Eilmeldung

Radsport : Worrack rast erneut zum WM-Titel

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:25 Uhr

Neuheit
Schneller, leichter, sicherer

Das neu entwickelte modulare Bahnrrad-Cockpit kann individuell auf die Radsportler eingestellt werden.
Das neu entwickelte modulare Bahnrrad-Cockpit kann individuell auf die Radsportler eingestellt werden. FOTO: BTU
Cottbus. BTU-Wissenschaftler haben mit den Radsportlern vom LKT-Team ein neues Bahnrrad-Cockpit entwickelt. Von Stephan Meyer

Höchstleistungen alleine reichen in vielen Sportdisziplinen heutzutage nicht mehr aus, um Wettkämpfe zu gewinnen – so auch im Bahnradsport. Die technische Ausstattung entscheidet mit über Sieg oder Niederlage. Wissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) des Fachgebiets Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen (LsW) haben sich nun mit den Radsportlern vom LKT-Team zusammengetan, um mit ihnen ein maßgeschneidertes Bahnrad-Cockpit zu entwickeln.

„Wir wollten bis ans Limit gehen und alles ausreizen, was das Reglement zulässt“, sagt Jonas Krenz über die Konstruktion, die er mit seinem Kollegen Niklas Vogt unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Holger Seidlitz kreiert hat. Mit einem Hochleistungsradsportzentrum vor der Haustür waren die Voraussetzungen dazu ideal. Krenz kam während der Präsentation des neuen LKT-Radsportteams mit Salzwedel ins Gespräch. Der Trainer war nach seiner Entlassung beim britischen Radrennteam gerade erst wieder nach Cottbus zurückgekehrt. Beim Fachsimpeln über die Räder zeigte er sich enttäuscht, was bisher verwendet wurde. Das Cockpit setzt sich Lenker, Vorbau, Armschalen, so genannten Extensions und Verbindungskomponenten zusammen. Die Maße, die die Fahrer benötigen, um eine optimale Position auf dem Rad einnehmen zu können, waren jedoch nicht verfügbar.

„Wir haben da erhebliches Potenzial entdeckt“, erklärt Jungwissenschaftler Krenz. Das gesamte Cockpit wurde modular und anpassungsfähig konstruiert, so dass jeder Sportler es individuell einstellen kann. Zwar ist laut Union Cycliste Internationale (UCI) ein individuell auf einen Fahrer zugeschnittenes Rad bei Wettkämpfen verboten. Erlaubt hingegen sind Fahrräder, deren Komponenten einstellbar sind.

Ein weiterer Vorteil des neuen Cockpits, es hält die immensen Kräfte aus, die beim Anfahren einwirken, ohne Relativbewegungen der Komponenten zuzulassen. Als Material diente Carbon. Die einzelnen Carbon-Lagen wurden in einem speziellen Formwerkzeug verdichtet. „Die Kunst ist es, dabei die Fasern entlang der auftretenden Kräfte optimal auszurichten“, so Krenz. „Am längsten haben wir am Lenker getüftelt“, gibt er zu.

Die Konstruktion weist nun eine verbesserte Aerodynamik, ergonomische Griffe, besseren Halt in den Armschalen und erhöhte Steifigkeit auf. Das mache die Athleten nicht nur schneller, sondern das Fahrrad auch sicherer. Die erforderliche Leistung, um den Lenker durch die Luft zu schieben, konnte zum ursprünglich verwendeten Modell ebenso reduziert werden, wie das Gewicht.

„Das war kein trial and error. Allem lagen Berechnungen zugrunde.“ Dass ihre Berechnungen korrekt waren, hat unlängst ein externes Prüfinstitut bewiesen. Das Cockpit der Wissenschaftler hat den „Top Performance“-Belastungstest bestanden. Auch die Kritik von Radsportlern des LKT-Teams fiel positiv aus. Im August haben Richard Banusch und Philip Weber die Neuentwicklungen testen dürfen. Bei der Montage achteten die Wissenschaftler penibel darauf, dass jeder einzelne Lenker genau nach den Maßen und Vorgaben der Fahrer angebracht wurde. „Die Kraftübertragung ist super“, so das Fazit von Richard Banusch. Philip Weber hatte ebenfalls nur lobende Worte für das Cockpit übrig. Dadurch, dass der Lenker individuell auf ihn eingestellt war, habe sich seine Position auf dem Rad verbessert.

Damit die Neuentwicklung für den Radsport zugelassen werden kann, muss sie frei käuflich sein. Das schreibt die UCI vor. Kommerziell vermarktet wird das Cockpit noch nicht. Nach wie vor stehen Tests an. Dafür gibt es vom UCI eine Karenzzeit. Vorerst profitieren also nur die Sportler des LKT-Teams von der Erfindung der Wissenschaftler. Als nächstes soll das Cockpit beim Weltcup-Rennen in Berlin Ende November zum Einsatz kommen.

Jungwissenschaftler Niklas Vogt und Jonas Krenz bei der Fertigung eines Anfahrlenkers.
Jungwissenschaftler Niklas Vogt und Jonas Krenz bei der Fertigung eines Anfahrlenkers. FOTO: BTU