| 02:34 Uhr

Burger Schüler wollen einen Filmpreis

Drehtag bei den Burger Siebtklässlern: Entstanden sind drei Kurzfilme gegen Mobbing im Internet.
Drehtag bei den Burger Siebtklässlern: Entstanden sind drei Kurzfilme gegen Mobbing im Internet. FOTO: Annett Igel
Burg. Mit seinem viermal ausgezeichneten Cybermobbing-Projekt "Aufgeklärt" ist der Cottbuser Verein "Media T Be/M2B" erstmals in Schulen im Umland unterwegs. Drei Anti-Mobbing-Filme drehen in dieser Woche Siebtklässler der Grund- und Oberschule Burg im Spreewald – mit kleiner Prügelei, Zickenkrieg und tickender Uhr. Annett Igel-Allzeit

Gemütlich soll es sich Christian auf der Couch der Schulsozialarbeiterin machen. Ihm wird eine bunte Kuscheldecke zugeworfen und ein Laptop auf die Knie gestellt. Doch wohl ist dem verträumten Ben, den er im Film spielt, nicht zumute. Staunend liest er üble Beleidigungen im Chat. Sie wollen sogar, dass er verschwindet.

Nach vier Versuchen ist die Szene im Kasten. Melina Fuentealba-Prötel, die Projektkoordinatorin, nickt anerkennend. "Die Schüler kommen gut voran. Morgen haben sie noch Zeit für den Nachdreh, Freitag wird geschnitten. Dafür haben wir die Technik mitgebracht." Zum vierten Mal läuft das Cybermobbing-Projekt mit dem Verein und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Nach drei Runden ausschließlich in Cottbuser Schulen wollte Projektleiter Tobias Falke endlich auf die Nachfragen aus dem Umland reagieren. Mit 14 Studenten aus dem vierten Semester des Studiengangs Soziale Arbeit geht er zu Neuntklässlern in der Cottbuser Pestalozzi-Schule, in die 7 a in Burg, zu Sechstklässlern in der Mosaik-Grundschule Peitz und zu Siebtklässlern in der Bernhard-Kellermann-Oberschule in Senftenberg.

Es ist nicht nur schauspielerisches Talent gefragt. Tontechniker und Regisseure werden gebraucht. Kamerafrau Nicol ist überrascht, worauf sie alles achten muss: Kleinigkeiten können die Szene stören: das Licht vom Fenster, das laute Ticken einer Wanduhr, die Schulklingel. "Und sie dürfen nicht in die Kamera gucken", erklärt Nicol. Mit den Studenten haben die Schüler die Geschichten, die sie im Kurzfilm erzählen wollen, entwickelt. Sie suchen sich Requisiten, feilen an den Dialogen. "Fünf Minuten - länger sollte der Film nicht dauern - sind verdammt kurz", sagt Melina Fuentealba-Prötel. Deshalb lassen die Studentinnen Lisette Kobel und Lisa Planert die Mädchen Katrin, Jamila und Sophie ganz oft ihre Szene durchsprechen - bis sie ihre Jugendsprache finden, ja, sogar sprachschöpfen. "Sie sind sehr eifrig. Mit der Bisexualität, die in unserer Geschichte eine Rolle spielt, wird ganz locker umgegangen. Kicheranfälle sind ganz selten", sagt Lisette Kobel. Entsprechend ernst erklärt Ben: "Ich muss für den Film in Marie verliebt sein."

Auf dem Schulhof dreht die dritte Filmcrew. Dominiks Haar ist struppig, sein Gesicht rot. Philipp, Eric und Eddie haben ihn vor laufender Kamera verprügelt. "Aber nur gespielt, kurz vor seinem Körper haben wir immer abgestoppt", erklärt Eddie. "Na ja", murrt Dominik, "manchmal habt ihr mich doch getroffen." Aber was tut man nicht alles für einen Filmpreis.

Klar, Preise gehören auch zur vierten Cybermobbing-Staffel. Sie werden bei der Filmgala vor den Sommerferien vergeben. Bildungsminister Günter Baaske (SPD) ist Schirmherr der Veranstaltung, und zu den Förderern gehören das Deutsche Kinderhilfswerk, die Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz, der Landespräventionsrat Brandenburg, die Medienanstalt Berlin-Brandenburg, die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam sowie die Wilhelm-von-Türk-Stiftung. Klassenlehrerin Grunhild Nevoigt drückt ihren Burger Schülern fest die Daumen. "Das ist eine recht aufgeweckte Klasse mit viel Redebedarf. In den Chats, in denen sie über Smartphone und Laptop kommunizieren, sind sie nicht immer fair zueinander. Aber jeden Freitag setzen wir uns zu einem Kreis zusammen und reden darüber. Das hilft", sagt Grunhild Nevoigt. "Jetzt das Gezicke vor der Kamera mal ausleben zu dürfen, macht uns aber auch Spaß", gestehen Jamila, Sophie und Katrin - und müssen doch noch einmal kichern, bevor die Filmklappe wieder zuschlägt.