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| 15:22 Uhr

Pücklers Erbe in Cottbus
Branitz erreicht die Zielgerade

Mit einer öffentlich-rechtlichen Stiftung würden die Finanzen für Schloss und Park Branitz deutlich steigen.
Mit einer öffentlich-rechtlichen Stiftung würden die Finanzen für Schloss und Park Branitz deutlich steigen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der lange Weg hin zur Neufinanzierung wird wohl bald zu Ende gehen. Von Daniel Schauff

Selbst auf der Beschlussvorlage für die Stadtverordneten steht’s: Der Weg zur Errichtung der öffentlichen-rechtlichen Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz mit dem Land Brandenburg war ein langer. Ganz am Ziel sind Stadt und Land auch noch nicht angelangt, dass mit dem neuen Jahr das Cottbuser Pückler-Vermächtnis aber den gleichen Stellenwert haben wird wie das Bad Muskauer ist mehr als wahrscheinlich. Die Stadtverordneten werden aller Voraussicht nach Ende des Monats zustimmen. Beim Land scheint ebenfalls alles in trockenen Tüchern. Das betonte Kerstin Kircheis (SPD) im jüngsten Rechtsausschuss. Und auch sie verwies auf die lange Zeit, die es gedauert habe, bis die neue Stiftung errichtet werden kann – weit über ein Jahrzehnt. 2004 hatten die Cottbuser Stadtverordneten schon einen entsprechenden Grundlagenbeschluss gefasst. Beim Land hat’s bis September 2017 gedauert. Mit der Haushaltsbeschlussfassung 2017 und 2018 war der Weg geebnet.

Künftig soll laut Abkommen das Land für den größten Teil der Finanzierung zuständig sein. Gut zwei Millionen Euro fließen dann jährlich aus Potsdam nach Cottbus – bisher waren es knapp 500 000 Euro. Die Stadt beteiligt sich mit gut 1,2 Millionen Euro und spart damit weit über eine halbe Million pro Jahr bis 2019 im Vergleich zur mittelfristigen Finanzplanung. Trotzdem: aus den Händen gleiten soll Branitz der Stadt nicht, auch wenn das Land den Großteil der Kosten trägt – laut Vertrag gibt’s für die Stadt ein dichtes Sicherheitsnetz. Das beginnt damit, dass ein Vertreter der Stadt als stellvertretender Stiftungsvorstand Cottbuser Interessen rund um Branitz verteidigen wird.

Im unwahrscheinlichen Fall, dass sich die Stiftung doch irgendwann auflöse, erklärte Kultur-Fachbereichsleiter Bernd Warchold, fielen die Liegenschaften zurück an den Stifter, also die Stadt. Belastet werden könnten die Liegenschaften nicht, so dass auch das Risiko eines herben Wertverlusts laut Vertrag nicht bestehe. Bei der Finanzierung von Stadt und Land handele es sich um Festbeträge, die vertragsgemäß einschließlich zweijähriger Kündigungsfrist bis Ende 2023 von Stadt und Land gezahlt würden.

Zunächst, das betonte Warchold auch, betreffe die Stiftungsgründung nur die unbeweglichen Güter im Park, darunter die einzelnen Parkflächen, Schloss und Marstall sowie Gärtnerei oder Gutshof. Die beweglichen Güter – Sammlungsbestände, Fahrzeuge oder Werkzeug – bleiben bis zum nächsten Jahr im Besitz der Stadt, sollen dann unter ähnlichen Voraussetzungen an die Stiftung übergehen. Auch die Mitarbeiter in Park und Schloss bleiben vorerst Angestellte der Stadt, sollen aber spätestens zu Beginn 2019 Mitarbeiter der Stiftung werden.

Auf die Frage nach den Vorteilen der künftigen Stiftung von Stadt und Land für Cottbus betonte Warchold: das Finanzierungsabkommen würde Park und Schloss endlich eine institutionelle Förderung sichern. Und die kann sich mit dann rund vier Millionen Euro Gesamtförderung – dem Doppelten der bisherigen – von Land, Stadt und Bund sehen lassen. Laut Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) könne mit dem Geld unter anderem zusätzliches Personal eingestellt werden für die Pflege der Anlage, aber auch für die Besucherbetreuung oder die wissenschaftliche Aufarbeitung der Sammlungen. Im August hatte die Ministerin von zwölf weiteren Mitarbeitern für Branitz gesprochen. Ein dringend nötiger Schritt angesichts der heftig angespannten Personalsituation im Park, über die im Juni Parkleiter Claudius Wecke öffentlich im Kulturausschuss geklagt hatte.

Wenig überraschend also, dass die Reaktionen im Rechtsausschuss positiv ausfielen, insbesondere nachdem Warchold Bedenken um Cottbus’ Mitspracherecht rund um Park und Schloss versucht hatte auszuräumen.