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| 12:02 Uhr

Demonstration
Buntes Cottbus zeigt Flagge

Mehrere Tausend Menschen demonstrieren am 73. Jahrestag der Bombardierung von Cottbus friedlich für Toleranz und Weltoffenheit.
Mehrere Tausend Menschen demonstrieren am 73. Jahrestag der Bombardierung von Cottbus friedlich für Toleranz und Weltoffenheit. FOTO: Michael Helbig
Cottbus . Ein Sternmarsch für Frieden und Toleranz ist am Donnerstag friedlich verlaufen.

Wer Donnerstag am späten Nachmittag über den Cottbuser Oberkirchplatz ging, der blickte in nervöse Gesichter: Mannschaftswagen der Polizei bezogen Position, die Organisatoren des Sternmarsches gegen Fremdenfeindlichkeit bauten ihre Bühnentechnik auf. Immer wieder Blicke zur Uhr: Wann würden sich die ersten Demonstrationszüge in Bewegung setzen? Wieviele Menschen würden dem Aufruf des Cottbuser Aufbruchs folgen?

Superintendentin Ulrike Menzel: „Wir haben den Platz vor der Oberkirche als Ort der Abschlusskundgebung für die traditionelle Demo am 15. Februar gewählt. Wir wollen diesem Platz wieder ein anderes Gesicht geben.“  Wichtig sei es, ihn mit Menschen zu füllen, die für Menschlichkeit und Toleranz stehen.

Zuletzt hatte der nach eigenen Aussagen „asylkritische“ Verein „Zukunft Heimat“ mehrere Tausend Menschen vor der Oberkirche versammelt. Jetzt aber sollte es bunt werden: Unter dem Motto „Cottbus bekennt Farbe 2018“ hatte der Cottbuser Aufbruch zum Sternmarsch für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit aufgerufen. An vier Sammelpunkten vor der BTU Cottbus-Senftenberg, dem Staatstheater, der Lutherkirche sowie auf dem Jacques-Duclos-Platz versammelten sich die Demonstranten um 17 Uhr. Neben Plakaten, Luftballons und Blumen wurden in diesem Jahr erstmals auch bunte Tücher verteilt – getreu dem Motto „Cottbus ist bunt“ konnte sich jeder Zug in seiner eigenen Farbe schmücken. Und auch die bunten Street-Art-Plakate, die das Landesmuseum für moderne Kunst zur Verfügung gestellt hatte, sorgten für ein ungewohnt farbenfrohes Bild der Demonstrationszüge.

Sternmarsch zur Oberkirche FOTO: Michael Helbig

Am Startpunkt der Universität zeigte sich schon früh, dass die Sorgen der Veranstalter unbegründet waren: Deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren fanden sich vor dem Hauptgebäude der BTU zusammen. Prof. Heike Radvan, Mitunterzeichnerin eines Offenen Briefes von Wissenschaftlern der BTU wandte sich in einer kurzen Rede zunächst gegen den Verein „Zukunft Heimat“ und die von ihm verbreitete Stimmung von Hass und Gewalt, erinnerte dann an den 15. Februar vor 73 Jahren. „Das Bombardement, in dem viele Menschen ihr Leben verloren, war zuallererst auch ein erster Schritt der Befreiung.“

Auf dem Weg in Richtung Oberkirche vertrieben Musik und Sprechchöre die ärgste Kälte. Vera Koal (56), erfahrene Teilnehmerin, hatte sich eine Thermoskanne mit Tee mitgebracht, teilte großzügig mit ihren Freundinnen. „Ehrensache, dass wir mitgehen. Cottbus hat ein freundliches Gesicht, das wollen wir zeigen.“ Kurz vor 18 Uhr erreichten die Demonstranten den Oberkirchplatz, nach Schätzungen der LR rund 2000. Die Polizei macht generell keine Angaben zur Teilnehmerzahl von Demonstrationen und Kundgebungen.

In Höhe der Sprem hatten sich auch  Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Bischof Markus Dröge zu den Marschierenden gesellt, die an der Lutherkirche gestartet waren. Vertreter der Industriegewerkschaft IG BCE, Mitarbeiter des Energiekonzerns Leag, Vertreter des CTK, Abgeordnete aller Parteien (die AfD ausgenommen), Landrat Harald Altekrüger (CDU)  sowie Vertreter der Kammern reihten sich ein und zogen gen Oberkirche.

Dort sah Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) Grund zur Freude: „Es ist einfach wunderbar. Ich bin stolz, so viele Menschen hier zu sehen.“ Kelch würdigte die Anstrengungen, die haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in den vergangenen Jahren unternommen haben, um die Opfer von Krieg und Vertreibung in der Stadt zu integrieren. Er sprach über Ängste und Schwierigkeiten, dankte dann der Landesregierung für ihre Unterstützung bei der Behebung von Problemen. Er sei zuversichtlich, dass die eingeleiteten Maßnahmen bald Früchte tragen. Auch an die Demonstranten richtete er Dank: „Sie sind ein Symbol, sie zeigen, dass die Stadt nicht gespalten ist.“

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) warb um Verständnis für die schwierige Situation – es sei für Ostdeutschland eine neue Erfahrung, derart viele Menschen zu integrieren.

Reden, Rap und Tanz – nach gut einer Stunde löste sich die Demo auf. Nach Auskunft der Polizei gab es keine Zwischenfälle.

(hil/dsf)