| 19:12 Uhr

Bundespolizei rüstet auf

Guido Schneider, diensthabender Gruppenleiter der Spätschicht im Wachraum, genießt die Arbeit in den modernen Räumen der Bundespolizei.
Guido Schneider, diensthabender Gruppenleiter der Spätschicht im Wachraum, genießt die Arbeit in den modernen Räumen der Bundespolizei. FOTO: mih1
Cottbus. Polizei am Bahnhof? Jeder Pendler, Urlauber oder Sonntagseinkäufer hat sofort dieses eine Bild im Kopf: Uniformierte Beamte, fast immer zu zweit, gehen ruhig und scheinbar entspannt durch die Einkaufspassage oder über den Gleisbereich. Andrea Hilscher

Woher sie kommen und wohin genau sie gehen? Wo genau befindet sich überhaupt das Revier der Bundespolizei in Cottbus? Seit gestern lässt sich diese Frage etwas leichter beantworten: Die Beamten konnten nach jahrelangem Kampf und zähen Planungsphasen endlich neue, frisch sanierte Räume in den oberen Etagen des Hauptbahnhofes beziehen.

Ralph Krüger, Vizepräsident der Bundespolizeidirektion Berlin, war extra nach Cottbus gereist, um die Eröffnung der neuen Räumlichkeiten feierlich zu besiegeln.

"Früher hatte ich ständig mit Beschwerdeschreiben, Ortsbegehungen und unzufriedenen Mitarbeitern zu tun - die Zustände hier vor Ort waren belastend." Nach langer Planungsphase und einjähriger Bauzeit hat sich die Bundespolizei in Cottbus jetzt optimal aufgestellt - und setzt so auch ein Signal an die Stadt, das Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) erfreut annimmt. "Es ist gut, dass sie da sind. Es ist besser, dass sie bleiben."

Und bleiben wollen sie. Auf insgesamt jetzt 1068 Quadratmetern - 200 mehr als vor dem Umbau - können die Beamten rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche ihren Dienst tun: Anzeigen wegen Körperverletzungen aufnehmen, Diebstähle verfolgen, Fußballspiele absichern. Klingt nach viel Routine, doch Ralph Krüger sagt: "Die Bedeutung der Bundespolizei ist gewachsen, wir leben in unruhigen Zeiten." Terroristische Bedrohungen hat er im Sinn bei diesen Worten, doch an solche Gefahrenlagen mag in Cottbus niemand wirklich denken. Zurück also zum Alltäglichen: 1,1 Millionen Euro haben Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen gekostet, 415 davon trägt die Polizei, der Rest wurde von der Bahn finanziert. Ein Geschäft, von dem beide Seiten profitieren. Ralph Krüger: "Schon allein der neue transparente und bürgerfreundliche Empfangsbereich ist ein großer Gewinn für alle Menschen, die von uns Unterstützung brauchen."

Vor dem Umbau mussten die Wachhabenden Hilfesuchenden durch eine kleine Luke hindurch begrüßen und abfertigen, ihre Arbeitsplätze glichen eher einer Besenkammer als einem ordentlichen Büro. Für komplizierte Einsätze gibt es erstmals einen großen Raum für die Lageführung, auch der Erkennungsdienst kann sich optimal entfalten. "Früher mussten wir immer erst umräumen, bevor wir ein vorschriftsmäßiges Foto eines Delinquenten anfertigen konnten, jetzt ist alles vorgabengetreu installiert", so eine Mitarbeiterin. Wer erkennungsdienstlich behandelt wurde, landet - wenn er Pech hat - in einem der beiden neuen Gewahrsamsräume. Weiß gekachelte Wände, eine schwarze Liege, eine Gegensprechanlage. Zweckmäßig und für die Polizisten ein Zugewinn an Sicherheit. Auch die Sanitäranlagen wurden so aufgerüstet, dass ein heimliches Entsorgen von Waffen oder Drogen über die Toiletten unmöglich geworden ist.

Auch Kriminaltechniker Robert Gebauer kann inzwischen auf modernste Technik zurückgreifen. Fingerabdrücke nehmen, DNA-Spuren sammeln, Videos auswerten - Basisarbeiten, die von Landes- und Bundeskriminalamt ergänzt werden können. OB Holger Kelch: "Der Bahnhof ist die erste Visitenkarte der Stadt. Das neue Revier ist ein wichtiger Baustein."