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Brücken zwischen Historie und Zukunft

Eine Schule feiert Geburtstag: Die Schüler der 2a und ihre Klassenlehrerin Lisa Stahr freuen sich auf die große Jubiläumsfeier, die heute und morgen auf dem Schulgelände stattfinden wird.
Eine Schule feiert Geburtstag: Die Schüler der 2a und ihre Klassenlehrerin Lisa Stahr freuen sich auf die große Jubiläumsfeier, die heute und morgen auf dem Schulgelände stattfinden wird. FOTO: Jenny Theiler
Cottbus. Von den vielen architektonischen Meisterwerken, die sich in der Cottbuser Innenstadt befinden, gehört die Erich-Kästner-Grundschule am Puschkinpark zu den bedeutendsten, denkmalgeschützten Bauwerken der Stadt. Seit nunmehr 150 Jahren existiert das Schulgebäude im postklassizistischen Baustil. Jenny Theiler

Es hat zwei Weltkriege überstanden, verschiedene Schulformen beherbergt und kann auf eine geschichtsträchtige Tradition zurückblicken. Heute und morgen feiern die 326 Schüler und 18 Lehrkräfte mit zahlreichen Gästen ein Schulfest der besonderen Art, um das stolze Jubiläum zu würdigen.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts das Lyzeum an der Oberkirche für die wachsende Zahl der Gymnasiasten zu eng wurde, beschloss Oberbürgermeister Leopold Jahr den Bau einer weiteren Schule mit gymnasialer Oberstufe. In der heutigen Puschkinpromenade 6 erfolgte 1865 die Grundsteinlegung für das neue Gymnasium. Entworfen wurde das Gebäude vom Berliner Architekten Adolf Lohse. Er starb, bevor die Schule fertiggestellt wurde. Am 27. April 1867 wurde das "Friedrich-Wilhelms-Gymnasium" feierlich eingeweiht und bestand unter diesem Namen bis 1945. Nach dem Fliegerangriff im letzten Kriegsjahr und der Massenflucht aus Cottbus war ein normaler Schulalltag nicht mehr möglich. Der letzte Schultag war am 17. April 1945. Unter russischer Besetzung wurde die Schule zum Quartier für ranghohe russische Offiziere.

Zu DDR-Zeiten bezog die Einheitsschule 4 mit Oberschule den Standort am Park bis 1960. Nach dem Umzug ins heutige Konservatorium entstand die sechste Polytechnische Oberschule im ehemaligen Gymnasium. Nach der ersten Sanierung im Jahr 1975 bekam die Schule den Beinamen A.S. Puschkin.

Nach der Wende wurde die historische Schule 1991 zur 16. und acht Jahre später in 14. Grundschule umbenannt. Ab 2000 wurde die Schule zum letzten Mal umfangreich, durch das Architekturbüro Wanta, saniert. Seit dem 24. August 2002 ist Schriftsteller Erich Kästner der neue Namensgeber.

Den derzeitigen Schülern wird ein hohes Maß an geschichtlichem Bewusstsein vermittelt, das sich im Respekt gegenüber dem Gebäude und dem Schulgelände ausdrückt. Veränderungen im Schulgarten oder auf dem Schulhof werden immer gemeinsam mit den Lehrern und Eltern besprochen. "Es ist uns wichtig, dass sich Jeder einbringt und seine Ideen äußern darf", erklärt Schulleiterin Martina Theunert und spricht in diesem Zusammenhang auch von erlebbarer Denkmalpflege.

Als Brückenbauer zwischen der Kinder- und der Erwachsenenwelt inspiriert Erich Kästner auch heute noch die Schüler- und Lehrerschaft der Grundschule am Puschkinpark. Unter dem Schulmotto "Sprachen bauen Brücken und Lesen weckt Fantasie" steht die Auseinandersetzung mit der eigenen Sprache, aber auch mit verschiedenen anderen Kulturen im Vordergrund der Schulphilosophie. Bei einem Blick durch die aufwendig restaurierte Pausenhalle wird ein historischer Geist spürbar, der sich mit der literarischen Weisheit Erich Kästners verbindet. Geschichte trifft auf Moderne und legt gleichzeitig die Bildungsschwerpunkte für die Zukunft fest. Neben Englisch, Französisch und Sorbisch, wird aus aktuellem Anlass auch Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Abgesehen von der sprachlichen Orientierung erhalten auch naturwissenschaftlich interessierte Schüler eine spezielle Förderung durch das MINT-Programm. Außerdem beteiligt sich die Schule am Landesprojekt "Klasse! Musik für Brandenburg" und darf sich "Haus der kleinen Forscher" nennen. Die Wissenschaftsbrücken wachsen an der Grundschule also auch nach 150 Jahren stetig weiter - Ein Gedanke, der sicherlich im Sinne Erich Kästners gewesen wäre.

www.erichkaestner-gs-cottbus.de

Zum Thema:
Der feierliche Festakt wird am Mittwoch Vormittag auf dem Schulgelände der Erich-Kästner-Grundschule stattfinden. Neben Elternvertretern und Lehrern werden verschiedene Partner der Schule, wie das Carl-Thiem-Klinikum und das Konservatorium anwesend sein. Zu den geladenen Gästen gehören aber auch Vertreter der Stadtverwaltung. Im Anschluss wird ein kulturelles Programm, das von den Schülern ausgearbeitet wurde, für Abwechslung sorgen. Neben musikalisch Einlagen dürfen sich die Gäste auch auf selbst gedichtete Werke und die Vorstellung der neuen Schulhymne freuen. Außerdem wurden eine Ehrenschülerin und der ehemalige Oberbürgermeister und früherer Schüler Frank Szymanski eingeladen. Für das leibliche Wohl wird im Anschluss an die Veranstaltung gesorgt sein. Die Schülerschaft darf am Donnerstag, den 29. Juni, bei einem Fest auf dem Schulhof feiern. Spielmobile und viele bunte Stände werden auf dem Schulgelände verteilt sein. Neben Kinderschminken, einer Hüpfburg, der Tombola und einem Kuchenbasar, werden auch Polizei und Feuerwehr anwesend sein. Je nach Wetterlage wird die Feuerwehr mit der Spritze für Abkühlung sorgen. In lehrreichen Spielen soll den sehr jungen Schülern von den Polizeivertretern das richtige Verhalten im Straßenverkehr, beispielsweise bei einem Fahrradunfall, beigebracht werden. Zudem wird am Donnerstag die neue Rutsche auf dem Schulhof offiziell übergeben.