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| 19:14 Uhr

Trockenphase im Sommer
Politiker wünscht sich Hilfe für Cottbuser Natur

 Wolfgang Bialas wässert einen Baum vor seiner Haustür.
Wolfgang Bialas wässert einen Baum vor seiner Haustür. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. CDU-Stadtverordneter Bialas ruft zur Pflanzenpflege auf. Gleichzeitig sollten Rasenflächen stärker wachsen dürfen. Von Rene Wappler

Die Natur in der Stadt braucht Hilfe, um zu überleben. So sieht es der langjährige Vorsitzende des Cottbuser Umweltausschusses, der CDU-Politiker Wolfgang Bialas. Deshalb fordert er die Cottbuser dazu auf, die Pflanzen vor ihrer Haustür zu wässern. Zudem plädiert er dafür, die Rasenflächen wuchern zu lassen, statt sie bei jeder Gelegenheit zu trimmen. Nur so habe das Grün bei längerer Trockenheit eine Chance.

Wolfgang Bialas hält nach eigenen Worten nicht viel von Alarmismus. So nimmt er langfristige Wetterprognosen eher skeptisch zur Kenntnis. Allerdings beobachtet er wie viele Cottbuser, dass die Natur unter der Trockenphase leidet, woran auch ein Regenguss hin und wieder nichts ändert.

Der CDU-Politiker sagt: „Extreme Wetterlagen werden für die neu gewählten Stadtverordneten ein wichtiges Thema sein.“ Schon im vergangenen Jahr habe er erfreut zur Kenntnis genommen, dass viele Cottbuser die Pflanzen in ihren Wohnquartieren während der Dürreperiode pflegten. „Auch kleine Mengen helfen“, sagt er. „Wir bezeichnen uns ja gern als grüne Stadt, und das wollen wir schließlich bleiben.“

Zur grünen Stadt zählen die Rasenflächen. Sie erstrecken sich nach Angaben der Rathausmitarbeiter über 185 Hektar in Parks und entlang der Straßen. 20 Prozent der Flächen werden maximal zweimal im Jahr gemäht. Wenn es nach Wolfgang Bialas ginge, würde der Rasen an vielen Orten in der Stadt ungehindert weiter wachsen, ohne dass der Mensch eingreift. Er ist sich der Tatsache bewusst, dass das in den Augen vieler Leute dem Ordnungsprinzip widerspricht. Doch seine Sichtweise begründet er so: „Viele Tiere brauchen diese Vegetation, gerade wenn der Sommer so trocken ausfällt.“

Ähnlich äußerte sich schon im Jahr 2016 ein Fachmann aus dem Spree-Neiße-Kreis. Wieland Böttger vom Spremberger Regionalverband des Naturschutzbundes warnte damals in einem Gespräch mit Kommunalpolitikern seiner Stadt vor dem peniblen Rasenmähen, das überall zu beobachten sei. Auf diese Weise werde den Pflanzen und Tieren langfristig die Lebensgrundlage entzogen, sagte er. Vor allem für Schmetterlinge gelte ein getrimmter Rasen oft als Todesurteil. Ein Beispiel für eine wilde Rasenfläche in seinem Sinn sieht Wolfgang Bialas im Gebiet nordöstlich von der Cottbuser Europakreuzung. „Sie wächst größtenteils vor sich hin, und das ist in Ordnung so.“

Mit dem Stadtgrün beschäftigen sich auch Studenten der BTU. Sie untersuchen acht Grünflächen, die unterschiedlich oft gemäht werden. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, welchen Einfluss die Grünpflege auf die Insekten- und Spinnengemeinschaften haben. Die Erkenntnisse fließen in ein großangelegtes Projekt ein. Im Rahmen von Green Urban Labs (Grüne städtische Labore) sucht Cottbus alternative Pflegekonzepte für Freiflächen in Schmellwitz und wird dabei vom Bund unterstützt.

 Wolfgang Bialas wässert einen Baum vor seiner Haustür.
Wolfgang Bialas wässert einen Baum vor seiner Haustür. FOTO: LR / René Wappler