Direkt in die Stadtpolitik eingemischt haben sich die Cottbuser das letzte Mal bei der Abwahl von Oberbürgermeisterin Karin Rätzel (parteilos) im Jahr 2006. Nun will die Linke die Bürgerschaft erneut mitreden lassen. Zumindest ist das der Vorschlag von Fraktionschef André Kaun. Die Gestaltung der Stadtpromenade sei wichtig genug. "Ich finde, es sollte einen Bürgerentscheid geben", erklärt er. Die Cottbuser würden dann mit Ja oder Nein über den Bau eines Einkaufszentrums abstimmen. Der Grund für dieses Instrument ist ein Dilemma. "Die Linke hat sich in ihrem Programm gegen eine Erweiterung des Blechen-Carrés ausgesprochen", sagt Kaun. "Jetzt gibt es neue Pläne. Wir würden uns dem Bürgerentscheid beugen und der Investor hätte Rechtssicherheit." Der neue Entwurf sei rein optisch ein Quantensprung gegenüber dem ursprünglichen Modell. "Wenn es denn wirklich so kommt", schiebt der Fraktionschef hinterher. Die Linke sei weiterhin der Ansicht, dass Cottbus keine weiteren Einzelhandelsflächen benötigt, da es bereits heute viel zu viel Leerstand gibt.

Skepsis schwingt auch bei der SPD mit. Fraktionschef Werner Schaaf erklärt: "Wir müssen uns erst noch mit dem Thema eingehend befassen. Das Gebäude sieht zwar gut aus, aber es gibt noch zu viele offene Fragen." Inhaltlich läge den Abgeordneten noch nicht ausreichend Material vor, viele Details seien ungeklärt. Zumindest aber sei die Bauhülle in dem neuen Entwurf derartig verändert, dass alte Forderungen nun Beachtung finden - wie etwa die beiden Eingänge oder die Glasfassade.

Hans-Joachim Weißflog von den Grünen zeigt sich entschiedener. "So wie es sich jetzt entwickelt, können wir das Projekt unterstützen", sagt er. Überzeugt hat den Fraktionschef demnach, dass durch Bürgerdialog und das Verfahren die städtebaulichen Aspekte in dem neuen Entwurf eine wesentliche Rolle spielen. "Wir erhoffen uns, dass das Areal endlich eine positive Entwicklung nimmt."

Auch die AUB/SUB-Fraktion ist positiv eingestellt. "Das ist ein gelungener Entwurf", urteilt Fraktionschef Torsten Kaps. Schwierig bleibe jedoch weiterhin ein Fakt, auf den die Stadt keinen Einfluss hat. "Das Gebäude kann noch so toll sein, wenn die Qualität des Angebots nicht stimmt. Wir wollen verhindern, dass Leute aus der Region zum Einkaufen nach Berlin oder Dresden fahren. Dann brauchen wir aber starke Ankermieter in dem Einkaufszentrum." In Erinnerung an das alte Projekt betont Kaps: "Hinzu kommt noch, dass die Finanzierung nicht wieder aus leeren Versprechungen bestehen darf."

Fünf Jahre lang hatte sich das erste Projekt hingezogen, bis das Stadtparlament die Notbremse zog und der Erweiterung des Blechen-Carrés die Baugenehmigung entzog. Hauptgrund für die Verzögerung war die fehlende Finanzierung. Investor René Becker versichert heute, dass er der Stadt für das neue Projekt einen lückenlosen Finanzierungsnachweis vorlegen konnte.

Hagen Strese von der CDU betont zunächst erst einmal das Positive. "Der neue Entwurf ist zumindest besser als der alte Schuhkarton, was das alte Projekt war." Der Fraktionschef schiebt mit Vorbehalt nach: "Wenn es wirklich so kommt. Skepsis ist begründet, denn wir haben schon einmal viel erzählt bekommen." Nur sei gewiss: "Der Schandfleck muss weg."

Die AfD war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

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In Kommunen dürfen Bürgerentscheide abgehalten werden. Sie können entweder von den Bürgern per Bürgerbegehren - also durch Sammlung einer bestimmten Anzahl von Unterschriften - herbeigeführt werden, oder von den gewählten kommunalen Vertretern per Mehrheitsbeschluss. Voraussetzung ist, dass die zur Abstimmung gestellte Frage mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden kann und in der Zuständigkeit der Kommune liegt.