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| 17:42 Uhr

Hubschrauber, Drohnen und Brummis
Brandenburger Polizei prüft Lkw mit neuer Technik

Drohnenkontrolle auf der A15 FOTO:
Cottbus. Für eine größere Verkehrskontrolle auf der A13 hat die brandenburgische Polizei neben dem Hubschrauber auch erstmals eine Drohne eingesetzt. Geprüft wurde, ob LKWs den Sicherheitsabstand einhalten. Von Jenny Theiler

Sie gelten als Dauerärgernis auf deutschen Autobahnen und werden dennoch immer mehr – LKWs, Sattelschlepper oder Brummis, wie man sie oft nennt. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich das LKW-Aufkommen bundesweit um bis zu 300 Prozent verstärkt, wie der ADAC Berlin Brandenburg auf Nachfrage der RUNDSCHAU bestätigt. „In Verbindung mit den vielen Baustellen und den geschädigten Straßen wächst dadurch natürlich auch die Unfallgefahr“, erklärt der Verkehrsleiter vom ADAC, Jörg Becker.

Das kann auch die Polizei bestätigen. Insbesondere in der Ferienzeit sorgen Staus und eine hohe Fahrzeugdichte auf den Autobahnen für ein erhöhtes Unfallrisiko. „Besonders problematisch sind Baustellen und Staubereiche, und bei Unfällen mit LKW-Beteiligung sind leider in über 50 Prozent der Fälle die LKWs die Unfallverursacher“, erklärt Polizeipressesprecher Maik Kettlitz. Aus diesem Grund ist am Donnerstagvormittag eine umfangreiche Verkehrskontrolle auf der A13 Richtung Dresden durchgeführt worden.

Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz
Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz FOTO: LR / Jenny Theiler

Es werden ausschließlich LKWs kontrolliert. Der Fokus des Polizeieinsatzes liegt auf der Einhaltung des LKW-Mindest

abstandes. „Dieser beträgt 50 Meter und muss auch beim Überholmanöver eingehalten werden“, betont der Kontrollbeamte Alexander Kroll. Neben der Polizeidirektion Süd ist außerdem das Landesamt für Arbeitsschutz und das Bundesamt für Güterverkehr an der Verkehrskontrolle beteiligt.

Auf dem Rastplatz „Am Bugkgraben West“ bei Schönwalde werden die Kontrollen durchgeführt. Ob die LKWs den gesetzlichen Mindestabstand einhalten prüft ein Polizeihubschrauber, der gegen 10.30 Uhr eintrifft. Die Beamten im Hubschrauber empfangen Signale von einem mit Funkmasten ausgestatteten Polizei-LKW auf dem Rastplatz. Verstöße werden aufgezeichnet und an Tino Schubert weitergeleitet, der bei der Polizei zur technischen Einsatzeinheit der Direktion Besondere Dienste gehört. Polizisten auf Motorrädern ziehen dann die betroffenen Fahrzeuge aus dem Verkehr. Innerhalb von 45 Minuten haben die Beamten drei Verstöße ausmachen können. „In einem Fall ist der Abstand zwischen den LKWs gerade einmal 20 Meter“, erzählt Tino Schubert.

Die tonnenschweren Fahrzeuge verstopfen den Verkehrsfluss und sorgen regelmäßig für Unfälle - so ist zumindest die allgemeine Meinung. Der enorme Druck, unter dem ein Fernfahrer heutzutage arbeiten muss, ist vielen jedoch nicht klar. „Die Wirtschaft boomt und demzufolge nimmt auch der Güterverkehr vor allem in der Transitgegend Brandenburg immer mehr zu“, erklärt Maik Kettlitz. „Gleichzeitig werden viele LKWs als rollende Lager verwendet, damit die Zulieferer ihre Lagerkosten möglichst niedrig halten können“, so der Polizeipressesprecher. Fahren unter enormem Zeitdruck, die Angst zu spät zu liefern und totale Übermüdung sind oft die Folge dieses Speditionsgeschäfts. Nicht selten enden LKW-Unfälle tödlich.

Die schlimmsten Unfälle des Jahres FOTO:

Vor allem das zu dichte Auffahren ist auf Brandenburgs Autobahnen ein massives Problem. Die bewährten Hubschrauber, die derartige Verkehrsverstöße aus der Luft dokumentieren, bekommen demnächst vielleicht technische Verstärkung von Drohnen. Die Diskussion über den Einsatz der fliegenden Kameras in der Polizeiarbeit wird bereits seit Längerem geführt. Vor circa einem Jahr ist die Arbeitsgruppe „Drohne“ vom Polizeipräsidium Brandenburg aufgebaut worden. „Ende des vergangenen Jahres haben wir ein Konzept zum Einsatz von Drohnen bei Polizeieinsätzen eingereicht. Einige Versuche haben wir schon durchgeführt. Der offizielle Testlauf ist am ersten Juli gestartet“, sagt Projektleiter Frank Seidlitz. Es soll getestet werden, inwiefern der Einsatz von Drohnen die Polizeiarbeit bereichert.

Bisher erweisen sich die intelligenten Fluggeräte als äußerst praktisch. Sie fliegen bis zu 50 Meter  hoch und eröffnen mitunter eine genauere Sicht auf das Verkehrsgeschehen. Zudem ist die Nutzung einer Drohne vergleichsweise recht günstig. „Eine Flugstunde mit dem Hubschrauber kostet knapp 3000 Euro – bei einer Drohne ist es eine Akkuladung“, sagt Maik Kettlitz. Dennoch ist der Einsatz der Flugkameras auch von den örtlichen Gegebenheiten und der Wetterlage abhängig, und sie können wie Blitzer und Laser auch nicht überall eingesetzt werden. „Es geht uns auch nicht darum den Hubschrauber künftig zu ersetzen. Vielmehr sollen die Drohnen eine Ergänzung unseres Repertoires sein“, betont Frank Seidlitz.

Der Verkehrseinsatz dauert insgesamt fünf Stunden und erweist sich als äußerst erfolgreich. Von 50 LKWs werden bei 32 Verstöße festgestellt. Zwölf Fahrzeuge unterschreiten den Sicherheitsabstand, 24 verstoßen gegen Sozialvorschriften. Acht LKWs weisen massive technische Mägel auf, und vier Lastern wird die Weiterfahrt untersagt. Für den künftigen Drohneneinsatz sind noch weitere Tests und die Abstimmung mit den Gerichten erforderlich. „Im Großen und Ganzen sind wir mit dem Testlauf sehr zufrieden und können uns vorstellen, die Drohnen zur Verkehrsüberwachung einzusetzen“, sagt Maik Kettlitz.

Drohnenkontrolle auf der A15 FOTO: