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| 16:54 Uhr

Abgelehnt
Bundesamt hält Sorbisch an der Autobahn für gefährlich

 Die Verkehrszeichen an Autobahnen in der Lausitz sollten nach und nach durch zweisprachige Schilder ersetzt werden. Doch dazu kommt es nicht.
Die Verkehrszeichen an Autobahnen in der Lausitz sollten nach und nach durch zweisprachige Schilder ersetzt werden. Doch dazu kommt es nicht. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Hinweisschilder bleiben bis auf Ausnahmen einsprachig. Das Bundesamt für Straßenwesen hält sorbische Ortsbezeichnungen an Autobahnen für gefährlich. Damit ist eine Initiative aus der Lausitz an den Schnelltrassen erst einmal abgelehnt. Von Rene Wappler

Mehr als die Hälfte der Straßenschilder in Cottbus ist inzwischen sowohl auf Deutsch und auf Sorbisch beschriftet. Auch im Spree-Neiße-Kreis nimmt das Projekt der zweisprachigen Hinweise Gestalt an. Anders sieht es hingegen an den Autobahnen in der Lausitz aus. Dort sind solche Schilder in deutscher und sorbischer Sprache „nicht regelkonform“. Darauf weist die Pressestelle des Bundesamtes für Straßenwesen hin.

Auf einen Erlass des brandenburgischen Infrastrukturministeriums bezog sich die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, als sie im Januar eine Anfrage stellte. Dieser Erlass aus dem Jahr 2014 sah nicht nur zweisprachige Verkehrszeichen vor, sondern auch Hinweisschilder auf Deutsch und Sorbisch an den Autobahnen in der Lausitz. Die bündnisgrünen Abgeordneten wollten erfahren, was gegen den Plan für die Autobahnen spricht. Denn er traf bei der Bundesregierung schon damals auf Skepsis.

Detailliert erläutern die Fachleute von der Bundesanstalt für Straßenwesen, warum sie generelle zweisprachige Hinweisschilder an den Autobahnen ablehnen. Wie die Bundesregierung beziehen sie sich auf die Richtlinien, die dazu klare Aussagen enthalten. Iris Schneidermann von der Pressestelle der Bundesanstalt erläutert, es gebe „klare Vorgaben für eine einheitliche, erkennbare und begreifbare wegweisende Beschilderung“. Jede unnötige Ablenkung der Autofahrer sei zu vermeiden. Deshalb gelte es auch, „die dargebotenen Informationen auf das erforderliche Maß zu reduzieren“.

Ausnahme nur selten zugelassen

Das bedeutet: Zweisprachige Zielangaben sind nur beim grenzüberschreitenden Verkehr zulässig. Doch auch dort lässt das Regelwerk diese Ausnahme lediglich zu, wenn die ausländische Bezeichnung sprachlich stark von der deutschen Schreibweise abweicht. Im deutsch-polnischen Grenzverkehr trifft das auf Wroclaw zu, das auch als Breslau bekannt ist.

Wie Iris Schneidermann von der Bundesanstalt für Straßenwesen erläutert, würde eine generelle zweisprachige Ausstattung mit Schildern in deutscher und sorbischer Sprache also nicht dem Regelwerk entsprechen. Gerade bei schnellem Tempo könnten Autofahrer nur eine „sehr begrenzte Zahl von Informationen“ aufnehmen, teilt sie mit. Jede zusätzliche Information würde sie demnach ablenken. Das verringere die Sicherheit im Verkehr.

Auch der Pressesprecher des brandenburgischen Infrastrukturministeriums weist darauf hin, dass die Bundesregierung die generellen zweisprachigen Hinweisschilder an Autobahnen abgelehnt hat. „Wir als Landesministerium haben da keine Entscheidungshoheit“, erläutert Steffen Streu. „Denn die Beschilderung an Autobahnen soll bundesweit einheitlich sein.“

Austausch bei Neubau geplant

Davon unberührt bleibt der Plan, die Straßenschilder in Cottbus und weiteren Orten der Lausitz nach und nach mit Schrift in deutscher und sorbischer Sprache auszustatten. Madeleine Henning-Waniek von der Pressestelle des Cottbuser Rathauses berichtet: „Derzeit sind circa 55 Prozent aller Straßennamen in der Stadt Cottbus/Chóśebuz zweisprachig.“ Die Straßennamen werden nach ihren Worten um die sorbische Bezeichnung ergänzt, wenn eine Straße neu gebaut oder neu gewidmet wird oder aus sonstigen Gründen ein Ersatz oder eine Erneuerung des Schildes nötig ist. Die überarbeitete Satzung der Stadt für das Reinigen der Straßen enthält ebenfalls erstmals ein Verzeichnis auf Deutsch und Sorbisch, wie Madeleine Henning-Waniek mitteilt.

In 47 Ortschaften des Landes Brandenburg werden die Verkehrszeichen nach und nach ersetzt. Zu ihnen zählen auch die Gemeinden des Spree-Neiße-Kreises. Pressesprecherin Silvia Friese sagt: „Wo alte Schilder ersetzt werden müssen, stellen die Fachleute neue Zeichen auf, die Deutsch und Sorbisch enthalten.“

Nicht nur in der Lausitz existieren so zwei Sprachen gleichberechtigt nebeneinander. In der Gemeinde Saterland in Niedersachsen können die Einwohner bestimmte Amtshandlungen in friesischer Sprache vornehmen. Dazu berichten die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages: „So ist beispielsweise die Vorlage in Saterfriesisch verfasster Urkunden möglich.“ In der Gemeinde arbeiten demnach Bedienstete, die diese Dokumente prüfen können. „In Saterfriesisch eingereichte Anträge oder sonstige Anliegen werden auch in dieser Sprache beantwortet“, teilen die Wissenschaftlichen Dienste mit.