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Branitzer Schloss-Schmuck in Not

Architekt Enrico Oliver Nowak begleitet die Restaurierung der Fassade des Branitzer Schlosses. Bei Untersuchungen zeigte sich, dass die Schmuckelemente zum größten Teil aus dem Barock und damit der Entstehungszeit des Gebäudes stammen.
Architekt Enrico Oliver Nowak begleitet die Restaurierung der Fassade des Branitzer Schlosses. Bei Untersuchungen zeigte sich, dass die Schmuckelemente zum größten Teil aus dem Barock und damit der Entstehungszeit des Gebäudes stammen. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Verzierungen an der Fassade wurden durch eindringendes Wasser stark beschädigt. Erste Untersuchungen legen Faszinierendes frei: Die Elemente stammen aus dem Barock. Peggy Kompalla

Architekt Enrico Oliver Nowka steht hoch oben auf dem Gerüst. Sein Blick schweift über die Verzierungen an der Fassade des Branitzer Schlosses. Selbst dem Laien bleibt das Ausmaß der Schäden nicht verborgen. Überall sind Stücke abgeplatzt, von einer Girlande sind ganze Teile abgestürzt. Das Metallskelett ist freigelegt. Der Architekt zeigt genau auf diese Stelle und lächelt. Dabei müsste er doch sorgenvoll sein. "Hier sieht man es ganz deutlich", sagt er. "Das stammt aus der Barockzeit. Der Draht ist mit Holzkohle umwickelt, um eine Verstärkung für die Kalk-Putzverbindung zu schaffen." Weitergehende Untersuchungen haben bestätigt, bei den aufwendigen Verzierungen am Mittelrisalit - dem Vorsprung - auf der Westseite des Schlosses handelt es sich um Originale aus der Entstehungszeit. Das Schloss wurde dereinst von Fürst Pücklers Großvater in den Jahren 1771 / 72 errichtet, berichtet Enrico Oliver Nowka.

Der Architekt klopft gegen eine Halbmuschel an der Fassade, die das Pücklersche Familienwappen einrahmt. Es klingt hohl. "Wasser ist eingedrungen und hat über die Jahre das Kalk-Putzgemisch zersetzt", erklärt er. Das ist sogar mit bloßem Auge zu sehen. Löcher in dem Fassadenschmuck legen feinen Brösel frei. Die Schäden sind erheblich. Nun bestehe die Kunst darin, möglichst viel vom Original zu erhalten und gleichzeitig den Schmuck wieder herzustellen.

"Dafür sind Untersuchungen und sogar Analysen im Labor nötig", erklärt Nowka. Dabei arbeitet er eng mit der Stiftung und dem Landesamt für Denkmalpflege zusammen. "Wir müssen die ideale Verfahrensweise finden, um ein Maximum des Originals erhalten zu können." Dazu sei noch Recherche nötig, weshalb derzeit noch keine Restauratoren an der Fassade arbeiten. "Die Abdeckung des Mittelrisaliten haben wir notdürftig gesichert, sodass kein Wasser mehr eindringen kann." Das Schloss sei vor 25 Jahren restauriert worden. "Der vergangene Winter hat der Substanz besonders zugesetzt, weil er so kalt und feucht war."

Matthias Zickora hat als früherer Verwaltungsdirektor der Stiftung die Sanierung des Branitzer Ensembles verantwortet. "Die Farbgebung für das Wappen stammt noch aus den 70er-Jahren", erklärt er. Reste von Gold und Dunkelblau sind noch zu erkennen. "Bei den Untersuchungen hat sich bislang nicht bewahrheitet, dass das Wappen tatsächlich einst so farbig ausgestaltet war." Deshalb sei die Gestaltung noch offen.

Zum Thema:
Die Herrschaft Branitz gelangte im Jahr 1696 in den Besitz der Grafenfamilie Pückler. Im Jahr 1785 zog die Familie nach Muskau und Branitz wurde verpachtet. Fürst Hermann von Pückler-Muskau begann mit der Gestaltung des Branitzer Parks im Jahr 1845, nachdem er seinen damaligen Wohnsitz Schloss Muskau und den dortigen Park wegen finanzieller Probleme aufgeben und verkaufen musste. Im Alter von 60 Jahren begann er, Branitz nach englischem Vorbild anzulegen. In der Seepyramide fand der Fürst seine letzte Ruhestätte.