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Trotz gesunkener Kriminalitätsrate
Bürgerdialog zeigt: Cottbuser fühlen sich in ihrer Stadt unsicher

 Seit dem vergangenen Jahr gehen Polizei und Ordnungsamt in Cottbuser gemeinsam auf Streife.
Seit dem vergangenen Jahr gehen Polizei und Ordnungsamt in Cottbuser gemeinsam auf Streife. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Cottbus. Die Polizei Cottbus und die Stadtverwaltung haben am Mittwochabend zu einem Bürgerdialog zu den Themen Ordnung und Sicherheit ins Stadthaus Cottbus eingeladen. Die Bürger hatten Von Peggy Kompalla

Die Cottbuser Polizeichefin Bettina Groß hat zum Bürgerdialog zu Ordnung und Sicherheit am Dienstagabend gute Nachrichten mitgebracht. Laut den aktuellen Zahlen ist die Kriminalitätsrate auch in Cottbus weiter gesunken. Doch bei der Veranstaltung im Stadthaus offenbart sich bei den weit mehr als hundert Besuchern schnell eine tiefsitzende Skepsis gegenüber der Polizeistatistik. Ihr Gefühl sagt etwas ganz anderes. Das lassen die Cottbuser das Podium spüren und hinterfragen immer wieder die Aussagen der Polizeichefin. Aber auch die Stadtverwaltung bekommt ihren Frust ab. Spannend wird es, wenn die Menschen auf Fehler im System hinweisen. Es ist Pfeffer in der Debatte, die dank der beiden Moderatoren trotz mancher lauter Worte nie abgleitet.

Kritik an Cottbuser Sicherheitszentrum

Ein aktueller Fall, von dem auch die RUNDSCHAU berichtet hat, wird gleich zu Beginn thematisiert. Daniel Münschke berichtet, wie er nach eigenen Worten miterleben musste, wie bei einer Ü-30-Party in der Stadthalle mehrere Frauen von einem Pakistaner massiv sexuell belästigt wurden. Er fragt, warum von seinem Anruf fast eine halbe Stunde vergehen musste bis die Streife einschritt. Aus seiner Sicht dauerte das viel zu lang. Bürgerservicechef Carsten Konzack nutzt die Gelegenheit, um zu betonen: „Wir können keine Straftaten verhindern – egal ob von Ausländern oder Deutschen.“ Doch ausgerechnet dieses Beispiel ist aus seiner Sicht positiv zu bewerten.

Der Vorfall ereignete sich demnach im September 2018. Bereits in der vergangenen Woche wurde der Pakistaner vom Cottbuser Amtsgericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt. Konzack ergänzt: „Wir haben als Stadt gleichzeitig Abschiebehaft beantragt und auch bestätigt bekommen. Wir tun alles dafür, dass der Mann abgeschoben wird.“ Dafür gibt es spontan Applaus.

Kritik hagelt es dagegen für das Sicherheitszentrum, dass die Stadt im Laufe des Jahres eröffnen will. Die Cottbuser halten es nur für ein zusätzliches Büro ohne großen Nutzen. Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU) appelliert ans Publikum: „Sehen Sie es doch bitte positiv. Das ist ein zusätzliches Angebot.“ Es werde aber eben keine City-Wache sein. „Die Polizisten gehören auf die Straße und nicht ins Büro“, betont er. Die Verwaltung habe nach der Kritik die Öffnungszeiten bereits angepasst. Das Sicherheitszentrum wird demnach wochentags von zwölf bis 20 Uhr geöffnet sein. Der Dezernent verspricht: „Vor dem Stadtfest wird es in Betrieb gehen.“

Ärger um Behindertenparkplätze und Saufgelage

Ein persönliches Problem bringt Walter Krause an, das einen Fehler im System offenbart. Dafür erhält er halbgare Ratschläge, die den Besuchern bitter aufstoßen und damit die Kluft zwischen Behörden und Bevölkerung verdeutlicht. Krause sitzt im Rollstuhl und fragt: „Was mache ich, wenn mein Behindertenparkplatz außerhalb der Geschäftszeiten des Ordnungsamtes zugeparkt ist? Die Polizei fühlt sich für den ruhenden Verkehr nicht verantwortlich.“ Polizeichefin Groß bestätigt, dass die Polizei nur bei Gefahr in Verzug eingreife und schlägt vor, dass Walter Krause das Auto abschleppen lassen und die Kosten beim Fahrzeughalter selbst eintreiben solle. Auf ein solches Prozedere wird sich wohl kaum jemand freiwillig einlassen. Die Antwort offenbart auch eine Hilflosigkeit.

Die ist am Dienstagabend mehrfach zu spüren. Etwa bei der nächtlichen Lärm durch Lieferfahrzeuge und Imbissbesucher in der Burgstraße oder nächtliche Saufgelage an einem Sandower Supermarkt, die den Cottbusern den Schlaf und die Nerven rauben. Es wird über getunte und laut knatternde Motorräder geklagt, die ihre Runden durch die Innenstadt ziehen und Böller, die immer wieder gezündet würden.