ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 08:24 Uhr

Kein schiffbares Gewässer
Bäume kippen vermehrt in die Spree

 Ein umgestürzter Baum in der Spree zwischen Kutzeburger Mühle und Kiekebusch.
Ein umgestürzter Baum in der Spree zwischen Kutzeburger Mühle und Kiekebusch. FOTO: LR / Antje Posern
Cottbus. Viele Bäume liegen derzeit in der Cottbuser Spree. Das Land sieht keine zusätzliche Sorgfalts- oder Verkehrssicherungspflicht zum Entfernen der Bäume. Das hat einen Grund. Von Peggy Kompalla

In der Cottbuser Spree liegen dieser Tage viele Bäume. Während die Gehölze im Bereich der Mühleninsel kürzlich beräumt wurden, versperren zahlreiche Bäume den Flusslauf zwischen der Kutzeburger Mühle und Sandow. Das Land sieht trotzdem keinen erhöhten Handlungsbedarf und begründet dies mit dem Bundesnaturschutzgesetz.

Die Spree schlängelt sich auf 25 Kilometern durch das Stadtgebiet von Cottbus. Da es sich bei dem Fluss um ein Gewässer erster Ordnung handelt, liegt die Verantwortung dafür beim Land – allerdings mit Einschränkungen. Darauf weist das Landesamt für Umwelt hin. Da die Spree im Bereich Cottbus kein schiffbares Landesgewässer sei, gelte dort das „Recht des Betretens der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zwecke der Erholung“.

Cottbuser Spree sich selbst überlassen?

Das klingt kompliziert, bedeutet aber im Grunde nichts anderes als Betreten auf eigene Gefahr. Das ist im Bundesnaturschutzgesetz klargestellt. Dort heißt es in Paragraf 60 dazu: „Durch die Betretungsbefugnis werden keine zusätzlichen Sorgfalts- oder Verkehrssicherungspflichten begründet. Es besteht insbesondere keine Haftung für typische, sich aus der Natur ergebende Gefahren.“

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Cottbuser Spree sich selbst überlassen wird. Behördensprecher Thomas Frey erklärt: „Es werden regelmäßig Gewässerkontrollen durchgeführt. Bei Bedarf werden notwendige Maßnahmen wie das Entfernen von Abflusshindernissen durch den Gewässerunterhaltungsverband veranlasst.“ Allerdings werde aus Effizienz- und Kostengründen nicht bei jedem Ast oder Baum sofort eine Beräumung veranlasst.

Kanuten beobachten Zunahme von umgestürzten Bäumen

Die anhaltende Trockenheit, versichert der Behördensprecher, sei kein Grund für die vermehrte Schieflage von Bäume an der Spree. Allerdings bestätigten die Kanuten des ESV Lok RAW Cottbus den Eindruck, dass in den vergangenen Wochen viel mehr Bäume im Fluss liegen, als sonst üblich. Die Wassersportler sind regelmäßig zwischen dem Kiekebuscher Wehr und dem Kleinen Spreewehr unterwegs.

Jürgen Peter vom Verein sagt: „Die Bäume sind für uns nicht ungefährlich. Nicht nur die im Wasser. Es stehen zudem einige direkt am Ufer ziemlich schief.“ Sie drohen also demnächst umzukippen. Da die Kanuten regelmäßig auf der Cottbuser Spree trainieren, melden sie Probleme direkt. „Beim Landesamt für Umwelt haben wir einen Kontakt, dem wir von umgekippten Bäumen oder anderen Problemen berichten“, sagt Jürgen Peter. Allerdings liegen bereits einige Bäume schon länger als drei Wochen in der Cottbus Spree. „Ich denke der Gewässerunterhaltungsverband hat derzeit andere Prioritäten.“

Bäume können im Fluss gefährlich werden

In den Fluss gekippte Bäume sind nicht nur ein Hindernis für Wassersportler, sondern bergen auch Gefahren. Denn wenn die Gehölze den Abfluss des Wassers verhindern, erhöhen sie damit die Gefahr eines Hochwassers. Darüber hinaus können umgestürzte Bäume für Uferabbrüche sorgen. Also liegt es auch im Interesse des Landes, dass die Bäume irgendwann entfernt werden.

Der Pegel der Spree in Cottbus ist seit Wochen ziemlich konstant. Er bewegt sich zwischen 89 und 91 Zentimetern.