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| 18:21 Uhr

Besuch in Berlin
Bundespräsident macht Cottbus Mut

Treffen mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (4.v.r.) im Schloss Bellevue: Ulrike Menzel (v.l.), Maik Bethke, Michael Wahlich, Sylvia Wähling, Martin Roeder, Lothar Judith, Holger Kelch sowie Jörg Steinbach, Gabi Grube und Knut Deutscher.
Treffen mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (4.v.r.) im Schloss Bellevue: Ulrike Menzel (v.l.), Maik Bethke, Michael Wahlich, Sylvia Wähling, Martin Roeder, Lothar Judith, Holger Kelch sowie Jörg Steinbach, Gabi Grube und Knut Deutscher. FOTO: Wolfgang Kumm / dpa
Cottbus/Berlin. Frank-Walter Steinmeier hat sich mit Vertretern aus Cottbus getroffen. Das Gespräch war konstruktiv. Trotzdem regt sich Kritik. Von Andrea Hilscher

Es war ein gutes Gespräch, da sind sich alle Teilnehmer einig: Auf Einladung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier waren zehn Vertreter aus Cottbus nach Berlin gereist, um über die Situation in Cottbus zu sprechen. „Wir konnten alles abladen, was uns derzeit bedrückt. Die Atmosphäre war konstruktiv und offen“, sagte Stadtsprecher Jan Gloßmann im Anschluss an das 90-minütige vertrauliche Gespräch. „Der Bundespräsident hat uns als Stadt ermutigt, die Probleme konkret anzugehen.“ Schulen, Kitas und Sozialarbeit zu stützen, sei der richtige Weg, um die Integration von Flüchtlingen zu fördern und langjährigen Cottbusern ihre Ängste zu nehmen.

BTU-Präsident Jörg Steinbach zeigte sich erstaunt, wie intensiv das Gespräch im Schloss Bellevue verlaufen sei. „Das war kein oberflächliches PR-Geplänkel. Der Bundespräsident war sehr gut informiert. Auch für uns Teilnehmer war es lehrreich. Wir konnten Impulse aufgreifen, wie wir mit der Situation weiter umgehen können.“ Frank-Walter Steinmeier teilte nach dem Treffen mit, dass es bei dem „ernsthaften Gespräch“ auch um Zukunftsfragen für die Entwicklung in Cottbus und der Region ging.

Wie aus Teilnehmerkreisen bekannt wurde, wurden auch Fragen des Strukturwandels thematisiert. Jörg Steinbach: „Die Region muss sehen, dass konkret gehandelt wird. Es kann nicht sein, dass wir über ein zweites Gleis von Cottbus nach Berlin erst 2030 reden. Das ist viel zu spät.“ Nicht verstummt ist die Kritik an der Auswahl der Gesprächsteilnehmer.

Ulrike Kremeier, Chefin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder): „Es waren in erster Linie Vertreter des sogenannten Establish­ments. Wichtig wäre es gewesen, auch Menschen zu hören, die real mit den Problemen in der Stadt zu kämpfen haben.“ Ein Spieler von Energie Cottbus, eine Wutbürgerin oder eine Asylbewerberin und ein Normalbürger von der Antihass-Fraktion hätten die Diskussion bereichert und auf diese Weise die symbolische Funktion des Termins besser erfüllt.

Derweil fordert Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) von der Bundesregierung mehr finanzielle Hilfe bei der Integration von Flüchtlingen. „Das ist die große Herausforderung, vor der wir jetzt stehen: den Menschen Deutsch beizubringen und ihnen die Chance zu geben, zu lernen und zu arbeiten, aber auch jene zurückzuschicken, die nicht bleiben dürfen“, sagte Woidke der „Super-Illu“.