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Bunte Liebe durchströmt Cottbus

Noch immer gilt Homosexualität in 70 Ländern der Welt als Straftat. Der Teppich mit den entsprechenden Nationalflaggen veranschaulicht das Ausmaß dieser Ausgrenzung.
Noch immer gilt Homosexualität in 70 Ländern der Welt als Straftat. Der Teppich mit den entsprechenden Nationalflaggen veranschaulicht das Ausmaß dieser Ausgrenzung. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. 200 Demonstranten haben am Samstag beim Christopher Street Day (CSD) Cottbus regenbogenbunt gemacht. Am Stadthaus gab es ein Pfeifkonzert – das galt dem Oberbürgermeister. Jenny Theiler

Das Wetter hätte am Samstag nicht wechselhafter sein können. Dennoch brachten zahlreiche Regenbogenflaggen auf dem Stadthallenvorplatz den grauen Himmel zum Strahlen. Unter dem Motto "Liebe ist bunt" wurde die diesjährige Pride-Week des CSD mit einer friedlichen Demonstration beendet. Zum neunten Mal marschierten Cottbuser und Aktivisten durch die Innenstadt, um ein Zeichen für Akzeptanz, Freiheit und Selbstbestimmung zu setzen.

Seit dem Jahr 1993 wird der CSD auch in Cottbus begangen. Damals wurde der bunte Umzug noch von der Aidshilfe Lausitz organisiert. Mandy Arefi erinnerte sich: "Anfang der 90er-Jahre haben wir hier mit sechs Leuten gestanden." Mittlerweile konnte sich die Veranstaltung auch in Cottbus etablieren, wie die stolze Besucherzahl am Samstag zeigte.

Der CSD-Cottbus existiert seit dem Jahr 2013 als eigenständiger Verein. Michael Ziltz erklärte: "Uns geht es darum, Menschen zu finden, die auch bereit sind, in der Öffentlichkeit zu ihrer Sexualität zu stehen." Mittlerweile arbeiten fünf CSD-Botschafter für den Verein, um Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen zu unterstützen. Homophobie sei vor allem in Schulen noch immer an der Tagesordnung, so der Vorstandsvorsitzende. Um dem entgegenzuwirken, gab es zahlreiche Aufklärungsveranstaltungen in den vergangenen zwei Wochen, vor allem an Cottbuser Schulen.

Die einleitenden Worte zum Umzug sprachen unter anderem die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, Monika von der Lippe, und der Cottbuser Sozialdezernent Berndt Weiße (parteilos). Er war in Vertretung von CSD-Schirmherrin und Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe (SPD) erschienen.

Die Weigerung der Stadt Cottbus die Regenbogenflagge am Rathaus und Stadthaus zu hissen, hatte in der vergangenen Woche für Empörung gesorgt. Berndt Weiße bat die Demonstranten, die Entscheidung von Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) dennoch zu akzeptieren. Lars Bergmann von der Landeskoordinierungsstelle LesBisSchwule & Trans hält die fehlenden Regenbogenflaggen an Verwaltungsgebäuden für einen unverzeihlichen Rückschritt, da Cottbus ein lebendiger Ort für Homosexualität sei. Deshalb stellte Lars Bergmann klar: "Die Regenbogenflagge ist ein weltweites Symbol der LSBTTIQ-Bewegung und nicht etwa das Symbol des örtlichen Dackelklubs." Für diese Entscheidung der Rathausspitze gab es von den Demonstranten am Erich Kästner Platz ein Trillerpfeifenkonzert. Vor dem Staatstheater gedachte die bunte Gemeinschaft denjenigen, die in ihren Heimatländern aufgrund ihres Andersseins ausgegrenzt, verfolgt oder sogar ermordet werden. Als Symbol dafür stiegen schwarze und weiße Ballons in den Himmel auf.

Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bezeichnete Monika von der Lippe als Meilenstein. "Es stellt sich trotzdem die Frage, wie das Ganze dann in der Praxis aussieht", gibt Michael Ziltz zu bedenken und verweist auf die noch immer bestehende Angst vieler homosexueller Paare, sich auch in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Der Diebstahl einiger Regenbogenflaggen wurde von der CSD-Gemeinschaft gelassen gesehen. "Je mehr Flaggen abgerissen wurden, desto mehr haben wir wieder aufgehängt", erzählte Miss Cherry Moonlight, die in einem aufregenden Glitzerkleid am CSD teilnahm. Sie verwies auf die 200 Flaggen, die in diesem Jahr in Cottbus verteilt wurden - so viele wie noch nie zuvor. "Die Sichtbarkeit der bunten Liebe ist uns wichtig, aber bitte nicht nur heute, sondern auch in Zukunft", sagte Miss Cherry Moonlight.