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| 07:01 Uhr

Feuerwehr nutzt Drohnen
Brandbekämpfung an Land und aus der Luft

Die Johanniter halfen beim Brand in der Lieberoser Heide mit einer Drohne aus.
Die Johanniter halfen beim Brand in der Lieberoser Heide mit einer Drohne aus. FOTO: Johanniter Südbrandenburg
Cottbus. Drohnen erleichtern die Arbeit der Feuerwehrleute enorm. Erst am Wochenende kam ein Multicopter beim Brand in der Lieberoser Heide zum Einsatz. Von Josephine Japke

400 Hektar Wald standen am Wochenende in der Lieberoser Heide in Flammen. Weil die Lage am Boden auf dem Ex-Truppenübungsplatz Lieberose zu heikel war, wurde der Einsatz auch aus der Luft koordiniert und überwacht. Die Regionalleitstelle Lausitz verfügt allerdings über keinen eigenen Multicopter, weshalb die Kollegen von der Johanniter-Unfall-Hilfe ausrückten.

„Wir haben insgesamt drei Drohnen für verschiedene Anlässe. Eine davon war schon am Donnerstag, als der Brand am schlimmsten wütete, acht Stunden im Einsatz“, erklärt Andreas Berger-Winkler, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter. 20 Minuten konnte die Drohne am Stück in einer maximalen Höhe von 350 Metern fliegen, ehe der Akku gewechselt werden musste. In der Zeit dokumentierte sie die Entwicklung des Brandes. „Durch den munitionsverseuchten Bereich war es den Einsatzkräften nicht möglich, zu jedem Brandherd vorzudringen. Von oben konnten wir die Situation aus sicherer Entfernung beobachten“, erklärt er.

Vor allem auf großflächigen Bränden in Wäldern können Drohnen die Arbeit der Feuerwehren erleichtern. Sie ermöglichen durch eine Live-Übertragung der Bilder eine andere Perspektive für die Einsatzkräfte, die Rückschlüsse auf die Brandentwicklung zulässt. Welche Zufahrtswege sind nutzbar, wo muss evakuiert werden, welche Geschwindigkeit hat das Feuer und wie ist die Rauchentwicklung? „In der Lieberoser Heide konnten wir ganz konkret sagen, wo Löschfahrzeuge hin können und wo sie abgezogen werden müssen, weil sie in Gefahr sind“, sagt Andreas Berger-Winkler.

Den Nutzen der Drohnen hat auch André Dreßler, stellvertretender Leiter der Regionalleitstelle Lausitz, erkannt und sagt: „Eine Drohne steht bei uns ganz oben auf der Wunschliste, weil wir bisher noch über keine verfügen.“ Schon längst sollten Feuerwehren seiner Meinung nach das Potenzial der unbemannten Luftfahrzeuge erkannt haben. Trotzdem verfügen in Brandenburg nur wenige Wehren über die Technik. Auch in den kreisfreien Städten Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) sind keine Drohnen im Einsatz. In Potsdam wird die Anschaffung lediglich geplant. In Cottbus ist das ebenfalls noch Zukunftsmusik, weil Strukturen, Technik und Gelder fehlen.

Dabei fallen André Dreßler eine ganze Reihe von Einsatzmöglichkeiten ein. „Neben Waldbränden können Drohnen auch bei Hochwasser in der Region Spree-Neiße nützlich sein, um zu erkennen, wo Deiche brechen und Überschwemmung droht“, erklärt er. Auch bei Zugunglücken, bei denen die Rettungskräfte nicht eingreifen dürfen, solange die Gleise unter Strom stehen, könnte eine Drohne in der verlorenen Zeit kostbare Informationen sammeln. Personensuche, chemisches Rettungswesen und Beobachtung von Verkehrsunfällen wären ebenfalls möglich.

„Man muss das immer unter dem Gesichtspunkt sehen, dass man Drohnen da hinschicken kann, wo es für Menschen zu gefährlich ist. Die Sicherheit der Kameraden geht stets vor“, sagt André Dreßler. Er deutet an, dass die Regionalleitstelle Lausitz eine Zusammenarbeit mit der BASF Schwarzheide anstrebt, die über die Anschaffung einer Drohne nachdenken.

Tobias Pahl, Teamleiter der Werksfeuerwehr bei der BASF, äußert sich darüber nur zurückhaltend: „Drohnen sind nicht nur für Feuerwehren, sondern für fast jeden Industriezweig interessant. Auch wir sehen den Nutzen in ihnen, haben aber selbst noch keine Drohne“, sagt er. Aktuell arbeite ein „Drohnen-Team“ an der BTU Cottbus-Senftenberg an Schnittstellen zwischen Industrie und Feuerwehren in der gemeinsamen Nutzung von Drohnen. „Das Ganze ist aber noch in der Projektphase und nicht spruchreif“, erläutert Tobias Pahl. Sobald eine Drohne allerdings vorhanden sei, stehe auch der Zusammenarbeit nur wenig im Wege.