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Branitz von oben gesehen

Winterliche Luftaufnahme der Pyramidenebene im Branitzer Park.
Winterliche Luftaufnahme der Pyramidenebene im Branitzer Park. FOTO: Klaus Ketzmerick
Cottbus. Der Branitzer Park hat im Januar seinen winterlichen Reiz voll entfaltet. Für viele ist das Gartenreich des Fürsten Pückler ohnehin im Winter besonders attraktiv. Ulrike Elsner

Der Fotograf Klaus Ketzmerick hat in den vergangenen Wochen die schönsten Seiten des winterlichen Parks festgehalten.

Allerdings ist der 79-Jährige das ganze Jahr über im Park unterwegs. "Branitz ist ein Stück Heimat, es gehört einfach zu meinem Leben dazu", bekennt der Cottbuser, der jetzt in Leuthen bei Drebkau lebt. Schon als Junge habe er eine besondere Beziehung zum Branitzer Park entwickelt, sagt Ketzmerick und berichtet von einem Arbeitseinsatz im Schuljahr 1950/51. Damals hat er mitgeholfen, nach einem Unwetter die Parkwege aufzuräumen.

Mit zwölf Jahren hat der Cottbuser mit einer alten Agfa-Box zu fotografieren begonnen. Bald darauf wurde das elterliche Bad zur Dunkelkammer, ein Chemielehrer hatte den Jungen für die Laborarbeit begeistert. Den späteren Diplom-Ingenieur für Kraftwerke sollte die Leidenschaft für die Fotografie ein Leben lang begleiten.

Ebenso wie das Laufen und Reisen. "1971 bin ich in Cottbus meinen ersten Marathon gelaufen", berichtet Ketzmerick. Seitdem läuft er auch jede Woche einmal durch den Park. "Ich kenne hier jeden Weg, jedes Steinchen", sagt der 79-Jährige. Das macht Klaus Ketzmerick zu einem geschätzten Parkfotografen. Seit ein paar Jahren nutzt der Leuthener modernste Technik für gestochen scharfe und ästhetisch stimmige Bilder aus der Vogelperspektive. Seine Luftbildkamera nennt er allerdings nicht Drohne, sondern liebevoll Bienchen.

Die Aufnahmen stellt der Fotograf, der für seine Arbeit eine Ausnahmegenehmigung der Branitzer Stiftung hat, gern der Pücklerforschung zur Verfügung. Parkleiter Claudius Wecke ist froh über die Sichten auf die Landschaft, die nur aus der Luft zu bekommen sind. Dabei konnte schon manche Frage, vor die Pückler seine Erben stellt, beantwortet werden. Das betrifft beispielsweise den Verlauf der historischen Wege. "Ich suche die Strukturen der historischen Pferderennbahn in der Pyramidenflur", sagt Claudius Wecke. Deren Verlauf sei nach Auswertung der großartigen Aufnahmen von Klaus Ketzmerick klarer geworden. Auch die Beziehung zwischen Park und Dorf Branitz zeigt sich, aus der Luft betrachtet, deutlicher. Es sei genau zu erkennen, "wie der Park den Ort einfasst", sagt der Parkleiter.

Obwohl, vielleicht auch gerade weil er in Cottbus und der Region so fest verwurzelt ist, hat Klaus Ketzmerick die halbe Welt bereist. Er war in Namibia, hat den Kilimandscharo bestiegen und von seinem Gipfel bei minus 13 Grad mit klammen Fingern fotografiert. Er ist auf dem alten Inkapfad von Cusco nach Machu Picchu gewandert und hat den berühmten Blick durchs Sonnentor mit der Kamera festgehalten. Er war in Mexiko und hat die Pyramiden der Maya in Yucatán fotografiert. Er hat Nordamerika bereist, am Ägypten-Marathon teilgenommen und durch die Kameralinse in einen Nebenkrater des Ätna geschaut. Die Dunkelkammer hat allerdings schon lange ausgedient. Bereits seit 1999 fotografiert Klaus Ketzmerick digital.

Wer seine Fotos anschauen möchte, sollte im Cottbuser Ärztehaus Leipziger Straße vorbeischauen. Dort sind in der 14. Ausstellung des Leutheners seit gestern 13 Flugbilder zu sehen. Gezeigt werden vor allem Aufnahmen von Cottbus aber auch von der italienischen Insel Ischia.