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| 18:39 Uhr

Aktion gegen Rechts
Bronze-Wölfe auf dem Altmarkt

Mit vier Bronze-Wolfsplastiken und Infotafeln mit provokanten Fragen protestiert der Bildhauer Rainer Opolka auf dem Cottbuser Altmarkt gegen Gewalt und Hass sowie die zunehmende Radikalisierung in der Gesellschaft.
Mit vier Bronze-Wolfsplastiken und Infotafeln mit provokanten Fragen protestiert der Bildhauer Rainer Opolka auf dem Cottbuser Altmarkt gegen Gewalt und Hass sowie die zunehmende Radikalisierung in der Gesellschaft. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Künstler Rainer Opolka protestiert mit Mahnwache gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft. Von Silke Halpick

Vier Wölfe stehen mitten auf dem Cottbuser Altmarkt, allerdings aus Bronze. Zwei von ihnen zeigen den Hitlergruß, einer greift an und ein weiterer trägt eine Augenbinde. „Noch liegt er an der Kette“, sagt Rainer Opolka. Der Künstler protestiert mit seiner Ausstellung „Die Wölfe sind zurück?“ gegen Hass, Gewalt und Rechtsradikalismus. „Wo gehetzt wird, wird später auch getreten“, steht auf einem Plakat. Mehr als 250 000 Menschen sahen die Aktion schon in Dresden, Potsdam, Chemnitz. Nun macht er bis Donnerstagabend in Cottbus Station – und will vor allem mit den Menschen ins Gespräch kommen.

„In einer Situation wie dieser mit einer zunehmenden Radikalisierung in der Gesellschaft sollte auch die Kunst Stellung beziehen“, stellt Opolka klar. Für ihn sei es beispielsweise ein Paradox, dass nicht Krieg und Armut als Bedrohung wahrgenommen werden, sondern stattdessen die Menschen, die davor flüchten. Der gebürtige Bottroper, der seit sieben Jahren in Brandenburg lebt, lehnt Rechtsextremismus ebenso wie intoleranten Islamismus ab. Beides würde die Gesellschaft spalten und die Demokratie schwächen, begründet er.

Ganz bewusst hat er den Standort Cottbus für seine Mahnwache ausgewählt, wie er erzählt. Zweimal sei er zu den Demos des Golßener Vereins „Zukunft Heimat“ hergekommen, um sich selbst ein Bild zu machen. Die „schrillen Töne und Hassparolen“ hätten ihn schockiert. „Ich glaube nicht, dass das Cottbus ist“, betont er. Opolka kennt die Stadt als Fahrradtourist. Sie sei „eine seiner Lieblingsstädte“, sagt er.

Nun steht er auf dem Altmarkt und diskutiert mit den Passanten. „50 Gespräche habe ich schon geführt“, sagt er nach Ablauf von nur zwei Stunden. Es gebe ganz viel Zuspruch, aber immer wieder auch Widerspruch. Doch selbst Beschimpfungen und Morddrohungen halten Opolka nicht ab.

„Ich bin ein robustes Arbeiterkind“, sagt er grinsend. Gemeinsam mit seinem Bruder hat er mit der Erfindung und Weiterentwicklung von LED-Taschenlampen viel Geld verdient, vor einigen Jahren seine Firmenanteile verkauft und sich selbst den Kindheitstraum erfüllt, ein Künstler zu sein. „Ich mache so lange weiter, wie es im Land Hass und Spaltung gibt“, kündigt Opolka an. Als nächste Ziele für seine Mahnwache hat er  schon Hannover, Düsseldorf und St. Pauli auserkoren.

„Gut und notwendig“ findet die Aktion Reinhard Loeff. Der Cottbuser ist Mitglied der Linken und bedauert, dass selbst solche Provokationen von vielen Menschen gar nicht mehr wahrgenommen werden. „In den letzten Monaten habe ich mehr vernünftige Gespräche mit Ausländern als mit Deutschen geführt“, sagt er. Als ungerechtfertigte Grundsatzkritik an der AfD sieht Wolfgang Horbenz die Installation. Seiner Meinung nach gebe es in der Partei lediglich „ein paar schwarze Schafe“, die sich radikalisiert hätten und ausgeschlossen werden sollten.