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"Chile hat meine Bildsprache verändert"

Rudolf Sittner schilderte im Gespräch mit der in Cottbus lebenden Chilenin Patricia Fuentealba seine Begegnungen mit Chile, seiner Landschaft, den Menschen und der Kunst.
Rudolf Sittner schilderte im Gespräch mit der in Cottbus lebenden Chilenin Patricia Fuentealba seine Begegnungen mit Chile, seiner Landschaft, den Menschen und der Kunst. FOTO: Ulrich Littko/bwh1
Cottbus. Der Raum in der Geschäftsstelle des Cottbuser Kreisverbandes Lausitz der Partei Die Linke konnte die interessierten Besucher des "Chilenischen Abends", der im Rahmen der Präsentation eines Schaffensquerschnittes von Rudolf Sittner stattfand, kaum fassen. Und es waren nicht nur Künstlerkollegen und Freunde des seit 47 Jahren in Cottbus lebenden Gebrauchsgrafikers, Malers, Illustrators und Chile-Kenners. Ulrich Littko / bwh1

Chilenen, die nach dem Putsch gegen Salvador Allende in die DDR kamen und hier nicht nur politisches Asyl, sondern auch Arbeit, Freunde und eine neue Heimat fanden, gaben dem Abend eine ganz besondere Atmosphäre.

Für Rudolf Sittners künstlerisches Schaffen, so der Künstler im Dialog mit der Chilenin Patricia Fuentealba, gibt es eine Zeit vor Chile und eine Zeit danach. Bereits kurz nach dem Militärputsch 1973 ergaben sich, zunächst durch chilenische Kolleginnen in seiner damaligen Arbeitsstelle, der Dewag, erste Kontakte zu dem Andenland, das "damals für uns alle unerreichbar war", so der Künstler. Später, es waren die Texte von Pablo Neruda, die Lieder des ermordeten Sängers Victor Jara und das Zusammensein mit Exil-Chilenen, konnte Sittner sein Wissen um den schmalen Landstrich ergänzen. Die erste der bisher vier Chile-Reisen erfolgte 1997, für Rudolf Sittner ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. "Was ich hier erlebt habe, war wie ein Kulturschock - ein sehr positiver. Chile hat mich seitdem nicht mehr losgelassen."

Die Ausstellung zeigt auf engstem Raum Malerei und Druckgrafik, viele Kleinformate in aufwändigen Mischtechniken, mehrteilige Bildkompositionen von großer Detaildichte und Farbintensität sowie Exponate, die sich auf textliche Vorlagen, meist von Pablo Neruda, beziehen. "Für mich ist Chile ein sehr bewegendes - und bewegtes - Land. In den Städten laut, urban und widersprüchlich, zwischen dem Norden mit seinen Wüsten und den Regenwäldern im Süden voller Farben, Intensität und überaus freundlicher Menschen", beschreibt Sittner seinen Blick auf das Land. "Es fasziniert mich bis heute so, dass ich sogar Spanisch gelernt habe …"

Zum Gelingen dieses Abends trugen die in Berlin lebende chilenische Folksängerin Eugenia Tapia und der Cottbuser Schauspieler Michael Becker mit Neruda-Texten bei. Im Gespräch mit Gästen und Veranstaltern, angeregt durch die Werke Rudolf Sittners, standen immer wieder die Menschen und die Kunst dieses kleinen Landes Südamerikas, dem längsten der Welt, im Mittelpunkt.

www.rudolf-sittner.de