In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung sagte Holger Kelch (CDU): "Wir spüren in der Stadt, dass sich etwas zusammenbraut." In Bezug auf den Zuzug von Flüchtlingen erklärte der OB weiter: "Da treffen verschiedene soziale und unterschiedliche Altersgruppen aufeinander, aus mehreren Nationen und darunter auch einige Deutsche." Viele von ihnen seien deutlich zu jung, um bis tief in die Nacht unterwegs zu sein.

Auch die Polizei blickt mit zunehmender Sorge auf die Situation in der Innenstadt. Marco Mette, Leiter der Kriminalpolizei: "Drogenhandel und körperliche Auseinandersetzungen häufen sich hier in einer Art und Weise, die wir mit polizeilichen Maßnahmen allein nicht mehr in den Griff bekommen."

Zwar gebe es umfangreiche Maßnahmen - den Einsatz von uniformierten Streifen, Zivilfahndern und Kriminalisten - und eine gute Arbeit der AG Innenstadt. "Aber wir als Polizei können die Ursachen der Probleme nicht beseitigen." Schwierig aus seiner Sicht: "Im Bereich Klosterplatz und Wendisches Viertel leben sehr viele kriminelle Drogenabhängige. In der Karl-Marx-Straße sind zahlreiche Asylbewerber untergebracht, im Käthe-Kollwitz-Haus in der Puschkinpromenade leben junge Menschen mit schwierigem Hintergrund." Sie alle treffen, vor allem bei schönem Wetter, im Park oder vor der Stadthalle aufeinander.

Die Stadt reagiert. Mit einem "Modellprojekt Streetwork" sollen die jungen Menschen erreicht und vor allem die Integration von Neu-Cottbusern erleichtert werden. In einer ersten Phase bis zum Ende des Jahres stehen dafür 40 000 Euro zur Verfügung. Jörn Meyer, Chef der Jugendhilfe, stellte jetzt seine Ideen zur Bewältigung der anstehenden Probleme vor. Aktuell gebe es in der Stadt nur zwei Teilzeit-Streetworker - für die aktuelle Problemlage zu wenig.

"Wir brauchen mindestens drei Sozialarbeiter, die regelmäßig in den innerstädtischen Parks und vor der Stadthalle unterwegs sind", so Meyer. Doch auch mit diesem Personalstamm sei es nicht möglich, zusätzlich die Standorte Neu-Schmellwitz und Sachsendorf zu betreuen.

Insgesamt seien in den Jahren 2016/17 rund 850 junge ausländische Männer im Alter zwischen 15 und 27 nach Cottbus zugezogen. Zu ihnen, wie auch zu deutschen Jugendlichen, müssen die Streetworker Kontakt aufbauen. Dann wird ein endgültiges Lösungskonzept erstellt.

Zum Thema:
Kripo-Chef Marco Mette hat im Jugendhilfeausschuss die jüngsten Statistiken rund um das Thema Jugendkriminalität in Cottbus vorgestellt. Insgesamt wurden von der Polizei 2016 knapp 11 300 Fälle in Cottbus abgeschlossen. 19,4 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen waren Jugendliche und Heranwachsende. Doch während der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung seit 2007 gleich geblieben ist, sank ihr Anteil an den Tatverdächtigen im gleichen Zeitraum von 1185 auf 641. Die Zahl der Tatverdächtigen mit Asylhintergrund liegt bei 193. Von ihnen waren 49 Menschen 21 Jahre oder jünger. Schwerpunkt ihrer Taten: Rohheitsdelikte, Vermögensdelikte (Schwarzfahren), Diebstahl.