„Natürlich geht die derzeitige Pandemie auch nicht an meinem Amt vorbei“, sagt Marcus Kurt im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Als amtierender Leiter ist er Chef über das Hauptzollamt Frankfurt (Oder), das mit seinen Dienststellen bis hinunter in die Lausitz reicht. Fahnder, Schwarzarbeits-Kontrolleure, Sachbearbeiter – die Aufgaben und Jobs beim Zoll sind vielfältig. Entsprechend sehen die Einschränkungen durch das Coronavirus aus.
„Gemeinsam mit meinem Krisenstab beurteile ich die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit und treffe Maßnahmen, die zum einen meine Beschäftigten bestmöglich vor Ansteckung schützen, aber auch die Aufrechterhaltung der Funktionen der Zollverwaltung dauerhaft und verlässlich sicherstellen“, erläuter Kurt.
Wie sieht das in der Praxis aus? „Zöllnerinnen und Zöllner im Innendienst habe ich konsequent ins Homeoffice geschickt“, sagt Kurt. Das trifft allerdings nur für einen kleinen Teil der 760 Mitarbeiter des Hauptzollamtes zu.

Jagd nach Schmugglern geht in der Lausitz trotz Corona weiter

Die Streifen an der Grenze beispielsweise sind auch in Corona-Zeiten im Einsatz – „rund um die Uhr“, wie Kurt betont: „Das Kontrollgeschehen läuft normal weiter.“ Schmugglern werde signalisiert, dass sie auch unter den laufenden Bedingungen keine besseren Chancen haben.
Das musste in den vergangenen Tagen auch ein Zigarettenschmuggler feststellen, den die Zollbeamten in Forst stoppten. 200 000 unverzollte Zigaretten hatte er in seinem Wagen geladen. Mühe, die Ware zu verstecken, hatte er sich offensichtlich nicht gegeben. Hoffte er auf Löcher im Netz der Fahnder? Augenscheinlich vergebens.
Trotz der Einschränkungen im Grenzverkehr mit Polen laufe der Warenverkehr weiter und müsse entsprechend im Auge behalten werden, erklärt Kurt.

Zollämter in der Lausitz haben geöffnet: Priorität für Medizinprodukte

Das gilt auch für die Zollämter. Hier werden alle Waren kontrolliert, die nach Deutschland kommen. Ist das in Zeiten, in denen die Menschen zwangsweise mehr zu Hause bleiben müssen, deutlich mehr als sonst? „Es ist derzeit noch zu früh, eine Einschätzung abzugeben, wie sich die aktuelle Lage auf die Abfertigungszahlen auswirkt“, sagt Kurt.
Dennoch hat der Zoll vorsorglich seine Arbeitsweisen angepasst. „Natürlich erfolgt derzeit die Abfertigung von persönlicher Schutzausrüstung und medizinischen Sendungen, die den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, absolut prioritär“, erläutert Kurt. Aber auch in diesem Bereich habe es keinen großen Stau gegeben. Medizinische Ware kommt meist per Flugzeug ins Land, nicht über den Landweg in Ostbrandenburg.
Aber auch so haben die Mitarbeiter in der Zollabfertigung, zum Beispiel in Forst oder Finsterwalde, genug zu tun. Gefälschte Markenartikel, fragwürdige medizinische Präparate, technische Geräte ohne Prüfzeichen – wer im Ausland bestellt, kommt gelegentlich nicht darum herum, seine Waren beim Zoll abzuholen. „Die Zollämter haben wie üblich geöffnet“, betont Kurt.
Zum Schutz der Beschäftigten wurden, wo dies möglich ist, zusätzliche Vorkehrungen getroffen und Schutzausrüstung besorgt. „Für den Postverkehr zeigen wir den Bürgern aber auch stets die Möglichkeit auf, von zu Hause aus abzufertigen, um den Publikumsverkehr zu minimieren.“

Kontrollen zur Schwarzarbeit gehen in der Lausitz weiter

Einen Teil ihrer Arbeit können auch die Mitarbeiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit in Cottbus im Büro oder Homeoffice erledigen. Ohnehin besteht ein nicht unerheblicher Teil ihrer täglichen Routine aus Aktenkontrolle und Recherche. Auf Vor-Ort-Kontrollen verzichtet das Team um Guido Eßer in Cottbus aber dennoch nicht. „Hinweisen mit konkreten Anhaltspunkten auf Straftaten oder eines monetären Schadens gehen die Zöllnerinnen und Zöllner selbstverständlich nach“, sagt Kurt.
So, wie in den vergangenen Wochen, als die Berichte um rumänische Erntehelfer beim Spreewaldbauern Ricken hochkochten. Ende April stand ein Kontrollteam in Vetschau auf der Matte. Die Zollbeamten überprüften dabei die Aufenthaltsberechtigungen der ausländischen Arbeitskräfte, deren Bezahlung, Unterbringung und die Hygienebedingungen.

Forst

Also keine Einschränkungen in der Arbeit des Zolls in der Lausitz? Kurt betont: „Sie können davon ausgehen, dass das Hauptzollamt Frankfurt (Oder) vollumfänglich arbeitsfähig ist.“