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Braucht Burg einen Soldaten am Denkmal?

Pfarrer Michael Heimann (r.) und Marcel Bühlow vor dem Burger Kriegerdenkmal.
Pfarrer Michael Heimann (r.) und Marcel Bühlow vor dem Burger Kriegerdenkmal. FOTO: Elsner
Burg. An einem Zeugnis der Geschichte des 20. Jahrhunderts erhitzen sich im 700. Jahr von Burg die Gemüter. Das Kriegerdenkmal vor der Evangelischen Kirche hat eine Restaurierung dringend nötig. Die Gemeindevertreter wollen dabei die 1945 entfernte Soldatenfigur wieder an der Sandsteinsäule anbringen. Dagegen wehrt sich die Kirchengemeinde. Ulrike Elsner

Seit 1922 steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges vor der Burger Kirche. Der Sandstein beginnt zu bröckeln. Wenn die Säule nicht bald saniert wird, könnte sie eines Tages nicht mehr zu retten sein. Darüber sind sich alle einig. Nur an einer Frage erhitzen sich die Gemüter: Soll die Soldatenskulptur, die von Einwohnern des Ortes kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 von der Säule entfernt und auf dem Kirchengelände vergraben wurde, wieder an ihren alten Platz kommen oder nicht? Nach der Wende haben Nachbarn den Soldaten ausgegraben. Derzeit lagert er auf dem Grundstück einer Burger Familie.

"Die Gemeindevertreter sind sich einig darüber, dass der Soldat restauriert werden soll", sagt Bürgermeisterin Ira Frackmann (CDU). Auch die Kirchengemeinde plädiert für eine Restaurierung des Denkmals. Allerdings ohne den Soldaten. "Das Kreuz, das jetzt auf der Vorderseite zu sehen ist, entspricht eher den Empfindungen und Gedanken der Menschen" sagt Pfarrer Michael Heimann. Außerdem stehe das Kreuz für das Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirche für den Krieg. Bereits vor fünf Jahren habe der Gemeindekirchenrat beschlossen, dass es beim Kreuz bleibt. "Wir sollen ein Kreuz vom Denkmal abnehmen, um einen Soldaten dranzuhängen?" Für den Pfarrer ist das unvorstellbar.

"Es gibt eine klare demokratische Entscheidung für das Kreuz und gegen den Soldaten", ergänzt Marcel Bühlow, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Der Soldat passe einfach nicht in die Landschaft, zumal unter der Plastik ursprünglich der Satz "Der alte Gott lebt noch" zu lesen war. Das Denkmal in der Form von 1922 könnte, so befürchten die Mitglieder des Gemeindekirchenrats, ewig Gestrige zu Versammlungen anlocken.

"Wir wollen mahnen, gedenken, erinnern und nicht den Geist von 1922 auferstehen lassen", fasst Pfarrer Heimann zusammen. Gerade aus der mangelhaften Verarbeitung des Ersten Weltkrieges habe der Geist erwachsen können, der zum Zweiten Weltkrieg geführt hat.

Originaltreue bei der Sanierung

Es sei durchaus eine demütige Haltung der Soldatenfigur erkennbar, stellte Bernhard Krumpelt (Gemeinsam für Burg) in der Gemeindevertretersitzung fest. "Rechtsradikalismus beseitigen wir nicht, indem wir auf ein Denkmal verzichten." Deshalb solle es originalgetreu wiederhergerichtet werden. Nur so könnten die Vorgaben des Denkmalschutzes erfüllt werden.

Wenn ein Soldat als Teil eines Kriegerdenkmals eine Berechtigung haben soll, dann sollte er knien oder sein Haupt senken. Auch der ursprüngliche, dann aber nicht ausgeführte Entwurf von Prof. Walter Hausschild aus dem Jahr 1921, der noch immer im Vorraum der Kirche zu sehen ist, entspreche den Gedanken und Gefühlen heutiger Generationen besser. In dessen Mittelpunkt steht der gekreuzigte Jesus. Daneben ein gebeugtes Ehepaar, tief erschüttert über den Verlust des Sohnes. Auf der anderen Seite zwei ebenfalls sichtlich erschütterte Soldaten.

Schon aus dem Jahr 1922 ist eine kontrovers geführte Debatte über die Gestaltung des Denkmals überliefert. "Damals entschied sich der Denkmalausschuss mit 14 zu sechs Stimmen bei fünf Enthaltungen für den zweiten Entwurf des Bildhauers Fritz Richter-Elsner.

In der aktuellen Diskussion scheint es, als seien die Positionen verhärtet. Während die Gemeindevertretung darauf besteht, dass das Denkmal nur in seinem ursprünglichen Zustand restauriert werden soll, verweist der Kirchengemeinderat auf einen ebenfalls einstimmig gefassten Beschluss, das auf dem Kirchengelände befindliche Denkmal nur ohne Soldat zu restaurieren. Auf diese Weise soll die Aufgabe demnächst in Angriff genommen werden.

In der Einwohnerfragestunde haben sich bereits Burger Bürger zu Wort gemeldet. "So ein wertvolles Stück (wie der Soldat - d. Red.) gehört zu Burg wie das Brandenburger Tor zu Berlin", stellte Gerhard Ragotzky fest. Um die Gemeindekasse weitgehend zu entlasten, könne sich beispielsweise ein Verein um die Finanzierung seiner Sanierung kümmern. Einen finanziellen Grundstock gibt es bereits. Hartmut Schingen überreichte in der Gemeindevertretersitzung Bürgermeisterin Ira Frackmann einen Scheck über 1000 Euro.

Weil die Debatte von einem allgemeinen Konsens weit entfernt ist, regt die Gemeindevertretung an, dass sich die Bürger in die Diskussion einbringen sollen. In einem entsprechenden Aufruf heißt es: "Es geht um Ihre Vorfahren und unser aller Bestreben, dass so etwas nie wieder passieren darf." Zumindest in dieser Einschätzung herrscht Einigkeit. Marcel Bühlow sagt: "Es geht um den Umgang mit Schuld und Trauer, um nicht wenig Geld und um die Frage, wie gehe ich mit demokratischen Entscheidungen um."