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| 19:15 Uhr

Deutschlandweit einmalig
BTU Cottbus und TU Berlin bieten gemeinsam Orientierungsstudium an

Matthias Koziol (vorne) und Christian Schröder (2. von vorne) bei der Vertragsunterzeichnung zur Partnerschaft der TU Berlin und der BTU Cottbus-Senftenberg.
Matthias Koziol (vorne) und Christian Schröder (2. von vorne) bei der Vertragsunterzeichnung zur Partnerschaft der TU Berlin und der BTU Cottbus-Senftenberg. FOTO: Daniel Schauff
Cottbus/Berlin. Erstmals in Deutschland vereinbaren zwei Hochschulen einen Austausch im Orientierungsstudium. Von Daniel Schauff

Mit 17 an die Uni – was früher den Hochtalentierten vorbehalten war, ist heute kaum noch eine Seltenheit. Zwölf Jahre Schule, kein Zivildienst, keine Bundeswehr, stattdessen ab an die Hochschule. Matthias Koziol, Vizepräsident für Lehre und Studium an der BTU Cottbus-Senftenberg, weiß um die Probleme, die sich durch einen solch frühen Start an der Uni ergeben können: fehlende Orientierung. Die Folgen: Studiengangwechel, Studienabbruch ... An der BTU gibt es ein Mittel dagegen – ein einjähriges Orientierungsstudium namens „College+“.

Aus den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Physik und Informationstechniken, Umwelt- und Naturwissenschaften, Maschinenbau, Elektro- und Energiesysteme, Soziale Arbeit, Gesundheit und Musik, Wirtschaft, Recht und Gesellschaft, Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung können Studieninteressierte Module wählen und insgesamt zwei Semester lang ausprobieren, wohin sie ihre Interessen leiten. Ein beispielhaftes Angebot, befand im Juni der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und verlieh der BTU für ihr College+ die Hochschulperle.

Ein ähnliches Angebot gibt es auch an der Technischen Universität in Berlin. MINTgrün heißt es dort und hat ausreichend Parallelen zu College+ in Cottbus und Senftenberg, um als Partnerprogramm infrage zu kommen. Die Überlegungen, Studieninteressierten Orientierungsmöglichkeiten in gleich drei Städten zu geben, sind schon vor längerer Zeit gestartet, sagt Koziol. Jetzt habe man einen Weg gefunden, tatsächlich einen Austausch zwischen beiden Unis anbieten zu können.

Fürs einjährige Orientierungsstudium immatrikulieren sich die Studienanfänger an einer der beiden Hochschulen im Wintersemester 2018/19, zum Sommersemester 2019 gibt es dann für bis zu zehn Teilnehmer die Möglichkeit, an die jeweilige Partnerschule zu wechseln und deren Programm zu besuchen. Daneben ist es auch möglich, an der Partner-Uni einzelne Module und Lehrveranstaltungen zu besuchen. Eingeschrieben bleiben die Studierenden an der Hochschule, an der sie sich immatrikuliert haben.

Nach dem Orientierungsjahr kennen sie allerdings die Angebote beider Unis und können sich für die passendere entscheiden. In Berlin, sagt Christian Schröder, Leiter des MINTgrün-Programms an der TU Berlin, gibt es zum Beispiel keinen Studiengang Soziale Arbeit, an der BTU wiederum kein mit Berlin vergleichbares geisteswissenschaftliches Angebot. Fest steht gleichzeitig: Beide Unis haben Interesse an Studierenden aus dem technischen Bereich, einem Bereich der angesichts der guten Berufsperspektiven viel nachgefragter sein müsste, so Koziol. Mit den Austauschprogramm wollen die beiden Unis den Studierenden anbieten, „noch breiter in die fachliche Vielfalt zu gehen“, so Schröder.

Studierende profitieren in Berlin unter anderem von der intensiven Projektarbeit in den Laboren der Technischen Uni, in Cottbus auch von der umfangreichen Berufsorientierung mit dem so genannten „Job Shadowing“, bei dem die Studierenden Absolventen an deren Arbeitsplatz begleiten.

Koziol und Schröder haben am Montagvormittag die Vereinbarung zwischen der Technischen Universität in Berlin und der BTU Cottbus-Senftenberg besiegelt. Zum Termin hatte die BTU auch Julia Warsönke und Anna Zarachias eingeladen. Beide konnten von den Vorzügen des College+-Angebots der BTU berichten. Julia Warsönke aus Finsterwalde etwa hatte in Halle begonnen zu studieren, merkte aber im Laufe ihres Bachelor-Studiums, dass sie bei der Fachwahl nicht den richtigen Riecher gehabt hatte. Sie entschied sich für die Teilnahme am College+-Programm, studiert nun Soziale Arbeit an der BTU.

Anna Zacharias nimmt derzeit am Orientierungsstudium teil. Die Cottbuserin wollte eigentlich zum Theater, hat sich aber während der Mitarbeit dort gegen ein Leben auf der Bühne entschieden. Zum kommenden Wintersemester wird sie ebenfalls an der BTU einen regulären Studiengang starten, sagt sie. Für beide sei das einjährige Orientierungsstudium eine große Hilfe gewesen. Seit 2016/17 gibt es das Angebot an der BTU, das sowohl Bafög-fähig ist als auch nicht dringend zu einer einjährigen Verlängerung der Gesamtstudienzeit führen muss. So genannte Credit Points, also Leistungsnachweise, die im Orientierungsstudium erworben wurden, können im späteren Studium angerechnet werden, erklärt Koziol.

MINTgrün ist bereits ein wenig älter, wurde 2012 eingeführt. Konzipiert war das Programm zu Beginn für 100 Studierende, mittlerweile nehmen knapp 600 Studierende am Orientierungsstudium der TU Berlin teil. Rund 35 Prozent der Studierenden in den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sind Frauen. Damit liegt der Anteil weiblicher Studierender in diesem Fachbereich an der Technischen Hochschule in Berlin deutlich über dem deutschlandweiten Schnitt. Auch das sei teilweise mit dem MINTgrün-Programm erklärbar, sagt Christian Schröder.