| 19:45 Uhr

Praxisaufgabe für BTU-Studenten
Frische Ideen für Dissens Zukunft

Bürgermeister Fred Kaiser im Gespräch mit den Studenten Aline Schöne, Franziska Tiedke und Lorenz Mollweide (v.l.).
Bürgermeister Fred Kaiser im Gespräch mit den Studenten Aline Schöne, Franziska Tiedke und Lorenz Mollweide (v.l.). FOTO: Elsner
Cottbus. BTU-Masterstudenten diskutieren ihre Vorschläge für die Ortsgestaltung mit den Bürgern. Von Ulrike Elsner

Das Dorf Dissen hat jede Menge Potenzial. Das betrifft die Anlage des Ortes ebenso wie die Qualität der Gebäude. Doch es gibt noch Luft nach oben. Kleine Veränderungen an Grünanlagen oder die Sanierung weiterer baugeschichtlich wertvoller Häuser könnten das Ortsbild weiter verschönern. Vor diesem Hintergrund sind Masterstudenten des Studiengangs Stadt- und Regionalplanung aus Cottbus am Montagabend im Sportlerheim Dissen mit Einwohnern ins Gespräch gekommen.  Zuvor hatte Prof. Heinz Nagler, Inhaber des BTU-Lehrstuhls für Städtebau und Entwerfen, studentische Entwürfe für Dissens Zukunft vorgestellt. Zu Detailfragen konnten die Studierenden von den Bürgern direkt befragt werden.

Für die Gemeinde kommt dieser Beitrag genau zur richtigen Zeit. Denn die Arbeitsgruppe Leitbild beschäftigt sich derzeit mit der Frage: Wie könnte und soll sich Dissen in den kommenden Jahren entwickeln? Genau vor dieser Frage standen auch die Studenten beim Einstieg in ihre Projektarbeit. Ausgestattet mit Fachwissen und dem neutralen Blick von jungen Ortsfremden haben sie frische und überzeugende Ideen für die künftige Ortsgestaltung entwickelt, die die Stärken betonen, Schwächen beheben und den Ort schöner machen können.

So könnte das neue Feuerwehrgebäude aussehen. Der unteren Variante geben sowohl die Studenten als auch die Dissener Einwohner den Vorzug.
So könnte das neue Feuerwehrgebäude aussehen. Der unteren Variante geben sowohl die Studenten als auch die Dissener Einwohner den Vorzug. FOTO: Elsner

Manche architektonische Schönheit, an der eine oder andere bisher vielleicht achtlos vorbeigegangen ist, ist dabei in den Fokus geraten.  Die Studenten Tobias Sommer und Justus Gärtner haben fünf Gebäudetypen im Dorf ausgemacht: das Torhaus, das sich durch eine geschlossene Bauweise auszeichnet, das brandenburgische Giebelhaus mit symmetrischem Giebelaufbau, das sich in Hofstrukturen integriert, frei­stehende Sondergebäude wie Kirche und Schule, die sich durch rote Backsteinfassaden abheben, brandenburgische Bauernhäuser mit mittigem Giebel sowie frei­stehende Einfamilienhäuser. Bei  der Vorstellung eines besonders schönen Giebelhauses „mit klassizistischer Anmutung“ gerät Heinz Nagler geradezu ins Schwärmen und verspricht Unterstützung bei der Sanierung.

Dieser Schnabel im Wegpflaster weist in Richtung Storchenhorst.
Dieser Schnabel im Wegpflaster weist in Richtung Storchenhorst. FOTO: Lorenz Mollweide, Aline Schöne, / BTU

Ein weiterer Vorschlag könnte schon bald Eingang in ein konkretes Bauvorhaben finden. Das künftige Feuerwehrgebäude, dem  Olek­sandr Honcharenko und Liudmila Ivannikova ein Gesicht gegeben haben, soll sich ebenfalls mit einer Klinkerfassade von der Wohnbebauung abheben. Ein neues kommunales Investitionsprogramm des Landes Brandenburg rückt das Vorhaben jetzt in greifbare Nähe. „Am Freitag wollen wir den Förderantrag stellen“, berichtet  Bürgermeister Fred Kaiser.

„Viele Vorschläge haben genau das getroffen, worüber wir gerade nachdenken“, sagt Gemeindevertreter Holger Quos. Vor allem die Ideen für die Neugestaltung des Angers von Lorenz Mollweide, Aline Schöne, Franziska Tiedke und Muzia Adha finden viel Beifall.  Der wilde Parkplatz an der Hauptstraße könnte zu einer Grünfläche aufgewertet werden, während zusätzliche Parkplätze vor der Feuerwehr angeordnet werden. Auch ein Storchenleitsystem mit Hinweissteinen vor den Nestern der Großvögel kommt im Storchendorf gut an.

Am Ende profitieren aber beide Seiten von der Kooperation. „Die Stadt macht alles dichter, aber hier gibt es viel Freiraum“, sagt die künftige Stadtplanerin Aline Schöne über die ganz neue Erfahrung. Und Fred Kaiser fühlt sich in einer weiteren Frage durch den BTU-Lehrstuhl von Heinz Nagler bestätigt: Wenn das Grünland links der Straße aus Richtung Sielow bebaut wäre, bekäme der Ortseingang ein viel markanteres Gesicht.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE