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| 17:10 Uhr

Jazzwerkstatt
So funktioniert die kollektive Art des Musizierens

Im Saal des Peitzer Festungsturm spielten am Samstagabend Achim Kaufmann (Piano), Matthias Akeo Nowak (Bass), Arnold Sebastian Gille (Saxofon) und Bill Elgart (Schlagzeug).
Im Saal des Peitzer Festungsturm spielten am Samstagabend Achim Kaufmann (Piano), Matthias Akeo Nowak (Bass), Arnold Sebastian Gille (Saxofon) und Bill Elgart (Schlagzeug). FOTO: Ingrid Hoberg
Peitz. Die Band Common Ground legt den besten Beweis für die Kunst der Improvisation im Peitzer Festungssaal vor. Von Ingrid Hoberg

Zwischen den beiden Festivals Jazzwerkstatt Peitz 55 in diesem Jahr und 56 für 2019 hat Kurator Ulli Blobel das Konzert mit Common Ground feat. Bill Elgart platziert. In der Band sind generationsübergreifend vier Musiker zusammengekommen, die mit der Improvisation Spielfreude wie auch konzentriertes Arbeiten in abgestimmten Strukturen verbinden.

Arnold Sebastian Gille, 1983 im Harz geboren, und Matthias Akeo Nowak, 1976 in Berlin geboren, haben sich in Köln getroffen und die Band initiiert. Dazugestoßen ist Achim Kaufmann, 1962 in Aachen geboren. Und Bill Elgart (Jahrgang 1942, Cambridge/Massachusetts) ist ein Elder Statesman des Modern Jazz, der an der Seite von Paul und Carla Bley oder auch Gary Peacock spielte und an der Hochschule für Musik in Würzburg unterrichtet. Mit Gille und Kaufmann sind zwei Preisträger des SWR-Jazzpreises, der ältesten Jazz-Auszeichnung im deutschsprachigen Raum, nach Peitz gekommen. Der Saxofonist erhielt den Preis gerade erst am 15. Oktober beim Internationalen Festival „Enjoy Jazz“ in Ludwigshafen, der Pianist bereits im Jahr 2001.

Was die Vorgeschichte auch bietet: In jedem Konzert ist der Common Ground, die Annahme über einen abstrakten gemeinsamen Wissensraum, erst kollektiv herzustellen. So die Theorie. Und dafür liefern die vier Musiker dann ein beeindruckendes Beispiel. Jeder steuert eigene Kompositionen bei, auf deren Grundlage sich das Zusammenspiel immer wieder neu entwickelt – der Live-Moment entscheidet. Dabei ist kein Riss durch die Generationen zu erkennen. Schlagzeug und Saxofon treiben sich an, lassen sich auf dem gerade gewebten  Klangteppich von Bass und Flügel fallen. Oder auch anders herum. Und das alles ohne jegliche elektronische Verstärkung – im wahrsten Sinne unplugged, wie es in den Festungssaal passt, und ein Hörerlebnis. Auf dem Label Jazzwerkstatt ist gerade eine CD mit Common Ground erschienen.

Mit der Komposition „Blues“ schlägt Matthias Akeo Nowak am Ende den Bogen zur Jazzwerkstatt Peitz 56. Das Festival findet vom 21. bis 23. Juni 2019 statt. Im Mittelpunkt steht The Chicago Blues und wie sich der Jazz inspirieren lässt.

Das Konzert am Samstagabend ist in Zusammenarbeit mit der Stadt Peitz ermöglicht worden. Für den guten Ton des August-Förster-Flügels hat einmal mehr Matthias Nitschke gesorgt. „Der Flügel hat den heißen Sommer erstaunlich gut überstanden, obwohl die Temperaturschwankungen im Raum immer ein Problem für ein Instrument sind“, sagt der Klavierstimmer.

Das nächste Jazzkonzert steht am Montag, 11. November, um 20 Uhr im Cottbuser Obenkino auf dem Programm. Dann wird Conference Call, ein international besetztes Ensemble, erwartet.