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Branitzer Wissen wird Exportschlager

Der Branitzer Parkleiter Claudius Wecke gemeinsam mit Direktorin Larissa Leonidowna Paschkowa vor dem Schloss Maryino. Bei der Gartendenkmalpflege und Sanierung der historischen Parkanlage wollen die Branitzer helfen.
Der Branitzer Parkleiter Claudius Wecke gemeinsam mit Direktorin Larissa Leonidowna Paschkowa vor dem Schloss Maryino. Bei der Gartendenkmalpflege und Sanierung der historischen Parkanlage wollen die Branitzer helfen. FOTO: Landkreis Spree-Neiße
Cottbus. Der gute Ruf des Branitzer Parks erreicht auch den letzten Winkel Europas. Parkleiter Claudius Wecke und die Branitzer Stiftung wollen dem Park Maryino bei Kursk Starthilfe bei der Gartendenkmalpflege geben. Einem Brief aus Russland folgte jüngst ein Besuch aus Deutschland. Bald soll es eine internationale Konferenz geben. Peggy Kompalla

Die Grenzregion Spree-Neiße / Bober pflegt gute Kontakte zum Bezirk Kursk in Russland. So erreichte der gute Ruf des Branitzer Parks auch diese entlegene Region Europas - jenseits der Ukraine. Die Branitzer Gartendenkmalpfleger haben in der internationalen Fachwelt längst einen Namen - sei es bei Erhalt und Nachzucht von Altbaumbeständen oder der historischen Parkrestaurierung. Selbst über die Grenzen hinaus wirkt die Branitzer Anlage im Europäischen Parkverbund Lausitz. Ihr Parkleiter Claudius Wecke und die Stiftung engagieren sich zudem bei der Wiedererweckung der barocken Parkanlage im polnischen Brody (Pförten).

Anfang des Jahres erreichte Parkleiter Wecke ein Brief von Larissa Leonidowna Paschkowa. Sie ist die Generaldirektorin von Maryino, rund 100 Kilometer westlich von Kursk gelegen. Das ist eine beeindruckende Schlossanlage mit Park, in dem heute ein Sanatorium untergebracht ist. Dazu gehört auch ein Landwirtschaftsbetrieb. Die Anlage ist vergleichbar mit dem Park Branitz, wurde ebenfalls im 19. Jahrhundert im englischen Stil angelegt. Doch seither schlummert sein wahres Potenzial, eine echte Gartendenkmalpflege gibt es nicht, ebenso wenig wie die Auswertung historischer Pläne. Genau das will Direktorin Paschkowa ändern. Damit steht sie ganz am Anfang und hofft auf Branitzer Hilfe. Die wird es geben.

Claudius Wecke schickte im Februar eine Antwort samt Einladung nach Branitz zurück nach Russland. "Kurz danach wurde der Spieß umgedreht", erzählt er mit einem Lachen. Denn plötzlich saß er im Flugzeug nach Kursk gemeinsam mit einer Delegation aus Spree-Neiße. Selbst mit einigen Tagen Abstand ist die Erinnerung an Park und Schloss Maryino ganz lebendig. "Das ist eine große Anlage mit einem exponiert gelegenen Schloss. Dazu gehört ein künstlich angelegter riesiger See mit Venusinsel und -tempel und Brücken. Im Gegensatz zum Park Branitz ist die Anlage komplett eingefriedet und dort lebt sogar ein Rudel Hirsche", erzählt Wecke mit Begeisterung. "Die habe ich sogar gesehen. Tiere gehörten zum Konzept der damaligen Gartenarchitekten. Das aber auch mit eigenen Augen zu erleben, ist etwas Besonderes."

Dem Branitzer Fachmann fielen allerdings auch die Probleme auf. "Bis auf den betonierten Weg um den See sind alle Wege zugewachsen." Die grobe Struktur der Anlage sei zwar erhalten und erkennbar, doch eine gartendenkmalpflegerische Arbeit gebe es nicht.

"Der Park Maryino ist so bedeutend, dass eine internationale Konferenz angestrebt werden sollte", sagt Claudius Wecke. "Damit würde die Anlage in der europäischen Fachwelt bekannter. Gleichzeitig könnte damit ein Auftakt zu einer Restaurierung gelegt werden." Die Branitzer Parkleute haben beste Kontakte, die sie gern teilen wollen. "Das ist nur ein erster Schritt."

Die Konferenz und die versprochene Unterstützung aus Branitz kam bei Direktorin Paschkowa bestens an. Für September hat sie sich zu einem Gegenbesuch in Branitz angekündigt. "Sie wird einen Gärtner und Vorarbeiter mitbringen, der sich in der Zeit unserem Team anschließen kann", erzählt der Parkleiter. "In Maryino gibt es keinen Gartenarchitekten vor Ort. Deshalb ist Praxis die beste Hilfe."

Zum Thema:
Maryino wurde von Fürst Iwan Iwanowitsch Barjantinksy im 19. Jahrhundert als Landschaftspark im englischen Stil angelegt. Die Anlage ist etwa 200 Hektar groß. Der Fürst benannte Schloss und Park nach seiner Frau Marie Louise Gräfin von Keller.Erstmals bietet die Branitzer Pückler-Stiftung am Freitag, 17. April, von 13 bis 18 Uhr eine mehrstündige Sonderführung durch den Park an. Parkleiter Claudius Wecke berichtet dabei über die Entstehung und die aktuellen Entwicklungen des Gartenkunstwerks Branitz. Dafür sind Anmeldung und Ticketkauf erforderlich unter Telefon 0355 75150. Die Teilnahme ist begrenzt auf 30 Personen. Eine Karte kostet pro Person 15 Euro.