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| 13:26 Uhr

Clemens Ruff, Mäzen und Sprachwissenschaftler

Ansichtskarte des Haues von Clemens Ruff mit den Abbildungen des Salons, des Speisezimmers und des Wintergartens, die er als "Gruß aus Cottbus" an Honoratioren versandte.
Ansichtskarte des Haues von Clemens Ruff mit den Abbildungen des Salons, des Speisezimmers und des Wintergartens, die er als "Gruß aus Cottbus" an Honoratioren versandte. FOTO: Sammlung Petzold
In loser Folge berichtet der Heimatforscher Heinz Petzold in der RUNDSCHAU aus der Cottbuser Stadtgeschichte.

Am 22. August 1915 entschlief der verdienstvolle Mäzen und Sprachwissenschaftler Clemens Ruff. Bald wäre sein Gedenken im euphorischen Siegestaumel der Cottbuser über die Einnahmen von Lüttich und Antwerpen sowie die "Heldentaten" Hindenburgs mit der Masurischen Winterschlacht im Ersten Weltkrieg 1914 – 1918 in Vergessenheit geraten, wenn er sich nicht selbst seine bleibenden Denkmale geschaffen hätte. Da ist die "Villa Ruff", Schwanstraße 10, die der Cottbuser Baumeister Hermann Pabel zweigeschossig im unschwer einzuordnenden Jugendstil 1900 errichtete. Zum anderen die aus carrarischem Marmor skulpturierende Venus mit den neun Musen im Foyer des ersten Ranges im neuen Stadttheater, die 1911 neben weiterem gestifteten Bildhauerschmuck angesehener Cottbuser Aufstellung fanden. Der im 71. Lebensjahr verstorbene Clemens Ruff war ein Nachkömmling einer seit dem 17. Jahrhundert in unserer Stadt ansässigen Schönfärber- und Tuchmacherfamilie, deren Stammvater, der Tuchmacher Wilhelm Ruff, um 1760 sein Unternehmen am südlichen Rand der Neustadt entlang des Mühlgraben gründete. Noch heute kann das Fabrikanten – Wohnhaus Ruff, Ostrower Damm 19/19 a, betrachtet werden. Die Nachkommen, besonders die Söhne folgender Generationen, interessieren sich weniger für den ihnen eigentlich von der Tradition her vorgeschriebenen Beruf. Schon Wilhelm Moritz Ruff ist Gründer des Ottlienhofes und erlernt den neuen Modeberuf des Kunstgärtners. So avanciert ein Johann Joachim Ruff zum Leinwandhändler und ein Gottfried Ruff stellt ein "Gesuch um einen wüsten Platz vor dem Luckauer Thor". Der aus dieser Linie hervorgehende Großvater von Clemens Ruff, Joachim Gottfried Ruff ist dann der Anleger der Promenade vor dem Luckauer Wall. Clemens Ruff, am 7. Februar 1845 als Sohn von Joachim Ruff und Clementine Ottilie geb. Mund geboren, nimmt nach erfolgreichem Besuch des Cottbuser Gymnasiums das Studium der Jura und Kunswissenschaften in Berlin auf. Seine Erziehung zuvor hatte er im Elternhaus Kaiser-Wilhelm-Platz 48 genossen. Obwohl er mit seinem jüngeren Bruder Hugo Ruff (später langjähriger Stadtrat) wissenschaftliche Gemeinsamkeit pflegte, widmete er sich der Kunst und dem Sprachstudium. Er wurde einer der besten Kenner der westslawischen Dialekte. So veröffentlichte Clemens Ruff unter dem Pseudonym Rapow Beiträge in der sorbischen Zeitung "Bramborski Serbski Casnik". Nach dem Umzug des Junggesellen in die Schwanstraße 1 b ließ er sich eine Ansichtskarte seines Haues mit den Abbildungen des Salons, des Speisezimmers und des Wintergartens drucken, die er als "Gruß aus Cottbus" an Honoratioren versandte. Die Beisetzung am 25. August 1915 auf dem Nordfriedhof gestaltete sich dann als eine einzigartige Danksagung an den Cottbuser Mäzen und Sprachwissenschaftler. Dank auch deshalb, weil Clemens Ruff sein Vermögen in eine Stiftung angelegt hatte, die als erstes mit diesen Mitteln das Siechenhaus, Taubenstraße 32, einrichtete und unterhielt.