Fast täglich gibt es neue Vorschläge, wie Unternehmen, Selbstständigen und Familien in Zeiten von Corona geholfen werden kann. „Hier muss es dringend eine bundesweit einheitliche Linie geben“, fordert Annalena Baerbock, Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

Im RUNDSCHAU-Interview betont sie, dass bundesweite Angleichungen in allen Fragen der Krisenbewältigung von zentraler Bedeutung für das Vertrauen der Bevölkerung in die politische Handlungsfähigkeit des Staates seien.

„Wenn ein Wirt in einem Bundesland finanzielle Soforthilfe erhält, um das Überleben seines Betriebes abzusichern und sein Berufskollege jenseits der Landesgrenze nicht, dann ist das schwierig. Daher ist zentral, dass jetzt etwa ein Kreditprogramm des Bundes für einen Rettungsfonds für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen kommt.“

Ähnliches gelte auch für die Berufsgruppe der Journalisten. Hier fordert Annalena Baerbock deutschlandweit eine einheitliche Anerkennung der Systemrelevanz für die Berufssparte der Journalisten.

Journalisten sollen überall als systemrelevant gelten

„Ich halte es für zentral, dass wir bundeseinheitlich vorgehen. Wenn Redakteure in Sachsen als systemrelevant behandelt werden, in Brandenburg aber nicht – obwohl sie vielleicht sogar beim selben Arbeitgeber angestellt sind, dann führt das zu Verunsicherung“, sagt Baerbock.

Am Freitag, 20. März, deutete sich an, dass nun auch in Brandenburg Medien als kritische Infrastrukur aufgefasst werden. Laut einer Mitteilung der brandenburgischen Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) zählt die Arbeit für Medien nun zu den „unabwendbaren Tätigkeiten“, für die zum Beispiel eine Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden ermöglicht werden kann.

Gelten Medien als kritische Infrastruktur, heißt dies, dass Journalisten, Druckereibeschäftigte und Zusteller trotz weiterer Einschränkungen in der Coronakrise ungehindert ihrer Tätigkeit nachgehen können – und Leser ihre Zeitung erhalten.

Zeitungsverleger: Pressearbeit in Krise unerlässlich

„Es ist die einzig richtige Entscheidung, dass das Land Brandenburg die Medien nun als kritische Infrastruktur auffasst. Die Arbeit der Presse ist unerlässlich für eine sachgerechte und regelmäßige Information der Öffentlichkeit gerade in einer solchen Krisensituation“, sagte Ricarda Veigel, Geschäftsführerin des Verbands der Zeitungsverlage in Berlin und Ostdeutschland (VZBO), der LR.

Der VZBO hat das in zwei Schreiben bei Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) angemahnt. Bundesweit haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaften für eine einheitliche Regelung für Medienbeschäftigte ausgesprochen.

Zentrales Anliegen der Politikerin ist die Unterstützung von Familien. Wenn Eltern aktuell in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil sie wegen fehlender Kinderbetreuung Einbußen erleiden, soll die Bundesregierung nach dem Willen der Bündnis-Grünen Lohnersatzleistungen bereitstellen.

Parteiarbeit in Zeiten von Corona: Der Bundesvorstand der Grünen konferiert über Skype, um Ansteckungen zu vermeiden. Annalena Baerbock (unten rechts) nimmt vom Homeoffice aus teil.
Parteiarbeit in Zeiten von Corona: Der Bundesvorstand der Grünen konferiert über Skype, um Ansteckungen zu vermeiden. Annalena Baerbock (unten rechts) nimmt vom Homeoffice aus teil.
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Grünen-Chefin arbeitet in Potsdam im Homeoffice


Annalena Baerbock (39) kann selbst nachvollziehen, wie sehr die Coronakrise den Alltag durcheinanderwirbelt. Die Grünen-Chefin arbeitet derzeit im Homeoffice in Potsdam und betreut zwischen Telefonkonferenzen und Videoschaltungen ihre Kinder. „Einfach ist es nicht, aber zumindest habe ich die Möglichkeit überhaupt von zuhause aus arbeiten zu können“, sagt Baerbock. Weitaus schwieriger sei die Lage für Eltern, die ihren Job, Kindernotbetreuung und die täglich neuen Herausforderungen der Krise bewältigen müssen.