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Circus Krone schlägt bei Affenhitze in Cottbus auf

Am Dienstag wurde das laut Krone größte reisende Zirkuszelt der Welt auf dem Viehmarkt-Gelände in Cottbus aufgebaut.
Am Dienstag wurde das laut Krone größte reisende Zirkuszelt der Welt auf dem Viehmarkt-Gelände in Cottbus aufgebaut. FOTO: Rüdiger Hofmann
Cottbus. Salto mortale ab Donnerstag, im Schweiße des Angesichts ab sofort auf dem Festplatz: Am Dienstag ist Circus Krone aus München mit dem nach eigenen Angaben größten reisenden Zirkuszelt der Welt, das 3400 Besuchern Platz bieten soll, in Cottbus auf dem Gelände des Viehmarktes bei Rekordtemperaturen von 35 Grad Celsius angereist. Rüdiger Hofmann / rdh

"Unser Tross besteht aus rund 260 Menschen, 100 Tieren und mehr als 200 Wohn-, Pack- und Gerätewagen", sagt Presseverantwortliche Susanne Matzenau. Untergebracht in einer "Krone-City" mit allem, was eine Wohn- und Spielstadt so zu bieten hat: eine Schule, ein Kraftwerk, eine Betriebsfeuerwehr, Werkstätten, Maßschneidereien, ein rollender Waschmaschinensalon, Büros, Stallungen und Elektrik sowie natürlich Futter für all die Lamas, Zebras, Pferde, Raubtiere, das Nashorn, ein Kamel, Aras und Wildschwein Fritzi. Der Aufbau verlief am Dienstag reibungslos, laut Organisatoren befinden sich alle Akteure exakt im Zeitplan.

Doch die Unterbringung und der Umgang mit den Tieren stoßen nicht überall auf Beifall. Die "Aktionsgruppe Tierrechte Bayern" kritisiert das geplante Gastspiel "Evolution" scharf. "Tiere, insbesondere Wildtiere, können in einem reisenden Zirkusbetrieb systembedingt niemals artgerecht gehalten werden. Die Dressur, die ständigen Ortswechsel und das Leben in kleinen Gehegen machen dies unmöglich", sagt Simon Fischer, Mitgründer und Sprecher der Initiative.

Die Tierrechtsorganisation Peta fordert sogar ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, "denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod", sagt Jana Fuhrmann von der Organisation.

"Circus Krone zählt zu den meist kontrollierten Tierhaltungsbetrieben überhaupt", widerspricht Frank Keller vom Tierschutz des Circus Krone. In keinem anderen Land sei die tierschutzrechtliche Haltung von Tieren im Zirkus so ausführlich geregelt wie in Deutschland. "Weder die Reise noch der Gastspielortwechsel verursachen bei den Tieren Stress", so Verhaltensforscherin Sylvia Kaiser von der Universität Münster. Sie würden stattdessen eine Bereicherung ihres Lebens bedeuten, da es immer etwas Neues zu entdecken gebe.

Und die Unterbringung der Tiere bei sehr großer Hitze wie aktuell in der Lausitz? "Unsere Tiere sind in überdachten Zelten untergebracht. Diese schützen vor der Sonne und sind zugleich aber an den Seiten offen und dadurch winddurchlässig", sagt Susanne Matzenau vom Circus Krone. Regelmäßig würden die Tiere mit Wasser abgeduscht, an sogenannten "Salzlecksteinen" gebe es das Leckerli für Zwischendurch. Regelmäßige Fütterungen stehen auf dem Tagesplan, ebenso gibt es genügend Heu und schattige Plätze zum Ausruhen.

Überzeugen können sich Interessierte von dieser Form der Tierhaltung ab Donnerstag täglich ab zehn Uhr im Krone-Zoo. "Wir kennen die Kritiken einiger Organisationen und verfolgen daher eine Politik des offenen Hauses", sagt Matzenau. "Denn wer sollte Tiere mehr lieben als wir, die täglich mit ihnen zusammenleben?"

Zum Thema:
Festliche Abendpremiere ist am Donnerstag, 3. August, 19.30 Uhr. Die Nachmittags-Premiere beginnt um 15.30 Uhr. Anschließend gibt es täglich zwei Vorstellungen: Freitag/Samstag 15.30 und 19.30 Uhr, Sonntag 14 und 18 Uhr. Am letzten Gastspieltag, 7. August, findet nur um 15.30 Uhr eine Vorführung statt. Die Kartenpreise liegen zwischen 16 und 42 Euro - Kassen-Hotline 01805 247287 oder direkt an der Zirkuskasse.Der Krone-Zoo ist ab Donnerstag täglich ab 10 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen fünf, Kinder ab drei Jahre drei Euro. Als Willkommensgruß öffnet der Krone-Zoo am Premierentag von 10 bis 13 Uhr kostenlos seine Pforten. Interessierte können sich dann von der Tierhaltung überzeugen. Täglich von 11 bis 12 Uhr können auch alle Zoobesucher die beiden vier Wochen alten, braun getupften Babylöwen in ihrem Spiel- und Außengehege bewundern. Zudem werden die "Ströbitzer Musikanten" unter der musikalischen Leitung von Lothar Naglatzki während des Einlasses zur Abendpremiere mit fröhlich-beschwingten Melodien für Stimmung und gute Laune sorgen. (rdh)