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| 18:39 Uhr

Debatte in der Burger Gemeindevertretung
Was wäre Burg ohne Spreehafen?

Über die Planken am Burger Spreehafen steigen Jahr für Jahr 40 000 Gäste in die Kähne. Jetzt wird über deren Erneuerung heftig debattiert.
Über die Planken am Burger Spreehafen steigen Jahr für Jahr 40 000 Gäste in die Kähne. Jetzt wird über deren Erneuerung heftig debattiert. FOTO: Michael Helbig/mih1 / Michael Helbig
Burg. Gemeindevertreter stellen Sanierung in Frage und riskieren auf diese Weise eine Schließung des bei Touristen so beliebten Kahnhafens. Das wäre eine Katastrophe für die Tourismus-Gemeinde. Von Ulrike Elsner

Das Wochenende verspricht einen Vorgeschmack auf den Frühling.  Erfahrungsgemäß zieht es an solchen Tagen viele Cottbuser nach Burg. Viele werden zuerst den Hafen 1 ansteuern. Die Fährleute jedenfalls sind gerüstet für den vielleicht ersten Gästeansturm des Jahres. Was aber wäre, wenn die Gäste am wichtigsten Hafen des Kurorts anstelle von Kähnen und Paddelbooten eine  Barriere mit der Aufschrift „gesperrt“ vorfinden würden? Das könnte nicht passieren. Doch, es könnte. Das beweist die Debatte, die sich in der Burger Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend angesichts der berechtigten Sorge vor einer finanziellen Schieflage  des Kurorts entfachte.

„So können wir nicht weitermachen“, hatte Frank Hildebrand (Gemeinsam für Burg) eingangs appelliert und vor dem drohenden „Ende der Fahnenstange“ in puncto Investitionen gewarnt. „Wir wollen uns später nicht nachsagen lassen: Ihr seid zu großzügig gewesen“, pflichtete ihm Anita Bordmann (CDU) bei. Bernd Ragotzky (Gemeinsam für Burg) sprach den entscheidenden Satz: Die Gemeinde müsse in Erwägung ziehen, den Hafen zu sperren, wenn es sich dabei um „defizitäres Geschäft“ handle.

Konkret geht es dabei um 121 000 Euro, die im Haushaltsentwurf der Gemeinde für die Erneuerung des Holzstegs an der Anlegestelle für Kähne und Paddelboote vorgesehen waren. Die Planungen waren in der Hoffnung auf eine 80-prozentige Förderung in Gang gesetzt worden.  Fördermittel gab es dann aber nicht. Angesichts der neuen Situation plädierte auch Mike Merting (CDU) für eine Hafensperrung, weil die Sanierung für die Gemeinde zum „finanziellen Grab“ werden könne.

Thomas Petsching  (CDU) führte die Debatte schließlich mit eindringlichen Worten auf eine sachliche Ebene zurück. Entweder wir sprechen hier über die Entwicklung des Kurorts oder über 100 000 Euro“, sagte der stellvertretender Hafenmeister. Seine Vorredner hätten nichts Geringeres vorgeschlagen als „die Schließung des Hauptanlaufpunkts von Burg, wo jeder Gast einmal lang flaniert“. Gleichzeitig stünden aber 600 000 Euro für ein Gradierwerk im Haushaltsentwurf. Es dürfe nicht dazu kommen, dass die Gemeinde in ihrer Entwicklung ausgebremst wird.

Udo Gubela (Landwirtschaft und Umwelt) brachte mit 50 000 Euro eine Kostengrenze  in die Debatte ein und zeigte sich sicher: „Dafür kriegt man eine Lösung hin.“  Auf diesen Kompromiss konnten sich die Gemeindevertreter am Ende einigen. Dennoch bleibt bei manchem Zuhörer am Gästetisch von der Debatte zumindest ein fader Beigeschmack. Auch Hafenmeister Dirk Meier kann das Geschehene nicht verstehen. In den 18 Jahren, in denen er die Verantwortung trägt, habe der Hafen eine sehr positive Entwicklung genommen. „Die Entscheidung, den Hafen zu privatisieren, war richtig“, so Meier. 18 bis 20 Arbeitsplätze sind mit dem touristischen Leuchtturm verbunden. 40 000 Gäste im Jahr steigen hier in den Kahn, um den Spreewald zu erleben.

Geschäfte haben sich im Umfeld angesiedelt. Der Hafenbetreiber unterstützt Vereine und zahlt  Verkehrsabgabe. „Wenn der Hafen geschlossen würde, gingen der Gemeinde rund 100 000 Euro verloren“, ist sich Meier sicher. Zudem leiste seine Mannschaft viel, um ein positives Bild von Burg zu vermitteln. Der Hafen sei „eine Schnittstelle des Tourismus“ im Kurort.

In den vergangenen Jahren habe der Hafenbetreiber immer wieder in Eigenregie Wartungsarbeiten durchführen lassen. Die Bohlen aus Lärchenholz liegen laut Meier seit 15 Jahren und sind ebenso wie die Unterzüge aus Eichenholz vor allem durch den Wechsel von Nässe und Trockenheit großen Belastungen ausgesetzt. Die Materialkosten für die notwendige Reparatur schätzt der Hafenmeister auf 35 000 Euro und verspricht: „Ich würde als Pächter einen Anteil leisten.“

Von der Burger Politik  mahnt der Touristiker „Visionen und Projekte, um den Ort für die Zukunft aufzustellen“ an. Außerdem brauche der Kurort mehr Landesmittel. Allein aus den Einnahmen der hiesigen Wirtschaft seien die Aufgaben auf den Riesenflächen nicht zu bewältigen.  Die Kurtaxe gehöre um 50 Cent auf 2,50 Euro erhöht. „Und eine Tageskurtaxe muss her“, so Meier, „denn zwei Drittel unserer Gäste sind Tagesgäste“.