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| 15:06 Uhr

Evakuierung nach Schwarzpulverfund
Unprofessionelle Räumung der Branitzer Siedlung?

 In dieser Gartenlaube soll der Beschuldigte Diesbesgut und Schwarzpulver gelagert haben.
In dieser Gartenlaube soll der Beschuldigte Diesbesgut und Schwarzpulver gelagert haben. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Cottbus. Nach einem Schwarzpulverfund in einer Kleingartensiedlung in der Branitzer Siedlung am vergangenen Mittwoch mussten Anwohner und Gärtner das Gebiet verlassen. Doch nicht alle Betroffenen sind mit dem Ablauf der Evakuierung zufrieden.

Evakuierung – das klingt nach Naturkatastrophen, Sprengstoffentschärfung und einem Großaufgebot an Polizei und Rettungskräften. Doch es muss nicht immer ein Flächenbrand oder ein Bombenfund sein, der eine Evakuierung erfordert.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Polizei bei der Durchsuchung einer Gartenlaube in einer Kleingartenanlage in der Branitzer Siedlung größere Mengen Schwarzpulver entdeckt. Eigentlich waren die Polizisten wegen einer Diebstahlsermittlung vor Ort. Die Anlage sowie etwa 25 angrenzende Häuser in der Damaschkeallee wurden „aus Sicherheitsgründen“, wie Polizeisprecherin Ines Filohn mitteilt, geräumt.

Nicht alle Betroffenen sind mit dem Einsatz zufrieden. „Wir wurden aufgefordert, in zehn Minuten das Gebäude und dann den Sperrbezirk zu verlassen. Aber wohin wir gehen konnten, dass hat uns niemand gesagt“, erzählt ein Anwohner aus der Damaschkeallee, der anonym bleiben möchte. Als ehemaliger Polizist erschien ihm die Evakuierung „amateurhaft“. Er hätte sich eine Telefonnummer gewünscht, unter der er sich über den Stand der Evakuierung informieren konnte. Da er am Mittwochnachmittag niemanden bei der Stadtverwaltung erreichen konnte, wandte er sich schließlich an die Polizei: „Der Beamte am Telefon wusste nichts von der Evakuierung, hat sich aber schlau gemacht.“ Wann die Maßnahme beendet sein würde, konnte er dem Anwohner jedoch nicht sagen. Als dieser gegen 18.30  Uhr auf gut Glück zu seinem Haus zurückkehrte, traf er keine Polizisten mehr an.

Hätte es einen zentralen Sammelplatz sowie eine Telefonnummer zur Information geben müssen? Bei der Evakuierung unterstützte die Stadt die Polizei mit Kräften des Ordnungsamtes. Jan Gloßmann, Pressesprecher der Stadt Cottbus, betont, dass es sich bei der Evakuierung am Mittwoch um ein akutes Ereignis gehandelt habe. „So kurzfristig konnte keine Sammelstelle beziehungsweise der Transfer dorthin zur Verfügung gestellt werden.“ Anders sei dies bei vorbereiteten Evakuierungen, etwa bei einem Bombenfund. Auch aus Sicht der Polizei habe es keinen Anlass für einen Sammelpunkt gegeben, sagt Ines Filohn. „Die Betroffenen haben uns gesagt, dass sie zu Verwandten oder Freunden gehen könnten.“ Eine zentrale Telefonnummer werde nur bei großen Gefahrenlagen geschaltet, sagte Jan Gloßmann zudem. Zudem sei den Betroffenen das voraussichtliche Ende der Maßnahme mitgeteilt worden.

Andere Anwohner und Gärtnerinnen aus der Gartenkolonie äußern sich positiv über die Arbeit von Polizei und Ordnungsamt. Zwar sei auch ihnen keine Möglichkeit genannt worden, sich über den Stand zu informieren, „das hat mich aber nicht gestört“, sagt ein Anwohner, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen möchte. Eine Sichtweise, die viele Gärtnerinnen und Gärtner teilen.

Sie zeigten sich viel mehr bestürzt davon, dass in der Gartenlaube des Verdächtigen neben Schwarzpulver auch Diebesgut gefunden wurde. Mehrfach sei bei manchen Pächtern in die Gärten und Lauben eingebrochen worden. Dass ihr Eigentum zum Teil nur wenige Meter weiter lagerte, ahnten sie nicht.