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| 15:41 Uhr

Scheibe mit Gullydeckel eingeschlagen
Was tun gegen Vandalismus im Branitzer Park?

 Vandalismus: Am WC-Häuschen im Branitzer Park wurden Regenfallrohre abgerissen und Fensterscheiben eingeschlagen.
Vandalismus: Am WC-Häuschen im Branitzer Park wurden Regenfallrohre abgerissen und Fensterscheiben eingeschlagen. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Die Fürst Pückler Stiftung sucht neue Wege, um Vandalismus zu verhindern. Erst am Wochenende wurde mit einem Gullydeckel eine Scheibe zertrümmert. Von Nils Ohl

Im lapidaren Stil der Polizeimeldung klingt es so: „... um 11.15 Uhr teilten Mitarbeiter der Fürst Pückler Stiftung Vandalismus im Branitzer Park, Robinienweg großer Parkplatz mit ...“. Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonnabend an dem WC-Haus die Regenrinnen demoliert und mit einem Gullydeckel eine Scheibe eingeschlagen. Der Schaden, so ärgerlich er war, hielt sich mit rund 650 Euro in Grenzen. Und die Haustechniker der Stiftung setzten das Häuschen auch schnell provisorisch so instand, dass die Besucher es wieder nutzen können. Also eigentlich kein großes Problem?

Juliane Szobonya, Pressesprecherin der Fürst Pückler Stiftung, sieht es anders: „Es ist traurig, dass solche Menschen kein Unrechtsbewusstsein haben, von anderen etwas zu zerstören.“

Krimineller Vandalismus ist Ausnahme

Zwar ist vorsätzlich krimineller Vandalismus, wie das Beschädigen von Bänken, im Branitzer Park glücklicherweise die Ausnahme. Der schlimmste Fall war dabei sicher die Brandstiftung an der Branitzer Seepyramide im vergangenen  Jahr. Doch auch die vielen kleinen alltäglichen Verstöße gegen die Parkordnung summieren sich. So darf man keine Blumen pflücken, nicht grillen oder picknicken, keine Ballspiele betreiben, sollten die Wege nicht verlassen, nicht gezeltet, nicht geangelt oder Handel betrieben werden.

„Das sind leider alles Dinge, die immer wieder vorkommen“, so Juliane Szobonya. Das Beseitigen der Schäden und des Mülls, die durch solch rücksichtsloses Verhalten entstehen, sei mit einem beachtlichen Aufwand verbunden.

Die Parkordnung ist an den Zugängen des Parks zu lesen. Und viele Vorschriften dienen auch dem Schutz der Besucher. So seien nur die Wege wirklich vor Astbruch sicher. „In der Trockenheit brechen uns derzeit selbst grüne Äste immer wieder ab“, sagt Szobonya.

Öffentlicher Park mit wenigen Radwegen

Ärgerlich ist zudem, dass Besucher immer wieder ihre Hunde nicht wie vorgeschrieben anleinen oder quer durch den Park mit dem Rad fahren. „Es gibt ausgewiesene Radwege im Park, an die kann man sich halten“, betont die Pressesprecherin.

Pücklers Gartenreich sei ein Landschaftsgarten und müsse dementsprechend von seinen Besuchern behandelt werden. Da er von seinem Konzept für die Allgemeinheit gedacht ist und auch rund um die Uhr für Gäste offen stehen soll, verbieten sich solche Überlegungen, wie den Park zu seiner Sicherheit einzuzäunen oder nur zu bestimmten Tageszeiten zu öffnen.

Schloss ist besonders gesichert

Unter diesen Voraussetzungen –  und bei Zahlen von 200 000 bis 250 000 Besuchern jährlich – sei eine lückenlose Überwachung des weiträumigen Parks nicht möglich. Anders sieht es mit dem Schloss, den historischen Gebäuden und den Sammlungen aus. Dort greift ein ganz anderes Sicherheitskonzept mit einer lückenlosen 24-Stunden-Überwachung.

Für den Park setzt die Stiftung hingegen seit März auf regelmäßige Parkstreifen durch ein beauftragtes Sicherheitsunternehmen. Allerdings können diese Streifen zum Beispiel keine Bußgelder verteilen. Deshalb unterstützt das Ordnungsamt die Stiftung sporadisch, da dessen Mitarbeiter härter durchgreifen dürfen.

Neues Sichgerheitskonzept

Am Ende dieses Jahres soll anhand der Notizen der Parkstreifen erstmals statistisch erfasst werden, welche Verstöße sich aus welchen Gründen häufen. „Damit können wir dann gezielter vorbeugend eingreifen“, sagt Juliane Szobonya. „Vielleicht fehlt es ja an einigen Punkten, beispielsweise beim Betreten der Wiesen, auch an der umfassenden Information der Besucher.“

Und nach den Erfahrungen mit dem Brand der Seepyramide arbeitet die Stiftung gemeinsam mit der Stadt derzeit an einem grundsätzlich neuen Sicherheitskonzept. Wobei dieses Konzept viel weiter gefasst ist und neben den Themen  Vandalismus und Diebstahl auch Bereiche wie Brandschutz, Havarien und Unwetter behandelt.

„Die allermeisten Besucher verhalten sich ordentlich“, betont Juliane Szobonya. Und für diese soll der Park weiter ungetrübte Erlebnisse bieten. So haben die Gärtner intensiv daran gearbeitet, dass die Seepyramide, wenn alles weiterläuft wie geplant, im Herbst wieder im roten Weinlaub leuchten kann.