Im Kampf gegen die Zeit, in der sich das Coronavirus ausbreitet, wird der Alltag der Menschen auch in der Lausitz immer mehr beeinflusst. Im seinem Verhalten ist der fiese Krankheitserreger gut berechenbar: Er folgt dem Drang, sich zu vermehren und verbreitet sich dort, wo Menschen sich begegnen. Darauf stellen sich die Lausitzer ein. Ältere Bürger und Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders gefährdet. Trotzdem müssen berufstätige Eltern die Kinder weiter bei den Großeltern parken.

Loreen Schäffter (34) aus Finsterwalde
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Loreen Schäffter aus Elbe-Elster (34) ist Verkäuferin an einer Tankstelle. „Im Privatleben beeinflusst mich das Corona-Virus nicht. Aber wenn ich meine Wohnung verlasse, ändert sich das stark.“ Sie habe keine Angst vor dem Virus, eher Angst davor, „dass durch mich als Überträger andere Menschen zu Schaden kommen könnten“. Bei der Betreuung des Sohnes muss und kann sie „zum Glück auf den Freundeskreis bauen“. Das bleibt wichtig: „Denn mein Partner ist als Lkw-Fahrer viel unterwegs ist und ich habe als Verkäuferin regelmäßig auch Nachtschichten in der Tankstelle“, sagt sie.

Das Wichtigste sei, „dass wir alle aufeinander aufpassen, vor allem auf die Älteren unter uns“. Regelmäßiges Händewaschen und die sozialen Kontakte deutlich herunterzufahren, seien selbstverständlich. Das Mehrjahresvorräte an Klopapier und Medikamenten gehamstert und Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern geklaut werden, kann sie indes überhaupt nicht nachvollziehen.

Magdalena Scheack (66), Rentnerin aus Senftenberg
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Magdalena Scheack (66) aus Senftenberg hat länger 45 Jahre als Zahnarzthelferin gearbeitet. Daher ist sie mit Hygienevorschriften vertraut. „Ich habe schon immer ein kleines Fläschchen Desinfektion für die Hände dabei. Jetzt wasche ich mir natürlich die Hände häufiger und gründlicher“, sagt die Rentnerin. Außerdem verzichtet sie aufs Händeschütteln. Ihr Einkaufsverhalten hat sich aber nicht geändert: „Ich gehe noch selbst einkaufen. Nur größere Menschenansammlungen meide ich. Schlimm finde ich die Hamsterkäufe, das geht überhaupt nicht.“ Sie hofft, dass diese gefährliche Situation schnellstmöglich und ohne größere Folgen vorübergeht.

Paul Schulz und Doreen Neugärtner aus Lübbenau
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Paul Schulz aus der Lübbenau beschäftigt das Thema Corona permanent. „Die Kunst ist, sich davon nicht verrückt machen zu lassen.“

Die Sorge um die eigene wirtschaftliche Existenz ist groß. Gemeinsam mit Doreen Neugärtner hat sich Schulz seit gut einem Jahr in einem kleinen Lokal mit Suppen, Desserts, Kaffee und selbst gemachte Limonaden auf der Karte selbstständig gemacht. Eine längere Schließzeit der „Suppeninsel“ könnte ihn zur Geschäftsaufgabe zwingen. Paul Schulz hat keine Angst vor der Infektion. „Das Gefühl kommt wohl erst, wenn man direkt betroffen ist“, sagt er.

Für Doreen Neugärtner wäre es ein Albtraum, 14 Tage oder länger in häuslicher Quarantäne verbringen zu müssen. „Es wird Frühling, die Sonne scheint. Da willst du doch raus.“ Einen Eimer Farbe würde die bei einer Ausgangssperre brauchen, um ein bisschen Farbe in die Wohnung zu bringen.

Sven Heinrich (48) aus Finsterwalde
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Sven Heinrich aus Finsterwalde (48) sagt: „Ich zähle aufgrund einer Vorerkrankung zur Risikogruppe. Schon deshalb gehe ich auf jeden Fall aufmerksamer und achtsamer durchs Leben, seitdem sich die Corona-Krise von Tag zu Tag immer mehr verschärft. Soziale Kontakte habe ich erheblich eingeschränkt. Mit meinen Freunden bleibe ich über Kurznachrichten und Telefongespräche im Kontakt. Den Großteil verbringe ich in den eigenen vier Wänden. Nur zu Spaziergängen, für Einkäufe und Besorgungen in der Apotheke verlasse ich das Haus noch.“

Ein positiver Nebeneffekt sei sicher, dass „ich mal wieder das eine oder andere Buch in die Hand genommen habe“. Auch Schreibkram, der länger liegen geblieben war, sei jetzt erledigt. „Ich habe keine Angst vor dem Corona-Virus, aber zweifellos großen Respekt. Ich passe auf mich auf und hoffe, dass das möglichst viele Menschen um mich herum auch tun, damit wir da gemeinsam bestmöglich durchkommen“, sagt Sven Heinrich.

Anett Dorozalski (35), Friseurin aus Senftenberg
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Für Anett Dorozalski (35) aus Senftenberg sagt: „Ich gehe normal einkaufen. Hier nervt die Hamsterei“, ergänzt die Friseurin. „Bei meiner Tochter und natürlich auch bei mir selbst achte ich auf intensive Handwäsche“, erklärt sie. Sorgen macht sich die Senftenbergerin um die allgemeine wirtschaftliche Situation. Ob die Unternehmen die Coronakrise überstehen und die Jobs bleiben, beschäftigt sie sehr.

Diana Genz aus Luckau arbeitet im Landratsamt in Lübben.
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Sorge sich mit dem Corona-Virus anzustecken, hat Diana Genz aus Luckau selbst nicht. Trotzdem sie, die Einschränkungen für richtig. „Niemand weiß, was wirklich noch kommen wird“, so Genz. Sehr problematisch sei es für sie, die Betreuung ihrer beiden Kinder abzusichern. Ihr soziales Verhalten hat Diana Genz geändert. „Ich bin weniger unterwegs“, sagt sie.

„Immer öfter stehe ich beim Einkauf vor leeren Regalen“

Herbert Schmidt (55) aus Senftenberg versucht, Ruhe zu bewahren. „Die ganze Problematik rund um Corona ist schon etwas übertrieben. Es gibt ja kein anderes Thema mehr“, stellt er fest. Vor allem die Situation in den Supermärkten schränke stark ein. „Immer öfter stehe ich vor leeren Regalen. Und das obwohl von Hamsterkäufen abgeraten wird“, kritisiert er. Eine Corona-Infektion fürchtet er aber nicht: „In Brandenburg ist die Zahl noch relativ gering. Ich lasse mich nicht verrückt machen.“ Dennoch greift auch er in diesen Tagen häufiger zum Desinfektionsmittel.

Marlene Beck (37) aus Weißwasser
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Marlene Beck (37) aus Weißwasser ist Erzieherin. „Ja, die Kinder müssen Zuhause bleiben. Aber sie sind 14 und elf Jahre alt und meistern schon selbst ihren Alltag Zuhause. Sie bekommen ihre Aufgaben von der Schule digital übermittelt. Dafür gibt es eine Plattform, an der sich viele Eltern schon angemeldet haben“, erzählt sie vom Alltag in Coronazeiten. „Die Hamsterkäufe der Leute kann ich nicht richtig nachvollziehen, zum Essen wird es immer reichen. Bei uns geht der Alltag weiter, wir machen uns nicht so heiß.“ Sie selbst gehe arbeiten, denn die Notbetreuung von Kindern geht weiter. Nicht jede Familie hat Großeltern, die die Kinder beaufsichtigen könnten. „Außerdem sollen die älteren Menschen es ja nicht tun, da sie zur Risikogruppe in der Corona-Krise zählen. Vorsichtsmaßnahmen sind richtig, aber manche Dinge sind schon etwas überzogen“, sagt sie.

Katalin Poraczki (37) aus Cottbus, Museumsmitarbeiterin.
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Katalin Poraczki (37) aus Cottbus arbeitet im Museum. „Ich achte auf intensiveres Händewaschen. Vor allem nach Berührung mit Geld finde ich das wichtig. Ich musste mir aber nicht extra Seife oder Desinfektionsmittel besorgen, weil ich das zuhause habe, schon immer.“ Sie verstehe nicht, warum die Menschen zum Beispiel Klopapier hamsterten. Die Party mit der Band ist ausgefallen. „Wir haben schon aus Rücksicht auf unsere älteren Mitglieder in der Gruppe abgesagt. Meine Oma ist schon 88, sie rufe ich jetzt regelmäßig an. Und wenn sie Hilfe braucht, stehe ich natürlich zur Verfügung. Zur Arbeit gehe ich trotzdem, obwohl unser Museum geschlossen ist. Im Archiv wartet liegengebliebene Arbeit. Wir wollen alle Trachtenteile sortieren, waschen, aufarbeiten und notwendige Ergänzungen organisieren“, erzählt sie.

Der Einkaufswagen wird jetzt immer desinfiziert

Silvia Schmitz (68) aus Hoyerswerda sagt: „Ich versuche, mir von den immer schnelleren Meldungen über die Ausbreitung von Corona und von den Hamsterkäufen keine Angst machen zu lassen. Deshalb habe ich auch nicht sehr viel an meinem Leben verändert. Ich gehe noch auf die Straße und zum Einkaufen und spreche mit anderen Menschen. Das gründliche Händewaschen und die Hustenhygiene habe ich schon vor Corona stets eingehalten. Das einzige, auf das ich jetzt wirklich achte: Wenn ich einen Einkaufswagen angefasst habe, desinfiziere ich mir die Hände sehr gründlich."

„Im Ernstfall hoffe ich auf einen milden Verlauf“

Doris Freitag (46) aus Senftenberg verfolgt die Entwicklungen mit Sorge: „Corona ist ein ständiges Thema. Ich bin schon verunsichert. Ich weiß kaum noch, was ich bedenkenlos machen kann und was nicht.“ Corona verändert auch ihren Alltag. „Ich gehe jetzt auf jeden Fall öfter einkaufen als vorher. Ich möchte einfach auf eine mögliche Quarantäne vorbereitet sein. Außerdem wasche ich mir häufiger und sorgfältiger die Hände“, erklärt sie. Dennoch hat sie keine Angst vor einer möglichen Infektion. „Es kann immer passieren, dass man sich ansteckt. Aber meist verläuft die Krankheit mild. Darauf hoffe ich im Ernstfall“, erklärt sie.

Birgit Kluge (61) aus Cottbus arbeitet als Verkäuferin.
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Birgit Kluge (61) aus Cottbus ist Verkäuferin: „Ich gestalte unser Leben so normal wie möglich. Für mich gibt es keine Hamsterkäufe, das finde ich unmöglich, auch wir hier in unserem Markt in Klein Gaglow tun Alles dafür, dass die Versorgung reibungslos läuft.“ Natürlich wasche auch sie sich die Hände intensiver und achte vor allem in der Essenversorgung auf noch mehr Hygiene. „Wir arbeiten mit Handschuhen, übrigens auch im Verkauf und beim Kassieren. Die Tische werden desinfiziert, und wir bitten unsere Mittagsteilnehmer, ihre Servietten selbst zu entsorgen. Es bringt nichts, jetzt in Panik zu verfallen“, sagt sie. Die Familie stehe telefonisch in Kontakt, die Eltern werden von der Schwester, die mit im Haus wohnt, versorgt. „Die Geburtstagsfeier meines Neffen wird wohl jetzt ausfallen“, sagt sie.

Petra Tzschacksch (59) aus Trebendorf.
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Petra Tzschacksch (59) aus Trebendorf ist Lehrerin: „Soziale Kontakte meiden wir inzwischen auch in der Familie. Es gibt ja Telefon und Whats App, so können wir uns hören und sehen.“ Angst hat sie direkt nicht. Dass die Grenzen vorerst geschlossen wurden, sei schon richtig. „Vorsorge ist wichtig, denn Keiner weiß, was kommt. Wenn man durch die Supermärkte geht, sind die leeren Regale beängstigend. Ich kaufe normal ein. Ich hoffe, dass die großen Ansteckungen ausbleiben und dieser Ausnahmezustand bald wieder aufgehoben werden kann.“

Rudolf Dürre (58) aus Klein Oßnig arbeitet als Koch.
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Rudolf Dürre (58) aus Klein Oßnig ist Koch: In der Gaststätte ist nicht mehr viel zu tun. Viele Familienfeiern wurden abgesagt. „Deshalb habe ich weniger Ware bestellt.“ Die Gaststätte bleibe so lange wie erlaubt auch geöffnet. Denn sie versorgt auch Bürger mit Essen. Die Abendöffnungszeiten fallen weg. Die Billardspieler trainieren nicht mehr. Die Versammlung der Kleintierzüchter ist natürlich abgesagt. „Noch sind wir optimistisch“, sagt er. „Meine Frau ist da deutlich gestresster. Sie arbeitet im Krankenhaus und muss wegen der Ausfälle von Mitarbeitern täglich neue Einsatzpläne schreiben“, sagt er.

Daniel Bentner (41), Unternehmer aus Cottbus
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Daniel Bentner (41) aus Cottbus, selbständiger Unternehmer: „Ich bin zum falschen Zeitpunkt mit meinem Unternehmen umgezogen. Da sind die Kosten natürlich besonders hoch. Und jetzt brechen alle meine Umsätze weg. Anrufe bei uns sind nur noch Absagen, Büfetts sind nicht mehr nötig, weil Veranstaltungen nicht mehr stattfinden. Ware habe ich zum Teil schon gekauft und die muss bezahlt werden.“ Die „Brotbüchse“ braucht schnell Hilfe. „Meine Mitarbeiter habe ich schon alle in Kurzarbeit geschickt. Ich selbst betreue jetzt meinen Sohn, denn meine Frau ist angestellt und verdient dadurch noch Geld, das wir als Familie ja brauchen.“

Die Kinder unterzubringen, ist bei Schichtdienst ein Problem

Ramona Schmidt (31) aus Drebkau ist Krankenschwester: „Ich stehe vor einem ganz großen Problem: Ich lebe mit meinen beiden Kindern getrennt von meinem Mann. Wir wohnen nicht im selben Ort. Und jetzt soll ich meinen Sohn und meine Tochter zu ihm geben, obwohl die Kinder kaum mit ihm vertraut sind. Denn ich soll natürlich im Krankenhaus arbeiten kommen, was ich auch verstehe“, sagt sie. Für die Mutter ist es äußerst schwer, die Kinder täglich zum Vater zu fahren, der Weg ist lang. „Auch der Schichtdienst ist da eine große Hürde“, sagt sie. „Ich finde es zudem nicht so gut, dass die Spielplätze gesperrt werden, schließlich ist das doch draußen. Ich werde also in den nächsten Tagen die Hilfe meiner Mutter in Anspruch nehmen müssen. Allerdings sei die auch stark beansprucht, denn sie kümmere sich auch um ihre Mutter. „Zum Glück sind die Kinder noch nicht so verstört, wie manch Erwachsener. Sogar mein kleiner Eineinhalbjähriger hat Gefallen am Händewaschen gefunden. Und meine Tochter ist hier in der Drebkauer Schule dazu sehr gut gebrieft worden“, erzählt Ramona Schmidt. „Wir stehen jetzt oft gemeinsam mit den eingeseiften Händen am Waschbecken und zählen bis 30“, bestätigt sie.