh darüber, komplettiert er doch auf diese Weise sein Firmengelände. Aber nicht nur das: Auch städtebaulich wird sich das Gebäude in die Nachbarschaft einfügen.

Leider sei das alte Fabrikhaus in seiner Gänze nicht zu erhalten gewesen. „Die Substanz war zu sehr geschädigt“, erzählt Behrendt. Fünf Jahre habe die Vorbereitung auf den Umbau gedauert. „Allein drei Jahre haben wir gebraucht, um einen Kompromiss mit dem Denkmalschutz zu erreichen.“ So werde von dem alten Fabrikbau der Treppenhausturm und das Erdgeschoss als Klinkerbau erhalten. „Darauf setzen wir ein Haus auf.“ Das schafft für sein Unternehmen neue Lagerkapazitäten im Erdgeschoss und Büros im ersten Obergeschoss. Darüber kommen zwei Etagen mit fünf Wohnungen.

Für den Umbau hat die Behrendt GmbH sogar drei Architekten zu einem kleinen Wettbewerb eingeladen. Den Zuschlag erhielt demnach der Cottbuser Martin Stauss mit seinem Entwurf.

Mit dem Abriss ist bereits begonnen worden. Dafür hat Kay Behrendt extra seinen Mitarbeiterstamm aufgestockt. „Wir wollten zunächst eine Abrissfirma beauftragen. Aber die Angebote waren einfach utopisch und haben sogar das ganze Projekt in Frage gestellt“, erzählt er. „Wir haben eigene Monteure und nun zusätzlich Maurer eingestellt.“ Nicht nur das: Zum Abriss-Bau-Trupp gehören auch drei syrische Flüchtlinge. „Das ist mir wichtig“, sagt der Unternehmer. Er habe dabei auch die Unterstützung seines Teams gefunden. Auf das Stellenangebot hätten sich 22 Flüchtlinge beworben. Nach zwei Tagen Probearbeit, bekamen drei einen Drei-Monats-Vertrag. „Die Verträge werden wir auf zwei Jahre verlängern, wenn alles gut läuft“, versichert der Geschäftsmann. Bislang deutet alles darauf hin. „Wir machen nur gute Erfahrungen mit den neuen Kollegen. Sie sind sehr hochmotiviert.“ Ihre Einstellung mache die fehlende Berufsausbildung wett. „Wir bekommen die Integration doch nur hin, wenn wir den Menschen eine Chance geben und sie sich einbringen können.“

Den Chef ärgern die abfälligen Bemerkungen über Cottbus. Die bekomme er oft genug in Berlin zu hören. Schließlich hat das Cottbuser Unternehmen in der Hauptstadt eine Filiale. Zum Unternehmensverbund gehört das Lichthaus Mösch im Stilwerk. Damit haben die Cottbuser neben dem Elektro-Großhandel ein zweites Standbein im Lichtdesign und der Beleuchtungstechnik aufgebaut. Kay Behrendt freut sich: „Die Melde-Kornbrennerei hatte auch in Cottbus ihren Stammsitz und in Berlin eine Filiale. So wie wir.“ Eine schöne Parallele zur Geschichte, findet er.

Angefangen hat alles im Jahr 1992 mit dem Großhandel. Längst ist die Behrendt GmbH bundesweit aktiv. Zu den Kunden gehören neben der Deutschen Bahn, die Bundeswehr oder EnviaM. 1994 zog das Unternehmen auf das Melde-Areal. „Damals haben wir noch gemietet“, erinnert sich Kay Behrendt. „Stück für Stück haben wir dann gekauft und saniert.“ Jetzt ist das letzte Stück dran.