Von Peggy Kompalla

Die Beerdigung des Spreewaldtunnels ist längst geplant. Trotzdem wird er noch einmal auferstehen – noch dazu als ein völlig neuer Ort. Am Freitag, 14. Dezember, öffnet er sich ein letztes Mal für sechs Stunden als temporäre Galerie. Verantwortlich dafür ist das internationale Künstlerkollektiv workroom 5 mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Bahn.

Die beiden Australier Damien Laing und Yasmin Nebenführ sind der Kern des Kollektivs. Sie hat es erst im Oktober nach Cottbus verschlagen. Er studiert Städtebau, sie Weltkulturerbe. An der BTU fanden sie schnell gute Freunde und Mitstreiter, die sie kurzerhand in ihr Künstlerkollektiv aufnahmen. Dabei sind mit Carl Soballa und Frederik Hähnel auch ein angehender Maschinenbauer und ein Profi-Radsportler dabei. „Wir sind sehr offen“, sagt Damien Laing. „Schon in Melbourne haben wir Wert darauf gelegt, dass bei uns neben bekannten Künstlern auch Anfänger ausstellen, die ihre ersten Werke zeigen.“ Dieses Konzept überträgt workroom 5 nun von der australischen Metropole auf die Lausitz. In der Spreewaldtunnel-Ausstellung werden Werke von 15 Künstlern aus Cottbus, Berlin, Weimar, Melbourne und New Castle zu sehen sein. Die Schau umfasst demnach Fotografien, Collagen und Gemälde. Carl Soballa will sich außerdem als Verpackungskünstler versuchen und den Tunnel mit Papier versehen.

Die Anfrage an die Deutsche Bahn haben die Künstler gestellt, da wussten sie noch gar nicht davon, dass die Tage des alten Spreewaldtunnels gezählt sind. „Er hat diesen alltäglichen Charme“, erklärt Damien Laing ohne romantische Anwandlungen. „Die Leute lieben den Spreewaldtunnel. Allein deshalb ist er ein guter Ort zum Feiern, um Freunde zu treffen und neue Menschen kennenzulernen.“ Darum geht es im Kern auch bei der Ausstellung am 14. Dezember.

Damien Laing ist selbst erstaunt, wie einfach es war, die Bahn von der Idee zu überzeugen. Bahnhofsmanager Jan Henkel sagt dazu trocken: „Es ist etwas Schönes. Das wird der Stadt und dem Bahnhof guttun.“ Außerdem könne der Spreewaldtunnel auf diese Weise noch einmal in Szene gesetzt werden. Allerdings sind die Sicherheitsauflagen für die Aktion in dem engen Gemäuer hoch. „Wir müssen da streng sein“, betont der Bahnhofsmanager. Deshalb dürfen den Tunnel bei der Ausstellung maximal 25 Personen betreten. Das hat in erster Linie mit Brandschutz zu tun. „Die Sicherheit muss zu jedem Zeitpunkt der Veranstaltung gegeben sein.“

Aus diesem Grund wollen die Künstler die Ausstellung zu einem kleinen Erlebnis machen. „Die Leute sollten sich warm anziehen“, rät Damien Laing. In einem Zelt wird Glühwein ausgereicht, beste Gelegenheit das Kollektiv kennenzulernen. „Mit der Weihnachtsmarkt-Saison haben die Menschen darin schon gute Übung“, sagt er. Yasmin Nebenführ mag Cottbus wegen dieser Möglichkeiten. „Man kann so viel gestalten und erreichen“, erzählt sie. „Man muss es einfach nur machen.“ Dann finde sich auch Unterstützung. „Die Bahn hat für unsere Ausstellung extra noch die Stromkabel im Tunnel belassen. Sie sollten eigentlich schon gekappt werden“, sagt Yasmin Nebenführ. Das wird auf später verschoben. Anfang nächsten Jahres wird er dann endgültig verfüllt. Die Australierin würde gern eine Zeitkapsel hinterlassen. „Vielleicht hat die Bahn ein Foto oder eine alte Zeichnung, die da hinein passen würde“, denkt sie laut nach.