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Bunt contra G(r)auland in Cottbus

Kundgebung der Initiative "Cottbuser Aufbruch" auf dem Berliner Platz vor der Stadthalle Cottbus unter dem Motto "Nix drin für Nazis und Rechtspopulisten".
Kundgebung der Initiative "Cottbuser Aufbruch" auf dem Berliner Platz vor der Stadthalle Cottbus unter dem Motto "Nix drin für Nazis und Rechtspopulisten". FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Drei Demos am Dienstagabend in der Cottbuser Innenstadt: Der Wahlkampfabschluss der AfD in Brandenburg stößt auf friedlichen Protest. Simone Wendler und Rüdiger Hofmann

Mit einer Rede ihres Spitzenkandidaten Alexander Gauland hat die Brandenburger AfD am Dienstagabend vor der Cottbuser Oberkirche ihren Bundestagswahlkampf beendet. Vor einigen Hundert Anhängern befasste sich Gauland fast ausschließlich mit der Flüchtlingspolitik. Aus der Menge der Zuhörer erschollen dabei immer wieder die Rufe: "Abschieben".

Der AfD-Spitzenkandidat in Karojackett, Cordhose, einer Krawatte mit Hundemotiven um den Hals, verwahrte sich gegen Nazi-Vorwürfe und behauptete, die AfD-Anhänger seien die einzigen Demokraten. Gauland erklärte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland und rief bezüglich der Flüchtlingsaufnahme: "Wir wollen diese Masseninvasion nicht."

Der Bundesregierung warf er vor, "unser Volk" auflösen zu wollen. Unter dem Jubel der Versammelten kündigte er an, die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber im Bundestag zum Thema zu machen. Ohne sie namentlich zu nennen, ging Gauland auch auf die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), ein.

Von Zuhörern kam sofort der Ruf "entsorgen". Er hatte kürzlich in einer Rede vorgeschlagen, die in Hamburg geborene Sozialdemokratin "in Anatolien zu entsorgen". In Cottbus quittierte er die "entsorgen"-Rufe mit einem Lächeln und einem: "Ich habe es jetzt aber nicht gesagt."

Auf Themen jenseits der Flüchtlingsfrage gingen weder Gauland noch Andreas Kalbitz, der nach ihm ans Mikrofon trat, näher ein. Kalbitz ist Landesvorsitzender der AfD Brandenburg. Er nutzte den Auftritt vor der Cottbuser Oberkirche vor allem für Beschimpfungen von Politikern anderer Parteien. Kalbitz sprach von "Politikerfratzen", der "Raute des Grauens", einer "Politik-Mafia" und "links-rot-grün versifften 68er-Banden". Nach der Bundestagswahl werde es für sie "ungemütlich". Kalbitz kündigte an, die "etablierten Wohlfühlzonen" zu zerstören. "Ich freue mich schon auf die blöden Gesichter der anderen", sagte er bezogen auf die Verkündung der Wahlergebnisse am kommenden Sonntagabend.

Am Dienstagabend bekam die AfD in Cottbus erst mal akustischen Gegenwind. Vertreter des Bündnisses "Cottbus nazifrei" und des "Cottbuser Aufbruchs", zusammen etwa halb so viele wie die AfD, trafen sich vor der Stadthalle, um gegen die rechtspopulistische Partei zu protestieren. Ein Teil der Demonstranten zog anschließend lautstark mit Trillerpfeifen zum Puschkinpark in Hörweite der AfD-Versammlung. Die Polizei hielt beide Gruppen auf sicherem Abstand.

Die Sprecherin des Cottbuser Aufbruchs, Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD), sagte, es sei unerträglich, dass Rechtspopulisten erneut in Cottbus ihr Gedankengut verbreiteten. "Aber wir haben den längeren Atem", so Münch.

Sie hielt Gauland vor, er solle sich schämen für seine kürzlich erhobene Forderung, wieder "stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen". Unter dem Motto: "Nix drin für Nazis und Rechtspopulisten" wurden die bekannten "Cottbus-Tüten" mit einem entsprechenden Aufdruck vor der Stadthalle verteilt.

Am Protest gegen die AfD-Veranstaltung beteiligte sich auch Superintendentin Ulrike Menzel. Die Vertreterin der evangelischen Kirche in der Region verwies auf den Zusammenhang zwischen AfD und der Golßener Bürgerinitiative "Zukunft Heimat", die seit Mai vierzehntägig vor der Cottbuser Oberkirche Kundgebungen gegen die Asylpolitik organisiert.

Dort würden menschenverachtende und fremdenfeindliche Reden gehalten, so die Theologin. Das sei die Aussaat einer "brutalen Gottlosigkeit". Hass fiele jedoch auf die zurück, die ihn säten, sagte Menzel.

Die enge Verbindung von "Zukunft Heimat" mit der AfD wurde auch am Dienstagabend deutlich. Vertreter des Anti-Flüchtlings-Vereins standen vor der Rednertribüne mit einem Banner in der ersten Reihe. Ein AfD-Vertreter bedankte sich öffentlich bei dem Verein für die Unterstützung. Bei den Cottbuser Demos von "Zukunft Heimat" traten regelmäßig AfD-Politiker als Redner auf.