Cottbus ist der richtige Ort, um Nägel mit Köpfen zu machen, haben sich German Linz, Jeronimo Landauer und Ivo Gebhardt gesagt und vor wenigen Wochen ihr eigenes Start-Up-Unternehmen, die edrøm GmbH, gegründet.

„Die Region hat Potenzial, wenn der Strukturwandel richtig angepackt wird. Den wollen wir gern mitgestalten mit unserem Traum vom Strom“, sagt German Linz. Der Maschinenbau-Ingenieur spielt damit direkt auf den Firmennamen „edrøm“ an: „Drøm kommt aus dem Norwegischen und steht für Traum. Das ‚e’ davor steht für Energie, für Strom, beides zusammen also für unseren Traum vom Strom“.

Idee und Konzept sind preisgekrönt

Der Traum der Cottbuser Gründer ist eine autarke mobile Energieversorgung. Wahlweise mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen zu betreiben. Einfach zu bedienen, sauber, leise, handlich und robust – ideal für unterwegs in unwegsamen Gelände oder für abgelegene Ferienhäuser beispielsweise in den Wäldern und Schären Skandinaviens ohne Anschluss ans Stromnetz oder für die Stromversorgung von Wohnmobilen, Wohnwagen und Yachten.

Auch für die Industrie sind Anwendungen denkbar, etwa für Baustellen-Beleuchtung oder zur Stromversorgung von Verkehrsleitsystemen oder in der Entwicklungshilfe, so die Start-Up-Gründer, deren Idee bereits mehrfach preisgekrönt ist. Beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg 2019 gehörten sie mit dem 3. Platz zur Riege der Ersten. Im Fokus des Wettbewerbs um die besten Geschäftskonzepte standen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Beim Lausitzer Existenzgründer Wettbewerb (LEX) der Wirtschaftsinitiative Lausitz kamen sie 2018 auf Platz zwei.

Was sie jetzt brauchen, ist „Kohle“

Was die drei Ingenieure jetzt brauchen, ist eine Anschlussfinanzierung, privates Kapital. An Standorten wie Leipzig, Berlin, Stuttgart oder München und über Accellerator-Programme und Co-Working-Spaces wie im SpinLab Leipzig wären die dafür nötigen Kontakte wohl schneller zu bekommen. Doch die drei Firmengründer und BTU-Absolventen wünschen sich einen Kapitalgeber aus der Region: „Weil er die Region kennt und verstehtund hier vor Ort auch jederzeit sehen und verfolgen kann, was aus seinem Kapital wird.“

Einfaches Prinzip, komplexe Wissenschaft

Ein Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums für Existenzgründungen aus der Wissenschaft (Exist) ermöglichte den drei Wissenschaftlern bereits die Weiterentwicklung der Idee. Die Unterstützung der BTU-Cottbus-Senftenberg machte den Bau eines Prototypen des edrøm-Generators (s. Info) möglich. „Der funktioniert noch nicht ganz so, wie wir uns das vorstellen“, sagt German Linz.

Deshalb haben sie ihn nochmal in alle Einzelteile zerlegt, rechnen, simulieren , feilen an Details – gemeinsam mit Werksstudenten und Mitarbeitern der BTU-Werkstätten. „Der Generator ist zwar sehr einfach und robust, aber die Wissenschaft dahinter ist sehr komplex“, erklärt Linz das Prozedere. Der selbst gesteckte Zeitrahmen ist dennoch ambitioniert: „Wir planen den Markteintritt Ende 2020“, sagt Jeronimo Landauer.

Caravan-Marktführer ist interessiert

Mit potenziellen Abnehmern wie dem weltweit tätigen Caravan-Hersteller Erwin Hymer Group sind sie bereits im Gespräch. Das schwäbische Familienunternehmen ist gerade vom börsennotierten US-Konzern Thor übernommen worden und mit dem „historisch größten Deal auf dem Wohnmobil- und Caravan-Markt“, wie das „Handelsblatt“ berichtet, zur weltweiten Nummer eins für Freizeitfahrzeuge aufgestiegen. „Hymer hat großes Interesse, sie warten auf unseren Prototypen“, berichtet German Linz. Mit der Entwicklung des edrøm-Generators jedoch beschäftigt sich Hymer nicht.

Gründer finanzieren sich derzeit selbst

Die Cottbuser Start-Up-Unternehmer finanzieren die Entwicklung derzeit selbst. Wie sie hoffen, nur vorübergehend, denn Einnahmen gibt es in der Entwicklungsphase nicht. Deshalb werben sie um Business Angels – das ist jemand, der sich an jungen Firmen finanziell beteiligt, sie mit Know-how und Kontakten unterstützt, und mit der Investitionsbank des Landes Brandenburg im Gespräch über eine Unternehmensfinanzierung. Auch zur Wirtschaftsregion Lausitz haben Sie Kontakt aufgenommen, versuchen Fördermittel aus dem Regionalen Investitionskonzept Lausitz zu erhalten.

Die drei edrøm-Gründer schätzen den BTU-Campus in Cottbus „außerordentlich“. Hier haben sich die Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieure auch kennengelernt, während des Studiums in den Jahren 2008 bis 2015. Die Bedingungen für Lehre und Forschung seien hervorragend in Cottbus. Das habe sie auch wieder zurückgezogen, nachdem alle drei einen Ausflug in die freie Wirtschaft gemacht haben.

Schneller und flexibler mit eigener Firma

„Wir haben alle erst mal ganz normal gearbeitet nach dem Studium“, erzählt German Linz. Er hat beim Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig und in einem Neubrandenburger Unternehmen bei der Brennstoffzellenentwicklung mitgearbeitet. Ivo Gebhardt, ebenfalls Maschinenbauingenieur, war bei VW in der Fahrzeugentwicklung tätig und mit seinem Forschungsprojekt ausgerechnet zu dem Zeitpunkt fertig, als der Abgasskandal hoch kochte und der Autokonzern niemanden mehr einstellte.

Ob er unter anderen Umständen dabei geblieben wäre? „Wohl kaum, in einem großen Konzern arbeiten ist ein bisschen so wie arbeiten auf dem Amt, das ist nichts für mich“, sagt er. Auch Jeronimo Landauer hätte als technischer Leiter einer Apothekengruppe sein Geld weiterhin leichter verdienen können.

„In der Entwicklung und den Entscheidungen können wir mit unserer eigenen Firma einfach viel schneller und flexibler sein. Das schätzen wir am Gründen“, schildern Landauer und Linz.

Leidenschaft für Skandinavien gab Anstoß

Er habe bei der Arbeit in der Brennstoffzellenentwicklung gesehen, dass es einen Markt für eine netzferne Stromversorgung gibt. Ivo Gebhardt und Jeronimo Landauer musste er gar nicht lange überreden. Die waren ohnehin davon überzeugt, dass der Generator genau das richtige Angebot ist für den Freizeitmarkt. Der boomt derzeit. Caravaning und Camping sind beliebt. Die Zulassungszahlen von Reisemobilen und Caravans steigen stetig.

„Der Freiheitsdrang ist groß, die Klientel wird immer jünger“, beobachten Ivo Gebhardt, Jeronimo Landauer und German Linz, denen für den eigenen Urlaub – vorzugsweise in Skandinavien, wo auch die Idee für den mobilen Generator der anderen Art entstanden ist – wenig Zeit bleibt. Dafür entschädigt sie das Abtauchen im Lausitzer Seenland. „Das ist ideal, quasi direkt vor der Haustür. Da tanken wir auf.“ Auch der Testlauf könnte hier stattfinden, vielleicht in Laasow, am Gräbendorfer See.

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