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Cottbus als Magnet für Komponisten

Cottbus.. Zwar stamme die älteste Quelle zur Cottbuser Musikgeschichte erst aus dem Jahr 1750, sagt Dr. Bernhard Reichenbach, Prodekan des Fachbereichs Musikpädagogik der Fachhochschule Lausitz. Doch was Cottbuser Komponisten im 20. Jahrhundert geleistet hätten, sei wirklich bemerkenswert. Ulrike Elsner

Reichenbach hat das Jubiläum „850 Jahre Cottbus“ zum Anlass für eine Dokumentation „Cottbuser Komponisten“ genommen, die beim Eröffnungskonzert der Jubiläumsfeierlichkeiten vorgestellt wurde.
Die Publikation informiert über Komponisten, die noch heute in Cottbus leben und arbeiten, die hier bis zu ihrem Tod gelebt und gearbeitet haben oder die über mehrere Jahre in Cottbus wirkten. Grundlage, so Reichenbach, sei eine Recherche, die Catrin Engel im vergangenen Jahr für ihre Diplomarbeit angestellt habe.
Beim frühesten Hinweis zur Musikgeschichte der Stadt habe es sich um die „Acta betreffend die Wahl der Stadtmusicorum 1750 - 1797“ gehandelt. Heinrich Gotthold Lehmann sei damals zum „Cantor und Director musices“ ernannt worden. Aufzeichnungen über Theateraufführungen gehen, wie bei Reichenbach nachzulesen, bis ins Jahr 1791 zurück, als beispielsweise dem Cottbuser Theaterdirektor Glück die Genehmigung für Auftritte im Fürstensaal des Schlosses erteilt wurde. Am 28. Juni 1811 erklang erstmals Mozarts „Zauberflöte“ in Cottbus. 1832 gründete der Lehrer und Kantor Carl Christian Stäber (1798 - 1857) den für das regionale Musikleben überaus wichtigen Stäber-Verein.
Der Leser der Dokumentation erfährt auch, dass das am 1. Oktober 1908 mit Lessings „Minna von Barnhelm“ eingeweihte Jugendstiltheater bis 1912 kein eigenes Orchester und Opernensemble besaß.
Die Gründung eines Konservatoriums verzeichnet die Chronik gar zweimal. Die erste Gründung erfolgte am 1. Oktober 1912, doch schon am 1. April 1914 wurde dieses Konservatorium wieder geschlossen. Erst am 1. September 1947 erfolgte die zweite Gründung.
Ein besonders reges Musikleben mit „herausragenden Komponisten“ attestiert Bernhard Reichenbach der Stadt für das 20. Jahrhundert. Das Zentrum der Kohle- und Energiewirtschaft habe sich als „Magnet für Künstler und eben auch für Komponisten“ erwiesen.
Der 1966 ins Leben gerufene „Cottbuser Musikherbst“ habe darin bis heute einen festen Platz. Er sei „das wichtigste Ereignis der zeitgenössischen Musik in Cottbus“ .
Im Abschnitt über die heute in Cottbus lebenden Komponisten vermerkt die Dokumentation Lebensdaten und Wirken von Hans Hütten (geboren 1943 in Nossen), Frank Petzold (geboren 1951 in Zwickau), Ulrich Pogoda (geboren 1954 in Wittichenau), Bernd Weinreich (geboren 1948 in Senftenberg) sowie Kirchenmusikdirektor Wilfried Wilke (geboren 1952 im Vogtland). Außerdem genannt werden Karl Esbach, Ekkehard Felgner und Manfred Lehmann, deren Schaffen „weniger umfangreich bzw. auf bestimmte Genres begrenzt blieb“ .
Eine umfangreiche Würdigung erfährt Harald Lorscheider, der am 28. Oktober 2005 im Alter von 65 Jahren verstorbene langjährige Vorsitzende des Vereins „Cottbuser Musikherbst“ .
Als Nestor unter den Cottbuser Komponisten, so Reichenbach, könne Johannes Werner (1908 - 1986) gelten. Der gebürtige Madlower und spätere Cottbuser Ehrenbürger habe in der privaten Cottbuser „Lesse-Musikschule“ seinen ersten Unterricht erhalten. 1952 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Komponistenverbandes der DDR und war, wie in der Chronik nachzulesen, ab 1960 „Komponist in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Golßen/Luckau. . ., deren Mitglied er dafür geworden war“ .