Bund und Länder haben sich am Mittwoch auf eine leichte Lockerung der Corona-Regelungen in Deutschland verständigt. Das betrifft auch die Schulen und Kitas. Sie sollen vorerst weiter geschlossen bleiben. Ausnahmen gibt es lediglich für das Abitur und andere Abschlussprüfungen.

Die Details für Brandenburg und Sachsen müssen nun die Landesregierungen beschließen. Das soll bis Freitag geschehen. Um 13.15 Uhr wollen Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und seine Minister vor die Presse treten.

Erste Details sind aber schon bekannt, wie aus den Verlautbarungen der Ministerpräsidenten Woidke und Kretschmer am Abend entnommen werden konnte. Das müssen Eltern und Schüler jetzt wissen.

Brandenburgs Schulen bleiben bis 3. Mai zu

„Die Brandenburger Landesregierung wird in einer Kabinettssitzung am Freitag eine neue Rechtsverordnung zur Eindämmung des Coronavirus verabschieden. Sie wird bis Sonntag, 3. Mai gelten“, teilt die Landesregierung am Mittwochabend nach dem Telefonat der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten mit. Für die Schulen bedeutet das laut der Pressemitteilung: „Krippe, Kita und Schulen bleiben vorerst bis 3. Mai für den allgemeinen Betrieb geschlossen.“

Geöffnet werden lediglich die weiterführenden Schulen – allerdings nur für „Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen (Unterricht) der Abschlussklassen dieses Schuljahres“.

Sachsen öffnet Schulen ab Montag

„Für die Schüler aller Abschlussklassen an den Gymnasien, Berufsbildenden Schulen, Oberschulen und Förderschulen werden die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen“, teilt die sächsische Staatsregierung am Mittwochabend mit. „Wir wollen damit den Schülern, die kurz vor ihren Prüfungen stehen, die Chance geben, sich auf ihren Abschluss gezielt vorzubereiten“, teilte Kultusminister Christian Piwarz mit. Ein regulärer Unterricht findet nicht statt.

Bereits ab Montag werden die Schulen „vorerst ausschließlich für das Personal geöffnet, welches zur Vorbereitung der Schüler auf ihre Prüfungen notwendig ist“. Ab dem 22. April beginnt den Angaben zufolge die eigentliche Prüfungsvorbereitung für die Schüler.

Was ist mit den Abiprüfungen in Brandenburg?

„Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen (Unterricht) der Abschlussklassen dieses Schuljahres sollen nach entsprechenden Vorbereitungen ab 27. April wieder stattfinden können. Das betrifft in Brandenburg die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen an Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien, die noch in diesem Jahr den Mittleren Abschluss erreichen wollen“, teilt die Landesregierung mit. Und fügt hinzu: „Das Abitur soll in Brandenburg unabhängig von der Öffnung der Schulen wie geplant stattfinden.“ Prüfungsstart ist am Montag, 20. April. Das hatte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zuvor bereits in einem Brief an die Abiturienten angekündigt.

Wie sollen die Prüfungen in Sachsen ablaufen?

„Die Abiturprüfungen finden wie geplant statt“, kündigt die Landesregierung an. Konsultationen sind ab dem 20. April möglich. „Die Abiturienten haben jahrelang auf den Moment ihres Abschlusses der Hochschulreife hingearbeitet. Wir sehen uns in der Pflicht, ihnen unter den schwierigen Bedingungen ein faires und bundesweit anerkanntes Verfahren für die Prüfungen zu ermöglichen“, so Minister Piwarz.

Prüflinge können zwischen dem ersten und zweiten Prüfungstermin wähle. „Wer sich noch nicht ausreichend auf die Abiturprüfung vorbereitet sieht, kann somit auf den Zweittermin ausweichen und die zusätzliche Zeit für Konsultationen mit den Fachlehrern nutzen“, so der Kultusminister.

Die Abiturprüfungen in Sachsen starten nach den Osterferien am 22. April mit den schriftlichen Prüfungen in Evangelischer und Katholischer Religion. Es folgen die Prüfungen zum Graecum (23. April) und in Physik (24. April).

Was ist, wenn noch Noten für das Abschlusszeugnis fehlen?

„Sofern möglich sollen für jeden Schüler in seinen nicht geprüften Fächern die zu erwartenden Jahresnoten ermittelt werden“, heißt es in einem Schreiben des sächsischen Kultusministeriums an die Schulen. „Unterricht in diesen Fächern kann für einzelne Schüler insbesondere dann noch stattfinden, wenn dieser zur Bildung der Jahresnote erforderlich ist.“

Was ist mit den Grundschulen in Brandenburg und Sachsen?

Die bleiben geschlossen. Erst nach dem 4. Mai soll in Brandenburg „der Schulunterricht in geeigneter Form wieder beginnen für die letzte Grundschulklasse“. Alle anderen Klassen werden – Stand heute – noch länger zuhause bleiben.

Aus Sachsen gab es am Mittwochabend dazu noch keine Auskunft.

Was ist mit den Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien?

In Brandenburg sollen diese nach dem 4. Mai wieder öffnen, für „die Abschlussklassen und qualifikationsrelevanten Jahrgänge der allgemeinbildenden sowie berufsbildenden Schulen, die im nächsten Schuljahr ihre Prüfungen ablegen“.

Wie sollen die Coronaschutzmaßnahmen an den Schulen umgesetzt werden?

„Die Lerngruppen sollen an den Schulen verkleinert, damit Abstände eingehalten werden können. Die konkrete Ausgestaltung wird vom Bildungsministerium erarbeitet“, teilt die Brandenburger Landesregierung mit.

Sachsens Bildungsminister betont, dass für die Durchführung der Prüfungen und die Prüfungsvorbereitungen strenge Hygiene- und Abstandsregeln für Lehrkräfte und Schüler gelten, um den notwendigen Infektionsschutz zu gewährleisten. Dazu erhalten Schulen genaue Hinweise. „Wir haben auch die Risikogruppen im Blick und werden entsprechende Regelungen treffen und die Schulen darüber informieren“, betonte Piwarz.

Die Kultusministerkonferenz wurde von den Ländern beauftragt, bis zum 29. April ein Konzept für weitere Schritte vorzulegen, „wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, insbesondere unter Berücksichtigung des Abstandsgebots durch reduzierte Lerngruppengrößen, insgesamt wieder aufgenommen werden kann“. Dabei soll neben dem Unterricht auch das Pausengeschehen und der Schulbusbetrieb mit in den Blick genommen werden. Jede Schule brauche einen Hygieneplan, heißt es im gemeinsamen Papier von Kanzlern und Ministerpräsidenten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Schulen aktuell nicht in der Lage, notwendige Maßnahmen des Gesundheits- und Infektionsschutzes umzusetzen. GEW-Chef Günther Fuchs sagte: „Ein sogenannter normaler Schulbetrieb wird bis zu den Sommerferien nicht möglich sein.“

Sind die Schulen darauf vorbereitet?

Das ist sehr unterschiedlich. Mancherorts sind etwa die Gänge so eng, dass Abstandsregeln beim besten Willen kaum eingehalten werden können. Auch Seife und warmes Wasser hat es bislang längst nicht überall gegeben. Stephan Wassmuth, der Vorsitzende des Bundeselternrats, bezweifelt, dass sich das schnell ändert. „Es ist ausgeschlossen, dass die Schulen ihre oft maroden sanitären Einrichtungen bis zum 4. Mai so in Ordnung bringen, wie es in dieser Pandemie-Situation nötig wäre“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Was ist mit den Kitas in Brandenburg?

Kitas und Krippen bleiben ebenfalls geschlossen. Die Notbetreuung für Eltern, die in systemkritischen Bereichen arbeiten wird aufrecht erhalten. „Die bestehende Notbetreuung wird für weitere Berufs- und Bedarfsgruppen ausgeweitet. Die konkrete Ausgestaltung wird mit den kommunalen Spitzenverbänden abgestimmt“, teilt die Landesregierung mit.

Woidke hält eine allgemeine Kita-Öffnung in der jetzigen Situation nicht für verantwortbar. Kinder könnten das Virus ebenfalls übertragen.

Was ist mit Noten und Zeugnissen für die Klassen, die jetzt keinen Abschluss machen?

Dazu lagen am Mittwoch noch keine Informationen vor.

Was ist mit dem Schülerverkehr?

Dazu lagen am Mittwoch noch keine Informationen vor.

Wo bekommen die Schüler ihre Aufgaben für die nächsten Wochen her?

Das müssen die jeweiligen Schulen nun organisieren. problematisch wird das, wenn tatsächlich – wie angekündigt – in Brandenburg erst am Freitag Details beschlossen werden. Eltern sollten sich, wo möglich, über die Internetseiten der Schulen oder andere bisher genutzte Kanäle informieren.

Dürfen Lehrer, die zu Risikogruppe gehören, wieder unterrichten?

Dazu lagen am Mittwoch noch keine Informationen vor.

Bleiben die Schulen jetzt bis zu den Sommerferien zu?

Dazu gibt es noch keine Entscheidung. Die am Mittwoch getroffenen Vereinbarungen gelten zunächst für zwei Wochen. Dann wollen sich Kanzlerin und Ministerpräsidenten erneut beraten und über das weitere Vorgehen informieren. Die Kultusministerkonferenz soll bis zum 29. April ein Konzept für das weitere Vorgehen vorlegen.

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