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| 17:49 Uhr

Cottbus
Kein nahtloser Übergang möglich

 Der CAP-Markt in der Pückler-Passage schließt Ende September 2019.
Der CAP-Markt in der Pückler-Passage schließt Ende September 2019. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Der CAP-Markt in Cottbus schließt wie angekündigt Ende September. Sein Nachfolgeprojekt ist noch offen. Von Nils Ohl

Im CAP-Markt in der Pückler-Passage sieht es auf den ersten Blick aus wie immer: Die Regale sind gefüllt, in den Gängen suchen Kunden nach ihren Waren. Etwas ungewöhnlich ist nur das Schild neben der Kasse mit dem Hinweis, dass der Markt nun an den Sonnabenden geschlossen ist. In wenigen Wochen wird der CAP-Markt, ein Projekt zur Wiedereingliederung gehandicapter Menschen in den Arbeitsmarkt, jedoch komplett geschlossen.

„Es bleibt beim Termin 30. September“, bestätigt Tamara Swensson. Sie ist die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Werkstätten Hand in Hand, die den CAP-Markt als Franchise-Unternehmen betreiben, und zugleich Liquidatorin des Marktes. Das vor rund zehn Jahren gestartete Projekt hat sich betriebswirtschaftlich nicht gerechnet und musste von der Lebenshilfe dauerhaft bezuschusst werden. Die Gründe dafür sind vielfältig, einer davon ist der ungünstige Standort mit hohen Betriebskosten ohne ausreichende Parkmöglichkeiten neben der Dauerbaustelle Bahnhof.

Briefe an die Kunden

„Alle unsere Kunden haben Briefe bekommen, dass wir Ende September den Betrieb einstellen. Schon jetzt bestellen wir nur solche Waren, von denen die Marktleitung sicher ist, sie bis dahin auch verkaufen zu können“, so Swensson. Der Lieferservice des CAP-Marktes, der vor allem älteren Menschen auf Bestellung Waren des täglichen Bedarfs in die Wohnung bringt, habe daher schon jetzt ein etwas eingeschränktes Sortiment und muss mit der Schließung des Marktes ebenfalls aufgegeben werden.

„Aber unsere Mitarbeiter engagieren sich sehr, den Kunden bis zum letzten Tag so viel Service wie nur möglich zu bieten“, betonten Swensson.

Immobilie wird besenrein übergeben

Insgesamt zwölf Mitarbeiter hatte der Markt, die Hälfte davon gehandicapte Menschen. „Ein Teil der Beschäftigten ist inzwischen in andere Beschäftigungsverhältnisse gegangen, einem Teil ist zum 30. September gekündigt und ein anderer Teil wird nach dem 1. Oktober noch weiter beschäftigt“, erklärt Tamara Swensson. Die Immobilie muss besenrein übergeben werden und da fällt noch einiges an Arbeit an

Gehandicapte Mitarbeiter müssen damit genauso in die Arbeitslosigkeit gehen wie andere Kollegen. Die Lebenshilfe will aber alle dabei unterstützen, neue Perspektiven zu finden. „Wir verlieren die Menschen nicht aus dem Augen“, verspricht die Geschäftsführerin.

Chancen für Nachfolgeprojekt werden sondiert

Parallel zur Schließung des CAP-Marktes sondiert die Lebenshilfe nun die Chancen für ein Nachfolgeprojekt. „Als Gesellschafter wollen wir so ein Inklusionsprojekt unbedingt wieder haben. Ziel ist, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen“, so Swensson. Und das gern wieder im Lebensmittelbereich sowie möglichst auch wieder mit den gleichen Menschen. Allerdings sei ein nahtloser Übergang nicht möglich.

Zum konkreten Stand des neuen Projektes möchte sich die Geschäftsführerin noch nicht äußern: „Wir sind dran, aber das sind zur Zeit alles noch ungelegte Eier.“  Nachdem man beim CAP-Markt Federn lassen musste, haben für das neue Projekt die richtigen Rahmenbedingungen oberste Priorität.

Ohne Zeitdruck entscheiden

„Wir wollen es jetzt auf jeden Fall besser machen, die aktuelle Marktsituation genau beobachten und ohne Zeitdruck entscheiden“, erklärt Swensson. Erst wenn man sich sicher sei, dass das neue Projekt an einem anderen Standort auf Dauer mindestens eine schwarze Null schreibe, werde man sich an den Zuwendungsgeber, das heißt das Integrationsamt,  wenden.

„Denn anders, als viele glauben, bekommen wir für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung nur den normalen Zuschuss, den jeder Arbeitgeber bekommt, der gehandicapte Menschen einstellt“, sagt Swensson.

Die Kunden, vor allem auch die vielen älteren Menschen, die die besonderen Angebote des CAP-Marktes nutzen, müssen sich nun wohl auf eine längere Pause einstellen, bis das neue Projekt wirklich zum Zuge kommt.