Normalerweise wäre ihr Haus ausgebucht, doch jetzt bleiben die Betten in der Pension von Susanne Fiedermann im Burger Barfuss-Park leer. Wie viele andere Hoteliers, Touristiker und Unternehmer ist auch sie schwer von der Coronakrise getroffen. Ans Aufgeben denkt sie aber noch lange nicht. Gemeinsam mit dem Amt Burg richtet sie nun einen Appell an die Gäste: „Wer reisen liebt, verschiebt.“

Die Spreewald-Saison beginnt mit einem Totalausfall

Für Touristiker in Burg sind es die wichtigsten Wochen im Frühling: „Ostern und der Spreewaltmarathon stehen vor der Tür. Wir wären eigentlich voll belegt gewesen. Jetzt liegen unsere Einnahmen aber bei null“, erklärt Susanne Fiedermann. Einige der Kunden haben ihre Reise ganz und gar abgesagt, andere verschieben sie auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr. Stammkunden versprechen, dass sie auf jeden Fall wiederkommen. „Wir hoffen darauf, dass viele Gäste in diesem Jahr Urlaub im Inland machen wollen. Wir hoffen auf einen starken Sommer“, sagt sie.

Auf „Verschieben statt stornieren“ setzt auch Nicole Schlenger, Leiterin Tourismus im Amt Burg und erklärt: „Entsprechend der Kampagne des Deutschen Reiseverbandes DRV haben wir das Motto auf Burg adaptiert. Wir wollen Gäste dazu anregen, die Reise zu verschieben, anstatt zu stornieren.“ Viele Gäste würden das Angebot annehmen. Auch auf den Internetkanälen des Amtes beteuern Privatpersonen, die Reise in jedem Fall anzutreten. „Wir kommen, das steht fest, egal wann“, heißt es da beispielsweise.

Gutscheine für Flammkuchen und anderes aus dem Barfuss-Park

Für den Familienbetrieb von Susanne Fiedermann sind solche Aussagen wichtig. „Wir brauchen die Planungssicherheit, um abschätzen zu können, wie es weitergeht“, sagt sie. Doch bis dahin setzt die Unternehmerin auf ein anderes Konzept, um den Betrieb am Laufen zu halten: Gutscheine – für Flammenkuchen, das Gasthaus und weitere Angebote im Barfuss-Park. „Wir machen außerdem derzeit kräftig Werbung auf Instagram, Facebook, im Internet und auf Faltblättern für unseren Flammkuchen zum Mitnehmen“, erklärt Susanne Fiedermann.

Eine Übersicht aller Abhol- und Lieferdienste, Hofläden, Bäcker und Fleischern soll Anfang April auf der Internetseite des Amtes Burg veröffentlicht werden. „Unter dem Aufruf #Brandenburghelfen können sich Unternehmen mit Gutscheinverkäufen kostenfrei auf einem Portal registrieren“, teilt Nicole Schlenger mit und sagt: „Dies ist eine Chance für alle, die Liquidität der Anbieter in der derzeitigen Situation sicher zu stellen.“

Die Stornierungen sind auch im Seenland kaum zu kompensieren

Nicht nur im Spreewald, auch im Lausitzer Seenland sind die Auswirkungen der Urlaubssperre deutlich zu spüren. Schon Mitte März sagte Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland: „Besonders hart wird es für Kleinstvermieter mit nur wenigen Zimmern oder einer Ferienwohnung. Hier werden die Stornos schwer oder kaum zu kompensieren sein.“

Das trifft auch auf Konrad Klammer zu. Vor etwas mehr als zehn Jahren ist er mit seiner Frau nach Klein Partwitz gezogen. 36 Jahre lang hat der aus Hoyerswerda stammende Mann zuvor in Berlin gelebt. Doch die Rente wollten sie lieber in der Heimat verbringen und erwarben einen Hektar Land am Südufer des Blunoer Südsee.

Die Pension am Partwitzer See soll die Rente sichern

Die Entscheidung, auf der riesigen Fläche eine Pension zu bauen, ist schnell gefallen. Ausschlaggebend dafür war auch die niedrige Rente von Konrad Klammer. „Die Rente reicht gerade so für die Krankenversicherung“, sagt er. Klammers leben von ihren Ersparnissen – und der Pension.

Zu Ostern wären Gäste aus der Schweiz gekommen, im Mai dann Motorsportbegeisterte wegen der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft auf dem Lausitzring. Das Geschäft fällt nun aus, auf den Umsatz muss Konrad Klammer weiter warten. „Bisher haben wir Glück, weil die Leute nicht abgesagt, sondern umgebucht haben“, sagt er und hofft, den Mai auch ohne Gäste zu überstehen. „Doch dann muss es weitergehen.“ 450 belegte Betten braucht Konrad Klammer, damit sich die Pension trägt. Ein starker Sommer ist auch für ihn die einzige Hoffnung, das Ziel zu erreichen.

Helfen und helfen lassen


Die Lausitzer Rundschau hat eine eigene Hilfsplattform erstellt. Unter dem Motto #lausitzhältzusammen werden Hilfsangebote und Suchanfragen von Privatpersonen und Unternehmen gesammelt.

Im Internet gibt es außerdem viele weitere Möglichkeiten, den lokalen Einzelhandel zu unterstützen oder sich als Unternehmer Hilfe zu suchen.

Die Internetseite www.brandenburghelfen.de bietet nicht nur Kunden die Möglichkeit, Gutscheine für ihr Lieblingscafé, das Restaurant nebenan oder den Einzelhändler gegenüber zu kaufen. Auch Unternehmer können ihren Betrieb kostenfrei auf der Seite anmelden und einen Gutscheinerwerb ermöglichen. Die Erlöse des Gutscheins gehen zu 100 Prozent an die jeweiligen Läden.

Auf der Seite einzelheld.de können Unternehmen unkompliziert einen einzelnen Onlineshop aufbauen. Die Seite paynoweatlater.de („Bezahle jetzt, esse später“) funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip – richtet sich aber explizit an Gastronomen.