Von Peggy Kompalla

Anton Kröber kann sich einen Start in den Tag ohne einen dampfenden Kaffee nicht vorstellen. Trotzdem hat er es darauf abgesehen. Oder genauer gesagt: auf die Wegwerfbecher für unterwegs. Anton Kröber und seine Mitstreiter von der Umweltorganisation BUND-Jugend wollen in Cottbus ein Kaffeebecher-Mehrwegsystem etablieren. Dafür müssen sie allerdings noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Bislang beteiligen sich erst zwei Unternehmen daran. Dabei gibt es längst Fürsprecher von offizieller Stelle.

Die jungen Umweltschützer haben einen griffigen Namen für ihre Kampagne gefunden: „Cottbus plastelos“. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Deshalb haben sie sich für den Anfang die Wegwerf-Kaffeebecher vorgenommen. Davon landen nach Angaben der Umweltorganisation deutschlandweit 320 000 Stück in der Stunde im Müll. Die Einwegbecher sehen zwar aus wie Pappbecher, sind aber meist mit einer Plaste-Schicht überzogen. Damit können sie nicht wiederverwertet werden. Das ist nicht nur ein riesiger Müllberg, sondern vor allem eine Verschwendung von Ressourcen.

Anton Kröber und sein Team hat in Recup einen Partner gefunden: Das Münchner Unternehmen bietet ein Pfandsystem mit wiederverwendbaren Kaffeebechern an, das bereits in mehreren Städten gut funktioniert - unter anderem in Berlin, aber auch auf Sylt. Allerdings ist das System erst attraktiv, wenn sich daran möglichst viele Cafés und Bäckereien, aber auch Tankstellen beteiligen. Denn der Kunde zahlt für den Becher einen Euro Pfand in dem einen Geschäft und kann ihn im anderen auf seinem Weg wieder abgeben.

Den Anfang in Cottbus hat vor gut einem Jahr der Bio-Laden Ährenkranz gemacht. Chef Alexander Schömmel hat in dem Zug gleich komplett auf die Mehrwegbecher umgestellt. Soll heißen: Bei ihm gibt es keine Pappbecher mehr. Seit Kurzem ist nun auch die Bäckerei Hoffmann in der Straße der Jugend dabei. Veronika Hoffmann hat das Pfandsystem sofort überzeugt: „Unsere Stammkunden fragen danach“, erzählt sie. Die Menschen würden immer umweltbewusster im Alltag. Nach ihrer Auffassung könnte die Nachfrage ruhig noch größer sein. Das ist auch den Umweltschützern bewusst. Anton Kröber sagt: „Wir erhoffen uns, große Bäckereiketten gewinnen zu können.“

Hinter der Plastelos-Kampagne steht auch die Stadt Cottbus. So kann die BUND-Jugend mit einer Absichtserklärung der Stadt auf Werbetour durch die Cafés und Bäckereien gehen. Darin steht: „Wir möchten Sie ermutigen, diese Aktion zu unterstützen, um somit einen Beitrag zum umweltbewussten Handeln zu leisten. Die Vermeidung von Restmüll bei to go Bechern wird politisch durch das Gremium der Stadtverordnetenversammlung Cottbus mitgetragen.“ Der Brief ist unterschrieben von Umweltdezernent Thomas Bergner (CDU) und endet mit dem Wunsch: „In naher Zukunft soll sich in der Stadt Cottbus/Chósebuz ein in Brandenburg erstes Becherpfandsystem etablieren.“

Für die beteiligten Unternehmen ist das System recht simpel. Veronika Hoffmann erklärt: „Das ist ein Durchlaufposten. Wenn wir den Becher zurückbekommen, stecken wir ihn in die Spülmaschine.“  Laut Recup können die Becher 500 Mal wiederverwendet werden. Sie bestehen aus reinem Kunststoff ohne Weichmacher. Alte oder beschädigte Becher sammelt das Unternehmen ein und ersetzt sie. Das ist Teil des Service‘. Auch der, dass ab einer Stückzahl von 5000 die Becher mit Motiven der Stadt gestaltet werden können. „Das wäre doch eine schöne Werbung für Cottbus, wenn die Becher mit der Stadtsilhouette in Berlin und anderen Städten und Regionen auftauchen“, sagt Kröber.