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| 18:21 Uhr

Cottbus
Brache in Branitz freigelegt

Auf dem Gelände der früheren Gärtnerei in der Branitzer Siedlung sind in den vergangenen Woche die Bäume entlang der Forster Straße gefällt worden. Damit ist nun der Blick frei auf die Brache der seit Jahren leer stehenden Gärtnerei.
Auf dem Gelände der früheren Gärtnerei in der Branitzer Siedlung sind in den vergangenen Woche die Bäume entlang der Forster Straße gefällt worden. Damit ist nun der Blick frei auf die Brache der seit Jahren leer stehenden Gärtnerei. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Baumfällung entlang der Forster Straße verstößt gegen Denkmalauflagen. Von Peggy Kompalla

Entlang der Forster Straße in der Branitzer Siedlung sind in der vergangenen Woche geschätzt 100 Bäume gefällt worden. Damit ist der Blick auf die heruntergekommene Gärtnerei im Außenpark des Branitzer Parks freigelegt. Das geschah zwar auf einem Privatgrundstück, verstößt allerdings gegen Auflagen des Denkmalschutzes. Die Stadtverwaltung hat aus diesem Grund einen Baustopp veranlasst. Darüber informiert Bauordnungsamtsleiter Peter Nitschke am Dienstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Der Amtsleiter erklärt: „Um die Bäume zu fällen, hätte es einer denkmalrechtlichen Erlaubnis bedurft, da es sich in dem Bereich um einen Eingriff in das Erscheinungsbild der Denkmalbereichs Außenpark Branitz handelt.“ Die entsprechende Genehmigung liege jedoch nicht vor. Die Stadt prüft deshalb „weitere ordnungsbehördliche Maßnahmen zur Beseitigung des Schandflecks“.

Der Fachbereich Umwelt und Natur hat dagegen keine Handhabe gegen die Baumfällungen, wie Umweltamtsleiter Stephan Böttcher bestätigt. Die in Rede stehende Fläche liege im Außenbereich. „Somit greift die Baumschutzsatzung der Stadt nicht“, sagt der Umweltamtsleiter. „Auch handelt es sich hier nicht um Wald gemäß Landeswaldgesetz.“ Zudem sei die Brut- und Nist-Schonzeit eingehalten worden.

Das Firmengelände der ehemaligen Gärtnerei in der Branitzer Siedlung hat im vergangenen Jahr die Branitz Garden GmbH gekauft. Das Unternehmen will auf dem Gelände eine Eigenheimsiedlung errichten. Laut Flächennutzungsplan der Stadt Cottbus ist das allerdings nicht möglich, wie die Stadtverwaltung bereits mehrfach betont hat. Demnach ist für das Areal nur Landwirtschaft vorgesehen. „Daran soll auch festgehalten werden“, sagt Nitschke. Die Fläche liegt demnach im Außenpark des Pücklerparks. „Für die Fläche ist im Sinne der ornamental farm eine gestaltete Feldflur vorgesehen.“

Dementsprechend erschüttert zeigt sich der Direktor der Stiftung Park und Schloss Branitz angesichts der geschaffenen Tatsachen. Gert Streidt erklärt: „Wir waren immer froh, dass die Bäume das Antlitz der Gärtnerei bisher gnädig verhüllt haben.“ Mit der Fällung der Bäume sei für jedermann sichtbar ein ästhetischer Schaden entstanden. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Eigentümer uns über ihre Absichten informieren.“ Bislang sei jedoch das Gesprächsangebot vonseiten der Branitz Garden GmbH nicht angenommen worden. Auch für die RUNDSCHAU war das Unternehmen nicht erreichbar.

In Branitz und der Branitzer Siedlung hat mit dem Verkauf des Gärtnereigeländes ein Deutungswettstreit begonnen. Die einen sehen in dem Projekt der neuen Eigentümer endlich eine positive Entwicklung nach Jahrzehnten des Stillstands. Die anderen einen Eingriff in das Kulturerbe. Denn der Außenpark ist ein wichtiger Teil des Branitzer Parks und steht dementsprechend unter Denkmalschutz.

Stiftungsdirektor Streidt betont: „Unser Ziel ist und bleibt es, den Weltkulturerbestatus zu erreichen. Dafür ist der Außenpark wichtig. Deshalb sehe ich die Baumfällungen in einer positiven Lesart als ersten Schritt, um das alte Gärtnereigelände als einen Bestandteil der Pücklerschen Parklandschaft zurückzuführen.“