(jul) Zum ersten Mal hat der Burger Amtsausschuss einen Doppelhaushalt beschlossen – auf seiner Sitzung am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus Guhrow. Der Haushalt gilt für die Jahre 2019 und 2020. Die Entscheidung wurde gegen die Stimmen der Dissener Amtsausschussmitglieder getroffen.

Dem vorausgegangen war eine intensive Debatte vor allem zu einem Punkt des Haushaltsplans: Die Gemeinden Dissen und Burg sollen beginnend mit diesem Jahr alleinige Träger der Personalkosten  für ihre Museen sein. „Wir sind erst einen Tag vor der Ausgabe der Haushaltsplanentwürfe von dem Vorhaben informiert worden, dass wir nun zusätzlich die 45 000 Euro, die das Amt bisher für ihre Mitarbeiterin zahlt, die bei uns im Museum tätig ist, von uns übernommen werden sollen. Das ist unfair, das Haushaltsjahr läuft schon, wir können als Gemeinde überhaupt nicht so kurzfristig reagieren, das hätte einer längeren Vorlaufzeit bedurft“, betonte Dissens Bürgermeister Fred Kaiser in der Diskussion. Er stellte noch einmal klar, wie sich das Heimatmuseum Dissen entwickelt hat, wie viel die Gemeinde trägt, wie viel Ehrenamt geleistet wird und dass die Auszeichnung als beste Gemeinde im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auch auf dem großen Engagement aller im Ort und der Zusammenarbeit mit dem Amt beruht. Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Brandenburger Museumsverbandes, erläuterte, dass Museen sowohl kulturhistorische als auch pädagogische, touristische und sozialpolitische Bedeutung haben. Christina Kliem vom Förderverein des Dissener Heimatmuseums umriss kurz, wie sich die Einrichtung in das Amtsgeschehen eingebracht hat, von Veranstaltungen in Bildungseinrichtungen bis hin zur großen Festen.

Im Gegenzug schilderten Vertreter anderer Gemeinden ihre derzeitige haushalterische Notsituation, allen voran die Abgeordneten, deren Gemeinden bereits in der Haushaltssicherung sind. So berichtete die langjährige Werbener Abgeordnete Antje Hotzan, dass ihnen angeraten wurde, ihre nur noch schlecht intakte Turnhalle, in der Hunderte Woche für Woche Sport treiben, abzureißen, weil die Gemeinde auf Grund der Haushaltssicherung jetzt nicht mehr die Komplementärmittel zur Förderung aufbringen könne. Der Schmogrow-Fehrower Bürgermeister Joachim Emmrich sprach darüber, dass kein Verein, keine andere freiwillige Aufgabe in seinen Ortsteilen unterstützt werden kann. Kerstin Jaser, Bürgermeisterin von Guhrow betonte: „Ich bin froh, dass wir gerade noch so unsere Pflichtaufgaben finanzieren können“. Angesichts dieser dramatischen Situation im Amt mahnte der amtierende Amtsdirektor Christoph Neumann zu mehr Solidarität im Amt an. Die Burger Bürgermeisterin Ira Frackmann kündigte an, dass der Kurort die alleinigen Kosten für die Heimatstube Burg übernehmen wird. Der Briesener Abgeordnete Andreas Pfütsch forderte, einen Schritt aufeinander zuzugehen: „Wir sollten aufgrund der jetzigen Situation die Regelung zur Übernahme der Kosten durch die Gemeinden treffen, aber nur für zwei Jahre und dann muss erneut geprüft werden, wie es weiter geht“. Als Reaktion darauf schlug der Amtsausschussvorsitzende Joachim Dieke vor, angeregt auch durch Fred Kaiser, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die neu über die Finanzierung aller freiwilligen Aufgaben im Amt nachdenkt. Anita Bordmann, Burger Abgeordnete, stellte in der Diskussion deutlich klar: „Es ist wohl niemand im Raum, der die Verdienste und die Bedeutung des Heimatmuseums Dissen anzweifelt. Niemand will es schließen, aber in Zeiten knapper Kassen muss neu nachgedacht werden“. Bei den Dissener Abgeordneten und auch den zahlreichen Gästen der Sitzung blieb am Ende Unverständnis über die Vorgehensweise des Amtes in dieser komplizierten Entscheidung. Die Dissener Gemeindevertreter kündigten an, dass sie diese Kostenverlagerung bei ihrer Haushaltsbeschlussfassung, die jetzt folgen muss, nicht akzeptieren werden. Damit bleibt die Entscheidung zur künftigen Finanzierung des Museums weiter offen.