Von Andrea Hilscher

Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen nutzt die AfD Cottbus als Kulisse für ihren Wahlkampf: Die Jugendorganisation der Partei, die Junge Alternative, will am 4. August ihren  eigenen Wahlkampfauftakt begehen. Eingeladen ist auch Björn Höcke (AfD Thüringen), dem einige hundert Cottbuser bereits bei seinem ersten Auftritt im Juli symbolisch einen Platzverweis erteilt hatten. „Genau das wollen wir auch bei diesem Auftritt Höckes wiederholen“, sagt Barbara Domke, die mit ihren Mitstreitern ein großes Bürgerfest für den 4. August plant.

Solidarisches Familenfest am 4. August

Wie schon beim ersten Mal soll es ein „buntes solidarisches Familienfest“ im Puschkinpark geben – „nur eben eine Nummer größer“, sagt Domke. Den ersten „Platzverweis“ haben die Akteure innerhalb von vier Tagen aus dem Boden gestampft, alles ehrenamtlich und privat finanziert. Das Prinzip für das zweite große Bürgerfest bleibt gleich: Nichts wird verkauft, Speisen und Getränke für ein großes Picknick kann jeder selbst mitbringen.

Buntes Programm

„Außerdem gibt es wieder internationale Spezialitäten“, erzählt Domke. Ein Taxifahrer hat von seinem Chef 300 Grillwürste organisiert, eine Rentnerin backt Kuchen, ein Senior wirft seine Button-Maschine an. Auf der Bühne gibt es ein opulentes Programm. Kinderchöre, Samba- und Flamencogruppen, Lesungen und ein Auftritt der inzwischen zehnköpfigen „Platzverweis“-Band sind geplant. Kinderschminken und Spielangebote runden das Programm ab.

„Wir wollen, dass der Puschkinpark endlich wieder für etwas Schönes steht, für Gemeinschaft und ein positives Lebensgefühl“, sagt Barbara Domke. Auf Parteienwerbung und politische Reden werde dabei bewusst verzichtet. „Nur  Höcke zeigen wir wieder die rote Karte.“

Die Initiatoren der Aktion hoffen auf einige Hundert Besucher, allerdings gibt es bereits am 3. August eine ähnliche Veranstaltung auf dem Erich Kästner Platz. Dort legt die  „WannWennNichtJetzt“­Tour einen Stopp ein. Die Initiative, die sich nach dem Chemnitzer Anti-Rechts-Konzert gegründet hatte, konnte über das Internet 60 000 Euro an Spenden einwerben.

Mit dem Geld werden Aktionen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen finanziert. „Wir wollen auf den Marktplätzen kleinerer Städte zeigen, welche Gruppen und Initiativen vor Ort emanzipatorische Arbeit leisten“, erklärt Sarah Fartuun Heinze, die 2017 aus Schwaben in die Lausitz gezogen ist. Sie betreut die Tourstopps in Brandenburg, unter anderem am 17. August in Forst. Für Ende August ist dann eine Großkundgebung in Dresden geplant, zu der 10 000 Menschen erwartet werden.

Konzerte und Diskussionen in Cottbus und Forst

Auf dem Cottbuser Erich Kästner Platz soll am 3. August eine große Bühne aufgebaut werden, die neben spontanen Konzerten und Auftritten von Künstlern wie Gregor Wieland oder Matthias Kiesling auch Raum für eine Podiumsdiskussion bietet. Thema wird der Wendeherbst 1989. „Wir freuen uns, das Cottbuser Akteure der damaligen Zeit über ihre Erfahrungen sprechen“, sagt Sarah Fartuun Heinze. Workshops zu verschiedenen Themen sind ebenso geplant wie ein „melancholischer Stadtrundgang“ der Initiative Stadtpromenade für Alle. Abend spielen Bands wie „Unbekannt verzogen“ oder das Berlin Boom Orkestra.

Eigentlich, so sagen die Organisatorinnen, hätten beide Feste gleichzeitig stattfinden können, an einem gemeinsamen Ort. „Aber die WannWennNichtJetzt-Tour hat so langen Vorlauf, da konnten wir nicht umplanen“, sagt Sarah Fartuun Heinze. Auf den kurzfristig anberaumten Wahlkampfauftakt der Jungen Alternativen habe man nicht mehr reagieren können.

Kooperation und Vernetzung

„Aber beide Veranstaltungen kooperieren und unterstützen sich gegenseitig“, sagen die Frauen. Ihnen sei es wichtig, nach innen und nach außen zu zeigen: „Wir sind vielleicht nicht mehr, aber wir sind viele“, so Barbara Domke. „Viele Menschen, die ein demokratisches Bild von Cottbus zeichnen wollen.“

Außerdem, ergänzt Sarah Fartuun Heinze: „Wir wollen auch nach den Landtagswahlen handlungsfähig sein und zeigen, wie vielfältig und bunt die Region ist.“ Wie wichtig eine gute Vernetzung sei, könne man beispielhaft bei den rechten Organisationen sehen. „Die beziehen viel Stärke aus ihren gegenseitigen Kooperationen.“

Genaue Infos zum Programmablauf gibt es auf Facebook unter „WannWennNichtJetzt Tourstopp Cottbus“ und „AppellvonCottbus“