(pk/dst) Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hat am Mittwoch im Stadtparlament nochmals unterstrichen, dass die Stasi-Unterlagenbehörde für das Land Brandenburg nach Cottbus gehört. „Nirgendwo sonst im untergegangenen Land gab es so viele Spitzel wie in unserem Kohle- und Energiebezirk“, sagte Kelch. „Umso wichtiger ist die dauerhafte Sicherung der Zeugnisse dieser Strukturen und der damaligen Zeit.“ Cottbus sei dafür der prädestinierte Standort. „Wir haben den authentischen Ort mit der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus und dem Menschenrechtszentrum.“

In den ostdeutschen Bundesländern soll es nach Information des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, künftig je einen Archivstandort geben. Dort sollen die Akten fachgerecht aufbewahrt werden. Wofür auch Neubauten notwendig seien. Bislang befinden sich die Stasi-Unterlagen der einstigen DDR-Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus in Frankfurt (Oder). Der Frankfurter Oberbürgermeister René Wilke (Linke) will einen Abzug der Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde verhindern. Oberbürgermeister Kelch ist sich der Konkurrenz bewusst.

Beide Standorte haben aus Sicht des Landes Brandenburg ihre Vorteile. In Frankfurt gibt es auf einer Liegenschaft des Bundes eine voll funktionstüchtige Außenstelle. Cottbus kann wiederum mit dem Menschenrechtszentrum einen authentischen Ort beziehungsweise eine Gedenkstätte mit großem erinnerungskulturellen Potenzial bieten.

Wie eine Variante für einen Archivstandort in Cottbus aussehen könnte, zeigt ein Konzept des Menschenrechtszentrums. Es sieht vor, auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses ein Bildungs- und Begegnungszentrum mit mehreren Themenschwerpunkten zu schaffen. So könnte hier neben dem Archiv für die Brandenburger Stasiakten auch ein Archiv des Widerstands in beiden deutschen Diktaturen entstehen. Außerdem sieht das Konzept ein Tagungszentrum und ein Begegnungszentrum für Flüchtlinge vor. Aufgrund der teils maroden Bausubstanz der Gebäude müssten für Sanierung und Neubau mehrere Millionen Euro ausgegeben werden.