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| 01:35 Uhr

Branitzer Friedenseiche zum Abriss frei

Cottbus. Das 100 Jahre alte Gasthaus „Friedenseiche“ in Branitz war das wohl bekannteste und beliebteste Ausflugslokal für Cottbuser – und berühmt für seine Plinse und Tanzabende. Seit 15 Jahren steht es leer. Jetzt dürften seine Tage gezählt sein. Von Peggy Kompalla

Vom Glanz der alten Zeiten ist nichts übrig geblieben. Das einst stattliche Gasthaus duckt sich in den Schnee. Der Putz ist grünstichig, Scheiben fehlen, genauso wie Dachbohlen. Ein Zaun schafft Distanz. Vom einstigen Leben zeugt heute nur noch ein handgeschriebenes Schild mit den Öffnungszeiten im Fenster. Vom Namenszug “Gasthof zur Friedenseiche, Inh. Wilhelm Jost„ sind nur verblichene Buchstaben übrig geblieben.

Der Bauer Wilhelm Jost hatte im Jahr 1909 eine Genehmigung für den Bau einer Gaststätte auf seinem Grundstück erhalten und damit den Grundstein für das bald legendäre Gasthaus gelegt. Am 1. Dezember 1910 wurde die Einweihung gefeiert. Fast genau 100 Jahre später scheint das Schicksal besiegelt.

Das legen zumindest die Recherchen der RUNDSCHAU nahe. Denn Stadtsprecher Peter Lewandrowski erklärt: “Die denkmalrechtliche Erlaubnis zum Abriss ist erteilt worden.„ Diese Entscheidung sei aufgrund des desolaten Zustandes des Gebäudes gefällt worden. Nach RUNDSCHAU-Informationen soll es einen Käufer für das Grundstück geben. Bislang gehörte es einer Erbengemeinschaft.

Die Nachricht über die Erlaubnis zum Abriss nimmt der Branitzer Manfred Kunath mit Fassung auf. “Da ist sicher nichts mehr zu retten„, sagt er, schiebt aber gleich im nächsten Atemzug hinterher: “Für die älteren Branitzer ist das tragisch.„ Er selbst war bei Tanzveranstaltungen in der Friedenseiche und er erinnert sich bestens, dass mittwochs und sonntags Plinsetag war. Der Branitzer hat für den aktuellen Cottbuser Heimatkalender ein Kapitel über die wechselvolle Geschichte des Traditionshauses geschrieben. “Wenn der Gasthof abgerissen werden sollte, ist das sicherlich gutes Bauland„, mutmaßt Manfred Kunath. Das Gelände der Friedenseiche ist längst umringt von schicken Eigenheimen.

Zum Thema:

Eröffnung am 1. Dezember 1910. Der Saal fasste 500 Plätze und die drei Gasträume 200 Plätze. Im Garten standen 600 Stühle. 1961 fand der letzte Fastnachtstanz im Saal bevor er geschlossen wurde und die Kapazität des Gasthauses auf 150 Plätze reduziert wurde. Am 11. Juni 1995 schloss das Haus.

Heute ist der Gasthof „Friedenseiche“ nach 15 Jahren Leerstand abrissreif. Foto: Peggy Kompalla
Heute ist der Gasthof „Friedenseiche“ nach 15 Jahren Leerstand abrissreif. Foto: Peggy Kompalla FOTO: Peggy Kompalla