Zwei Jahre wolle er mit seinem Promenaden-Eck überstehen, dann komme die Zeit der „Goldgrube“ unmittelbar am neuen „Carl-Blechen-Carré“ . So hatte es Wirt Jens Gottschalk in der Silvester-Ausgabe der RUNDSCHAU erzählt. Die Durststrecke werde er Dank der Stammgäste als Insel auf Cottbus' größter und wichtigster Baustelle überstehen.
René Becker, Geschäftsführer der Gepro Bau GmbH aus Brieselang und Investor des Carrés, las es mit Grausen: Sein Mieter sollte da eigentlich schon keiner mehr sein. „Der Mietvertrag ist gekündigt. Er muss zum 31. März raus“ , sagt Becker unmissverständlich. Man habe sich auch geeinigt, und der Investor habe auch eine gewisse Abstandszahlung signalisiert.
Was dann aber von Wirt Jens Gottschalk als Vorschlag gekommen sei, sprenge jeglichen guten Geschmack im geschäftlichen Umgang : 300 000 Euro wollte er bei Auszug zum Jahreswechsel oder 270 000 Euro bei Mietende im März. Gottschalk sieht die besseren Karten bei sich: Der Mietvertrag sei unbefristet abgeschlossen, kündbar nur in „beiderseitigen Einvernehmen und aus wichtigem Grund“ . Ein Grund sei ihm bislang nicht mitgeteilt worden, und beiderseitiges Einvernehmen gebe es ohnehin nicht.
Gottschalk will seine Kneipe behalten - oder wenigstens Geld für die Übernahme eines anderen Hauses herausholen. „Ich bin 35 und will nicht in den Ruhestand gehen“ , sagt Gottschalk. Eine neue Gaststätte zu übernehmen sei teuer: Einrichtung, Umzug, Verträge mit Lieferanten. Außerdem müsse dazu zunächst ein geeigneter Standort gefunden werden.
Denn den bisherigen in der Stadtpromenade könnte es möglicherweise schon bald nicht mehr geben. Gottschalk sagt, er habe schon Pläne gesehen, auf „denen es meinen und den Pavillon daneben nicht mehr gibt“ . Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht - es wäre eine Rückkehr zu den Ausmaßen der Pläne, die einst der Branchenriese ECE verfolgt hat, und die in Cottbus von Bürgern und der damaligen Oberbürgermeisterin Karin Rätzel abgelehnt wurden.
Die Pavillons sollen in einem zweiten Bauabschnitt saniert werden. Das soll möglichst schnell gehen, damit zwischen Belchen-Carré und Spree Galerie nicht weitere Jahre eine Brachfläche vor sich hin bröckelt. Gespräche dazu soll es noch im ersten Quartal geben. Bislang hatten die Denkmalbehörden nur den Abriss der Mocca-Bar, der Fußgängerbrücke, des Brunnens sowie der Turnhalle der früheren Blechenschule genehmigt. Der Pavillon mit dem Promenadeneck dürfte die Ausmaße den Bau des Carrés nicht stören. Beobachtern, die sich in den privaten Streit zwischen Eigentümer und Mieter nicht offiziell einmischen wollen, schwant aber: Dieser zweite Bauabschnitt werde deutlich schwerer zu vermarkten sein als das Center. Je weniger Pavillons es gebe, um so einfacher werde das Geschäft.

Hintergrund Promenaden-Eck
 Das Promenaden-Eck wurde vor 30 Jahren als Teestube Lipezk als Referenz an die Cottbuser Partnerstadt eröffnet. Das Eck ist die letzte verbliebene gastronomische Einrichtung im Ensemble der Promenade. Die Mocca-Bar ist mittlerweile abgerissen, die frühere Bowling-Diskothek liegt seit Jahren brach. Das Café Cubana hat ebenso seit Jahren geschlossen wie mehrere Versuche fehlschlugen, die „Molle“ wiederzubeleben.